, und
wollen mit Gottes Gnade in diesem Glauben auch leben und sterben. Wir halten uns
darin einzig und allein an die uns hinterlassene Offenbarung der göttlichen
Schriften, und lassen uns keine fremde Auslegungen, noch Glaubens-Articul
aufbürden; weil geschrieben steht, dass man nichts soll darzu noch davon tun.
Ja, unterbrach der Fürst, verstehet ihr dann die Schrift? Was wir nicht
verstehen, gnädigster Fürst, sprachen sie, das lassen wir so lang unerörtert,
bis der Geist Gottes darüber unser Verständnis aufschliesset; denn wir wissen,
dass nicht alle Menschen gleiche Begriffe und Einsichten haben; und dass wir
deswegen verbunden sind, uns einander in Liebe zu tragen. Mittlerweile, dringen
wir allesammt scharf darauf, denen deutlichen Lehren Christi, durch die Kraft
des einfältigen Glaubens, in unserm Leben und Wandel zu folgen. Was bedienet ihr
euch dann, fragte der Fürst weiter, vor einer Ubersetzung der Heil. Schrift? Die
wenige Gelehrten, die wir unter uns haben, war ihre Antwort, bedienen sich der
Grund-Sprache, worinnen die Bücher der H. Schrift anfänglich sind verfasset
worden; auf deren gründliche Wissenschaft sie mit allem Ernst und Fleiß sich
legen; was aber den gemeinen Mann betrifft, so begnügen wir uns mit einer sehr
schlechten und unvollkommenen Ubersetzung in unsrer gemeinen Sprache; die aber,
wie unsre Gelehrten sagen, alle die Haupt-Articul des Christlichen Glaubens mit
hinlänglicher und genugsamer Deutlichkeit erkläret.
    Der Fürst war angenehm-bestürzt, diese Leute also reden zu hören; Er
erkundigte sich, wo sie dann eigentlich den Ursprung ihrer Kirchen herrechneten;
und ob sie von andern sich getrennet, oder diese Glaubens-Einfalt von langen
Zeiten her unter sich erhalten hatten?
    Unsere Vorfahren, berichteten die beide Fremdlinge, die sich bis auf die
erste Zeiten der Kirchen hinaus rechnen, haben nie keinen andern Lehren
beigepflichtet, als den einfältigen Lehren des Heilandes: sie haben nie keinen
bloßen Menschen-Satzungen, in Glaubens-Sachen, sich unterworfen: sie haben
weder die Heiligen anrufen, noch die Macht eines geistlichen Stattalters Gottes
auf Erden erkennen wollen; und da die Griechische Bischöffe in den ersten
Jahrhunderten anfiengen, sich eine unerlaubte Herrschaft über die Gewissen
anzumassen, und solche unter das Joch fremder Meinungen und Zeremonien zu
zwingen; so verließen unsere Vorfahren die Hellespontische Ufer, und zogen sich
nach den Dalmatischen und Sclavonischen Gefildern. Als hierauf die Griechische
von der Lateinischen Kirche sich trennte, und eine solche Finsternis den ganzen
Kirchen-Himmel überzog, dass man das Christentum auch nicht mehr unter den
Christen fand; so errichteten unsere Väter unter sich eine geistliche
Brüderschaft, welche die Erhaltung der reinen Apostolischen Wahrheit in der
Einfalt; und die würkliche Ausübung der Lehren Christi zum Grund hatte.
    Als sie
