 in dieser fremden Welt alle mögliche Veränderungen
zu geben, um solches von den traurigen Betrachtungen meiner bisher so schnell
auf einander gefolgten Unglücks-Fälle abzuziehen: Ich besuchte öfters den
Aquitanischen Konsul, der ein sehr redlicher Mann war. Es fanden sich auch in
Tunis einige Misionarien; deren listige Art aber die Christen-Sklaven aszulösen,
mir so wenig, als die Methode, womit sie das Christentum lehrten, gefiel. Die
verwüstete Denckmahle von Kartago, welche ich an diesem Ort beobachtete, hatten
etwas, das meinen Geist besonders rührte: Man entdeckte hier kaum noch die
Spuren dieser ehmahls prächtigen Mitbuhlerin des alten Roms: Die Zeit hatte
schier alles in Staub und Graus verkehret.
    Ich sah mich, dem Namen nach, unter Barbaren, welche gleichwohl sich rühmen
dorften, ehrlicher und aufrichtiger zu sein als die Christen selbst. Ich bin nie
der Meinung gewesen, dass nicht auch andere Völcker die Gründe der Menschheit in
sich haben sollten: Ich halte dafür, dass nur die Religion, die Auferziehung und
die verschiedene Regierungs-Art den Unterschied mache. Die Bosheit und das
Verderben aber unter den Menschen äußert sich allenthalben. Ich fand solches in
Tunis, wie in meinem Vaterland. Ich seufzte heimlich darüber, als ich sah, wie
wenig wir vor diesen Barbarischen Völckern voraus hatten.
    Wir entsetzen uns über ihre Grausamkeit, damit sie die Christen-Sklaven
tractiren, und nehmen es gleichwohl vielen unserer Europäischen Fürsten kaum
einmal übel, wenn sie öfters ihren eigenen Untertanen mit gleicher Härte
begegnen. Das Recht, welches die Korsaren über ihre Kriegs-Gefangene gewinnen,
scheint ihr unbarmhertziges Verfahren gegen dieselbe noch einigermaßen zu
entschuldigen: allein ich sehe in dem ganzen Natur-Recht nichts, das unsern
Fürsten zum Vorwand dienen könnte, diejenige zu plagen und zu peinigen, um deren
Sicherheit und Wohlfart zu schützen, sie Fürsten sind.
    Wann auch der Bekehrungs-Eifer bei uns für recht und gut gehalten wird, so
sind darin die Tuneser noch weit frömmer als wir. Sie bekehren die Menschen,
welche sie für unglaubig halten, nicht durch Schärgen, Hencker und Dragoner: sie
locken sie durch Freundlichkeit und Liebe: und geben oft geringen Sklaven, wenn
sie gute Eigenschaften besitzen, die artigste und reicheste Weiber.
    Der Bei vernahm nicht so bald durch den Aquitanischen Konsul, dass ich von
vornehmer Geburt sei, und so wohl in der Kriegs-Ban-Kunst, als in andern
Wissenschaften erfahren wär, so ließ er mich öfters zu ihm bringen. Er bezeigte
mir eine besondere Hochachtung, welche endlich so lebhaft wurde, dass er mir
versprach, mich zum glücklichsten Menschen von der Welt zu machen, wenn ich bei
ihm bleiben und zu der Mahomedanischen Religion übertreten wollte. Dieses zeigt
uns, wie ein
