 wenn sie damit fortfahren sollten. Der Herr Hippon zuckte
darüber die Schultern, und bekannte dem Grafen, dass er mit seinen Herren Kollegen
nicht einerlei Meinung wäre: er sei aber überstimmet; Der Aelteste unter ihnen
gab sich in seinen Aussprüchen das Ansehen der Unfehlbarkeit; der andere wär
sein Schüler, der durch ihn sein Glück gemacht hätte, und nehm sich deswegen
wohl in acht, ihm nicht zu widersprechen. Also, sprach der Graf, übet ihr Herren
eure Kunst auf des Königs Gefahr, um das Ansehen eurer Wissenschaften zu
erhalten? Was wollen aber der Herr Graf, fragte Hippon, dass man bei der Sache
tun soll? Ich will ihnen, erwiderte der Graf, meine Meinung sagen, und wenn
wir, wie ich vermute, darin übereinstimmen, so lassen sie mich machen.
    Dass sich der König so übel befindet, fuhr der Graf fort, kommt von dreierlei
Ursachen: Erstlich von einem unordentlichen und unmässigen Leben: zweitens, von
verschiedenen heftigen Gemüts-Bewegungen: und drittens von dem stets
anhaltenden Gebrauch vieler Arzneien. Was daraus, mein Herr, wenn diese Dinge
zusammen kommen, in dem menschlichen Körper vor Unheil entstehet, wissen sie
besser als ich. Wir müssen also, nach meiner einfältigen Philosophie, zuforderst
die Ursachen der Krankheit so viel möglich aus dem Wege zu räumen, und den
schädlichen Einfluss derselben abzuleiten trachten.
    Ich meine, der ehrliche Hippocrates habe gesagt: wer einen kranken Körper
nähret, der nähret nur die Krankheit: erfüllt ein zähes und dickes Blut die
Adern-Gänge und böse schleimigte Säfte verhindern die Verdauung des Magens, so
lehret uns die Natur, dass eine freie Luft und eine gemässigte Bewegung besser
sei, das Geblüt zu verdünnen, und den Magen seiner Pflicht zu erinnern, als
warme Bette, gehejetzte Stuben, und zugesperrte Zimmer. Ich kenne Leute, die
deswegen keine geschlossene Gemächer, wenn sie voller Menschen sind, vertragen
können, weil bei ihnen eine volle Luft erfordert wird, um der Bewegung in ihrer
Lunge den ersten Andruck zu geben, und vermittelst dieses Trieb-Werks das Blut
durch alle Adern durchzudrängen.
    Ich weiß nicht, ob ich mich hier Medicinisch erkläre, fragte hiebei der Graf
den Leib-Arzt: gar wohl, sprach dieser: der Herr Graf sprechen, als ob sie von
unserm Handwerk wären. Wenn sie mich nur verstehen, fuhr der Graf weiter fort;
meine Meinung wär also diese: Man ließ dem König Luft, und hielt ihn zur Diät
und einer mäßigen Bewegung: viele Arzneien machen die Natur in ihrer Würksamkeit
nur irre. Man müsste dabei sein Gemüt mit allerhand unschuldigen Abwechselungen
und Ergötzlichkeiten unterhalten; alle verdrießliche Sache aber so lang vor ihm
verborgen halten, bis er wiederum eine gewisse Stärke erlanget hätte
