 dessen ganzen
Plan, und wollte durchaus in allen Stücken nachgegeben haben.
    Der Graf musste also hier auf andre Mittel sinnen, seinen Zweck zu erreichen:
er sah wohl, dass in solcherlei Geschäften, ganz ohne List nicht wohl
fortzukommen war. Der Endzweck macht öfters eine Sache gut, oder bös. Der Graf
hatte die beste Absichten von der Welt. Er wollte niemand schaden, sondern
vielmehr, wenn es in seiner Macht stünde, aller Menschen Wohlfahrt befördern
helfen.
    Er war nicht der Meinung, seinem König fremde Völker zu unterwerfen; er
suchte es nur dahin zu bringen, dass er seine eigne in Ruh und Friede beherrschen
möchte. Er hielt den Eroberungs-Geist der Monarchen für den größten Verderber des
menschlichen Geschlechts. O, ihr Könige! pflegte er zu sagen, ist es nicht
genug, dass ihr eure eigene Untertanen durch eine böse Regierungs-Art in das
Verderben stürzet? müsst ihr auch noch andere Menschen suchen, eurer
Tyrannischen Bottmässigkeit zu unterwerfen? gleich als ob die höchste Ehre
gecrönter Häupter darin bestünde: dass sie viele Länder beherrschten, und viele
Völker unglücklich machten.
    Des Grafens Endzweck ging also bloß allein auf die Erhaltung der gemeinen
Ruh: er suchte solche durch unumstössliche Bündnisse mit den benachbahrten
Staaten zu befestigen. Er war zu dem Ende darauf bedacht, ihnen allen Argwohn zu
benehmen, als ob man ihre Gerechtsame verletzen, oder nicht aufrichtig mit ihnen
handeln wollte: er suchte es mit der Zeit dahin zu bringen, dass bei entstehenden
Zwistigkeiten der Nachbarn, der Aquitanische Hof sich ins Mittel schlagen, und
sich dadurch das Ansehen eines Schieds-Richters erwerben könnte. In welchem Fall
nicht allein die Macht seines Königs und die Ruhe seines Reichs gesichert wär,
sondern auch unsägliche Kosten könnten erspahret werden, die zu vielerlei
Kriegs-Rüstungen, Gesandtschaften, Bestechungen anderer Höfen, und dergleichen,
aufgewandt würden.
    Der Graf erkundigte sich in diesen Absichten genau um den Zustand des
Licatischen Hofes weil dieses Königreich, nebst Hesperien, das größte und
wichtigste war, welches an die Aquitanische Gränzen stieß; so kam es vornehmlich
darauf an, die Sicherheit des Königreichs gegen zwei so mächtige Nachbarn zu
bewahren.
    Er machte zu dem Ende mit allen Großen des Licatischen Hofes Bekanntschaft;
und suchte sie durch allerhand Mittel zum Vorteil seiner Absichten zu stimmen:
er fand überhaupt, dass der König übel bedienet war. Alle dessen Befehlshaber vom
obersten bis zum untersten suchten nichts als ihren eignen Nutzen, auf Unkosten
des Staats; alle misbrauchten schier der Güte ihres allzuviel nachsehenden
Königes: es war kein Hof in der Welt, der so viel vornehme Bedienten ernährte,
welche gleichsam die öffentliche Schmelz-Tiegel der Reichtümer und Schätze des
Landes waren.
    Der Graf hatte einen jungen Edelmann bei sich, der
