 Bart bewachsen war, öffnete ihm die Türe. Verzeihet
mir, Ehrwürdiger Alter, war des Grafens Anrede, dass ich euch in eurer Einsamkeit
stöhre: ich habe mich in diesem Wald verirret: ihr werdet so gut sein und mir
bei euch einen Aufenthalt vergönnen, bis der Tag mir verstatten wird, wieder
nach Panopolis zurückzukehren. Wer sie auch sind, mein Herr! antwortete der
Alte, so haben sie hier bei mir zu befehlen. Er nötigte ihn darauf sich an ein
Feuer zu setzen, welches im Kamin brante, und ließ ihm durch einen jungen
Menschen, den er bei sich hatte, verschiedene Erfrischungen reichen, welche der
Graf hier anzutreffen sich nicht vermutet hatte: sie kamen ihm ganz zu rechter
Zeit: sein ungewöhnlicher Spatziergang hatte ihm solche doppelt-annehmlich
gemacht.
    Der Alte konnte den Grafen nicht genug ansehen; so viel Jahre er auch in der
Welt gelebet hatte, so dünkte ihm doch kein Mensch von solcher Gestalt noch
vorgekommen zu sein. Er betrachtete ihn mit einer solchen tiefen Aufmerksamkeit,
dass der Graf, der solches wahrnahm, ihn fragte, für wem er ihn hielte. Mein
Herr! antwortete jener ganz lebhaft, ich halte sie für mehr, als sie sich selber
halten: ihre Kleidung gibt mir wohl einen vornehmen Herrn zu erkennen, ihre
Gesichts-Bildung aber sagt mir noch weit mehr. Wie! fragte der Graf, mein guter
Vater, ihr verstehet euch auf die Gesichts-Bildung? In meiner Jugend, sprach der
Alte, hab ich mich stark auf die verborgene Wissenschaften der Natur, den
Himmels-Lauff und die Astrologiam judiciariam gelegt, und dabei viel besonders,
was die Veränderung der Reiche und die Begebenheiten der Menschen betrifft,
wahrgenommen. Meine langwierige Erfahrung hat auch in vielen Stücken meine
Anmerkungen bekräftiget; allein, auch dieses mich gelehret, dass ein Gott sei,
der oft selbst ins Mittel tritt, und sich an die Gesetze der Natur, davon er
selber HErr ist, nicht jederzeit bindet. Man muss aber eine erhabene und
Göttliche Seele haben, wenn man nicht mehr dem Einfluss der Gestirne und dem
Zusammenhang der natürlichen Ursachen will unterworfen sein. Wahre Weisen ziehen
sowohl ihre Kraft zum Guten, als ihre ganze davon abhangende Glückseligkeit, aus
Gott selbst; doch ist niemand mehr als sie darauf beflissen, die Ordnung, welche
Gott in die Natur gelegt hat, zu beobachten; weil sie erkennen, dass der
Beherscher der Welt darin am deutlichsten seinen Willen ausgedruckt habe.
    Dergleichen weise Leute, fragte der Graf, werden sich wohl schwerlich an der
Königen Höfen befinden? warum nicht, antwortete der Alte; die äußerliche
Umstände machen dabei nichts; Gott gebraucht sich dieser Leute in allen Ständen,
und wenn er ein ganzes Reich will glücklich
