 König befragte den versammleten geheimen Rat, was bei so
gestalten Sachen zu tun wäre: dieser riete zum Frieden; nachdem er zuvor dem
König die allgemeine Not und das Misvergnügen aller Stände des Reichs aufs
beweglichste vorgestellt hatte.
    Der König ließ darauf den Grafen von Rivera nach Hofe bitten: man
beratschlagte sich mit ihm aufs neue, wie man die Sache auseinander setzen, und
die noch strittige Puncten vergleichen möchte. Der Graf aber wollte durchaus von
seinem Plan, der auf einen beständigen Frieden zielte, nicht abweichen. Man fand
endlich, dass die Absichten des Grafens Grund hatten, dass sie der Billigkeit
gemäs waren, und dass sie den Wohlstand beider Reiche schützten. Die Articul von
dem Frieden und dem darauf sich gründenden Bündnis wurden demnach zu Papier
gebracht, ausgefertiget und unterzeichnet.
    Die Abreise des Grafens litt also hierdurch noch einigen Aufschub. Der König
fand ein Vergnügen, mit demselben sich in vertrauliche Unterredungen
einzulassen. Er verehrte ihm darauf nebst andern Kostbarkeiten sein Bildnis,
welches reich mit Diamanten besetzt war, und versicherte ihn dabei seiner
besonderen Gnade und Hochachtung.
 
                                Das eilfte Buch.
Der Graf von Rivera nahm darauf von Mönnisburg seinen Weg durch den großen
Hercynischen Wald, nach einem Cheruscischen Fürsten, der zu Argilia eigentlich
seinen Wohn-Sitz hatte; sich damals aber an seinem neuerbauten Ort
Christianopolis aufhielt.
    Der Fürst, der Ort und die Einwohner hatten etwas so einnehmendes und
ungewöhnliches, dass der Graf durch die Beschreibung, welche ihm sein
Cheruscischer Edelmann davon machte, bewogen wurde, alles selbst in Augenschein
zu nehmen.
    Der Fürst war ein Herr nahe bei die fünfzig Jahren: er hatte einen Prinzen
und zwei Prinzessinnen, davon ins besondere die älteste, von ungefehr achtzehen
Jahren, ein Ausbund aller Schönheit und Tugend war: die Fürstin, ihre Frau
Mutter, hatte derselben sowohl, als ihren andern beiden Kindern, die beste
Erziehung gegeben: sie war selbst ein Muster einer tugendhaften Frauen. Der
Fürst übertraff dieselbe noch in der Stärke des Geistes, in dem Mut und in den
Wissenschaften.
    Er war geboren mit allen Vorzügen des Leibes und des Geistes, welche wir
der Natur zuschreiben; die aber bei ihm nichts anders, als besondere Gaben einer
gütigen Vorsehung waren; denn an statt, dass überhaupt die Menschen mit einer
angeböhrnen Neigung zum Bösen auf die Welt kommen, so machte bei ihm die Neigung
zum Guten seine ganze Gemüts-Art aus. Wer wollte sagen, dass Gott nicht auch
zuweilen, obgleich sehr selten, dergleichen Menschen lies ans Tages-Licht
kommen, wenn er durch sie besondere Dinge zu wirken vor hat?
    Diese vortreffliche Gemüts-Art wurde bei ihm durch eine nicht weniger
glückliche Auferziehung formiret. Man zeigte ihm, wie er alle seine Gaben bloß
allein zur Verherrlichung seines
