 schreiben, denn weil die deutsche Nation mir ungemein
angenehm und liebreich vorkommen, habe ich auch ihre Sprache beibehalten und mir
das größte Vergnügen gemacht, wenn ich hierzulande habe mit deutschen Herren in
Gesellschaft kommen können. Was aber Ihren letztern Diskurs anbelanget, so will
ich Ihnen, so es beliebig, eine gründliche Nachricht erteilen, weil ich Sie in
einigen Stücken irrig befinde, denn ungeacht ich Sie vor Protestanten halte,
ich aber ein Katholik bin, so bin ich doch hauptsächlich in denen Sachen, welche
in die Historie einschlagen, ganz unparteiisch.«
    Elbenstein und Talberg hatten einen besonderen Gefallen an der Visage,
Höflichkeit und Anrede dieses alten Mannes, nötigten ihn demnach zwischen sich
zu setzen, trunken ihn erstlich ein paar Glaser Wein zu, hernach baten sie ihn,
dass er ihnen doch diese Historie aus dem Grunde erzählen möchte. Demnach fing
der Alte also zu reden an:
    »Es ist an dem, die Herren Venetianer geben vor, dass der Papst Alexander
III., weil sie ihm in dem damaligen scharfen Kriege wider den Kaiser Fridericum
Barbarossam beigestanden und des Kaisers Sohn Ottonem auf dem Meere gefangen
bekommen hätten, ihnen zur Vergeltung die Oberherrschaft über das Adriatische
Meer zugestanden und zum Zeichen derselben verordnet habe, dass sich der Herzog
durch Einwerfung eines goldenen Ringes mit diesem Meere vermählen sollen,
welches auch noch bis jetzo am Himmelfahrtstage geschicht. Allein diese Donation
wird freilich von den meisten in Zweifel gezogen, weil es eine pure Fabel ist,
dass des Kaisers Sohn Otto auf dem Meere gefangen worden.
    Papst Julius II. fragte einsmals den venetianischen Gesandten Donati, wo
denn die Republik die Bulle hätte, die Alexander III. gegeben, gab damit zu
verstehen, dass die Sache sehr zweifelhaft sei, allein der listige und
verschlagene Gesandte gab zur Antwort, Ihr Päpstl. Heiligkeit möchten nur das
Diploma Konstantini Magni nachschlagen lassen, so würde sich die Bulle Alexandri
III. auf der andern Seite finden. Unterdessen bleibt doch alles, wie es ist, und
es wird sich so leicht wohl niemand finden, der dem Doge die Spazierfahrt
verwehrt; denn auswärtigen Potenzen hilft und schadet sie nichts.
    Was aber nun die Fabel anbelanget, dass der Papst Alexander dem Kaiser
Friederich, da er selbigen die Füße küssen wollen, auf den Hals solle getreten
und Davids Worte, die meine Herrn vorhin erwähnet, gebraucht haben, und als der
Kaiser geantwortet: Nicht dir, sondern Petro, der Papst noch besser getreten und
gesagt haben soll: Auch mir, auch Petro, ist ein ungegründeter ausgestäupter
alter Schlendrian, von welchen vor diesen verschiedene protestantische
Geschichtschreiber und Geistliche vieles Wesens gemacht, um dadurch denen
Päpsten ihren Hochmut vorzuwerfen und selbige bei ihren einfältigen
Glaubensgenossen verhasst zu machen. Diese Fabel aber ist dieserwegen eine
