 und diejenige
heilige Ordnung stöhren, welche Gott in allen unsern Handlungen will beobachtet
wissen. Die beste Sachen in der Welt können durch einen verkehrten und
unordentlichen Gebrauch böse werden: die Strafen folgen hier dem Verbrechen auf
dem Fuße nach; Gott strafet dergleichen Laster und Ausschweifungen nicht: sie
rächen sich selbst, und strafen die Ubertreter der Göttlichen Unordnungen mit
einem ihrem Verbrechen gemässen Leiden: Lasterhafte Leute machen auch die
unschuldigsten Ergötzlichkeiten böse: ihnen ist nichts eine Lust, wo die Sünde
solche nicht schärfet und abscheulich macht. Die Natur eines vernünftigen
Menschen ist ihnen darzu nicht empfindlich genug: sie müssen dabei die
Menschheit ausziehen, die Vernunft verliehren und darüber zu einem Vieh werden.
Es ist gewiss, dass die unschuldige Belustigungen die sündliche mehr verhindern
als verursachen; um aber solche zu kennen, muss man weise und tugendhaft sein,
und die Künste und Wissenschaften lieben.
    Wie kommt es aber, fragte der Graf weiter, dass es so viele fromme Leute
geben, die schier alle Belustigungen für sündlich halten, und solche deswegen
keinem Christen gestatten wollen? Diese Leute, erklärte sich Pandoresto, sind
entweder in der Tat, oder nur zum Schein fromm: Die Erste irren im Begriff, den
sie vom Bösen und vom Guten haben: sie wissen nicht, was Gott, was der Mensch,
und was die Welt ist. Der Grund ihres Irrtums hat nichts destoweniger etwas
gutes: sie wollen sich an Gott nicht versündigen: sie fürchten sich deswegen vor
der Gelegenheit: wer wollte diese Leute wegen der Zärtlichkeit ihres Gewissens
tadeln? das sei ferne. Ich halte das Tanzen und Spielen in gewisser Maß für
eine erlaubte Lust: ich wollte aber keinem, der sich daraus ein Gewissen macht
darzu raten. Viele gehen deswegen nicht in die Schau-Spiele; ohneracht diese
Are von Ergötzlichkeit, wenn sie wohl und vernünftig eingerichtet würde, mit
unter die nützlichsten und erbaulichsten könnte gerechnet werden: Ich sehe
daraus, dass die Belustigungen nicht allen Menschen gleich durch erlaubet sind.
Zeit, Alter, Stand, Gefahr; und das Gewissen eines jeden Menschen lehren uns,
wie weit wir darinnen gehen dürfen.
    Was die Schein-Frommen anlangt, die unter der Larve der Heiligkeit die
größte Heuchler abgeben; so pflegen dieselbe insgemein aus gewissen heimlichen
Absichten sich der äußerlichen Lust und Ergötzlichkeit zu entschlagen: sie
halten sich wegen des Zwangs, den sie sich hier antun, auf eine Art schadlos,
dass sie solchen gegen andere Vorteile reichlich auf Wucher legen. Die heimliche
Lust ist ihnen empfindlicher, als die öffentliche Freude: das Ansehen der
Weisheit und der Frömmigkeit nähret ihren Hochmut; und die Sparsamkeit ihren
Geitz. Sie sind diejenige, welche der Heiland Mückenseiger und
Kameel-Verschlucker nennet, weil sie aus allen Kleinigkeiten große Sünden
