 waren sie mäßiger, bescheidener und demütiger: Sie beobachteten so wohl
die gemeine Gebräuche, als die Höflichkeit in Sitten und Gebehrden: der
Wohlstand war bei ihnen eine Tugend, weil er die Ordnung unterstützte. Sie
hielten dafür, dass die Auszeichnung in solchen nichts bedeutenden Dingen, einen
gewissen Eigensinn und heimlichen Hochmut entdecke, der mit der Einfalt und
Aufrichtigkeit eines guten Herzens nicht übereinkomme.
    Man fand bei ihnen alle Ergötzlichkeiten des menschlichen Lebens; sie
nahmen solche an, wenn sie unschuldig waren; und wenn sie solche haben konnten;
sie lidten im Gegenteil alles, was ihnen die Natur leiden machte, mit einer
großmütigen Standhaftigkeit; und trösteten sich mit der unfehlbaren Hoffnung
einer ewigen Glückseligkeit.
    Ein jeder lebte von seinen eigenen Mitteln, oder von dem Verdienst, welchen
ihm seine Hantierung brachte. Ein jeder blieb in seinem Stand und in seinen
Würden; und wurde danach von andern geehret und geachtet; doch, da immer einer
dem andern in der Demut und Bescheidenheit suchte zuvor zu kommen, und keiner
sich vor dem andern etwas heraus nahm, so gaben es auch unter ihnen keine
unziemliche Erhebungen und Rang-Streite.
    Sie nahmen niemand unter sich auf, als nach einer genauen Prüfung, deren die
Vornehmen so wohl, als die Geringere sich unterwerfen mussten, wann sie die
Vorteile einer so glückseligen Lebens-Art mit genießen wollten. Man erforschte
der neu-Ankommenden ihre Gemüts-Art, ihre Absichten und ihre Aufführung auf das
genaueste; und wann sie Fremde waren, so erkundigte man sich danach durch
Briefe, und durch Einziehung unverdächtiger Nachrichten.
    Ubel berüchtigte, wilde, lasterhafte, müßige, unruhige und zänkische Leute
wurden daselbst weder gelitten, noch aufgenommen. Denn dieser Ort sollte ein
Aufenthalt der Unschuld, des Friedens und der Tugend sein.
    In Ansehung des Glaubens verlangte man von denen neu-Ankommenden nichts
weiters, als die einfältige Bekäntnüs zum Christentum, und einen aufrichtigen
Vorsatz, danach sein Leben und Wandel einzurichten; Darinn bestund alles: der
Nachdruck aber von dieser Verbindung war von einer wichtigen Folge, und lidte
eine solche Ausdehnung, dass sie der ganzen Aufführung eines Menschen, auch in
den geringsten Kleinigkeiten, Maas und Ziel setzte.
    Alle und jede Verbrechen, welche die Obrigkeit strafet, zogen den Verlust
des Bürger-Rechts nach sich; man verkaufte der Verbrecher ihre liegende Haab,
gab ihnen dafür das Geld, und ließ sie damit ihren Stab weiter setzen. Eine
unordentliche, üppige und boshafte Aufführung wurde mit nicht weniger Schärfe
geahndet; doch gebrauchte man zuvor gegen diese Art Leute allen Glimpf und alle
Sanftmut: man ermahnte, man warnte, man strafte sie mit Worten so lang und so
viel, bis man sah, dass alles vergeblich und keine Besserung zu hoffen war;
