 anmutigsten und fruchtbarsten Gegend von Sizilien,
ein schönes Land-Gut kaufte. Ich gedachte hier mein Leben in der süßesten
Vereinigung mit meiner liebenswürdigsten Tuneserin zuzubringen. Aber ach! wie
eitel sind der Menschen Anschläge.
    Ich liebte Roxelanen allzuheftig, als dass ich mich dadurch nicht so sehr an
eine bloße Kreatur sollte gebunden haben; dergleichen innigste Vereinigung
findet man nicht in dieser Welt: Sie war ein Vorschmack des Paradieses, wenn sie
nicht die Furcht der Sterblichkeit beunruhigte. Es vergieng nicht leicht ein
Tag, da wir uns dieses nicht vorstellten, und darüber eine gewisse Traurigkeit
empfanden, die uns bei dem Genuss des größten Vergnügens seufzen machte. Wir
hatten eine Ahndung, dass wir nicht lang beisammen bleiben würden. Es ist ein
verborgener Zusammenhang in der Natur, und wie eine Säyte, die man an einem Ende
beweget, ihre Rührung zugleich am andern Ende empfinden lässt; so spüret öfters
unser Geist ein ihm unbekantes Gefühl von dem, was uns vorstehet. Meine
Glückseligkeit war zu gros für eine Welt, darin die meiste Menschen nur zum
Leiden scheinen geboren zu sein.
    Es geschah auf Befehl des Bei, dass wir unsern Wohn-Sitz so nah bei der
Barbarei genommen hatten: Seine Absichten gingen dahin, seine Würde
niederzulegen und bei uns verborgen als ein Christ die übrige Lebens-Jahre
zuzubringen. Das Schloss, welches wir bewohnten, lag unweit einem kleinen
Meer-Port; Wir hatten eine treffliche Vieh-Zucht, und nebst der feinsten Seide
auch die reinste Wolle. Die benachbarte Tuneser und Algierer kamen in der Menge
herüber gefahren, um solche aufzukauffen. Wir wurden von ihnen bald
ausgekundschaftet: Der verkehrte Religions-Eifer kann in der Welt nichts anders
als Böses stiften: Ein Tuneser wusste unter andern bei mir und meiner Frauen
ungemein sich einzuschmeicheln. Dieser Böswicht war von den Dervis abgeschickt,
um meine Frau aus der Welt zu schaffen: Ihr Vater hatte um eben diese Zeit ein
gleiches Schicksal gehabt: Die Mahomedaner halten dieses für ein Gesetz, alle
diejenige, die von ihrem Glauben abfallen, aus dem Weg zu räumen.
    Der Verräter stellte sich, als ob er dem Exempel der Roxelanen folgen
wollte, welche gleich nach ihrer Ankunft den Christlichen Glauben mit der größten
Begierde angenommen hatte. Diese Verstellung machte, dass wir ihn zu uns nahmen
und ihm alles vertrauten. Man behält noch immer eine natürliche Zuneigung zu
solchen Leuten, die mit uns, unter einerlei Himmels-Gegend, in diese Welt
gekommen sind, und so zu sagen, mit uns einerlei Luft und Speise genossen haben.
Roxelane liebte insonderheit ein gewisses kühlendes Getränck, woran sie von
Jugend auf gewohnet war. Ihr treuvermeinter Lands-Mann konnte solches ungemein
nach ihrem Geschmack verfertigen. Er nahm Gelegenheit, ihr damit zu
