 da
man ihnen dann, gleich andern Ubeltätern, den Schutz aufkündigte, und sie als
ungesunde Glieder von der Gemeine trennete.
    Die übrige Schwachheiten aber ertrugen sie an einander mit Liebe, Sanftmut
und Geduld; sie bestraften mit vieler Nachsicht und Gelindigkeit die wirkliche
Fehler, wenn man solche bereuete, und mit einer ernstlichen Buse zu verbessern
versprach. Die Laster aber, welche sie gar nicht dulteten, waren die Lügen, der
Betrug, die Falschheit, die Verleumdung, die Heuchelei, die Zanksucht, der Zorn,
die Rachgierde, die Unversöhnlichkeit; kurz, alles, was wider die Liebe Gottes
und des Nächsten lauffet.
    Sie hielten dafür, dass wer ein rechter Christ werden wollte, ohne im Grund
des Herzens aufrichtig zu sein, der würde in die Luft bauen, und keinen Grund
haben; denn es sei nach dem neuen Bund nicht genug, dass man bloß gesetzlich
wäre: die Lehren Christi, sagten sie, gingen auf den innern Menschen, auf die
Verbesserung des Herzens, und auf die Lauterkeit des Willens.
    Alle vorkommende Zwistigkeiten und Streit-Sachen wurden bei ihnen durch
Schieds-Richter, oder durch die Ältesten und Vorsteher der Gemeinen beigelegt:
es sei dann, dass sich ein schwerer Rechts-Handel von Wichtigkeit ereignete, der
ohne gründliche Wissenschaft der Rechten nicht wohl konnte entschieden werden:
in solchem Fall setzte man die Sache mit allen Umständen zu Pappier, sandte
solche nach dem hohen Tribunal nach Argilia, und ließ dieses oberste
Land-Gericht darinnen sprechen. Mit diesem Spruch wurde der ganze Prozess auf
einmal zu Ende gebracht. Glückselige Völcker! welche auf diese Weise keine
Advokaten und Procuratores vonnöten haben.
    Wie nun hierdurch die Ruhe, der Friede und die Eintracht in dem Bürgerlichen
Leben erhalten wird; also herrschen solche auf gleiche Weise auch in der
Religion, welche sonst aller Orten ein Vorwurf des größten Haders und der
betrübtesten Spaltungen ist. Hier werden die Geistlichen und Schriftgelehrten,
durch den Eifer ihre Meinungen gegen einander zu verteidigen, nicht aufgehetzt.
Hier werden die Läyen nicht durch die Menge der vielen Streit-Fragen und
Glaubens-Artikel verwirret: Ihre Lehrer sind weise fromme Leute, die nicht für
ihre eigene Aufsätze Krieg führen, noch ihre fanatische Grillen zum Glauben
machen. Das Predigen ist bei ihnen kein Handwerk, und die Kanzel nicht die
Werkstatt, davon sie sich nähren. Sie leben von ihren eigenen Gütern, oder von
ihrer Hand-Arbeit, die sie gleich andern besorgen: geraten sie aber dabei in
einigen Nahrungs-Mangel, so hilft ihnen die Gemeine und besorget allenfalls ihre
Notdurft: sie halten dafür, dass man nach Aufhebung des Alt-Testamentischen
Gottesdienstes, der ordentlichen Priester und Opfer-Knechten, die sich vom Altar
nähren mussten, nicht mehr
