 Gage nicht zufrieden sein. Anbei hätten Ihr Durchl. sich noch gnädigst
verlauten lassen, dass seine guten Qualitäten wohl meritierten, dass ihm in den
letztern zwei Punkten geholfen würde.
    Elbenstein fand sich über dieses Gespräch einigermaßen betroffen, jedoch
rekolligierte er sich alsobald und gab vor, dass nicht allein sein Temperament
dergleichen douce Aufführung mit sich brächte, sondern er hätte sich auch auf
der letztern beschwerlichen Reise dergestalt strapaziert, dass er sich noch bis
dato nicht vollkommen rekolligieren können. Da man ihn aber in andern Verdacht
ziehen wollte, so könne er das gnädige Fräulein mit gehorsamsten Respekt
versichern, wie er versichert wäre, dass, wenn eines von Ihr Durchl. erwähnten
Stücken an seiner Aufführung schuld sein sollte, sowohl das gnädigste Erbieten
Ihr Hochfürstl. Durchl. als auch der gnädigen Fräulein gütiger Wunsch capable
sein würden, ihn in vollkommene Zufriedenheit zu setzen. Weilen er aber aller
dreier Stücke halber sich unschuldig befände, so wollte er sich befleissigen,
durch Gebrauch dienlicher Mittel sein Temperament zu korrigieren und sich ein
munterer Wesen anzugewöhnen. Mittlerweile wurden die Speisen aufgesetzt, und kam
er zwischen der Baronne von D.T. und ihrer Fräulein Tochter an der Tafel zu
sitzen.
    Diese war eine sonderbare Liebhaberin der deutschen Poesie, ließ sich also
mit Elbensteinen dieserhalb in einen Diskurs ein, und da sie bemerkte, dass er
ebenfalls ein starker Liebhaber davon wäre, indem er sehr wohl davon zu
raisonieren wusste, so ersuchte sie ihn, ihr etwas von seinen poetischen Sachen
zu kommunizieren, auch ihr öfters die Ehre seines Zuspruchs zu gönnen. Er machte
dieserwegen ein verbindliches Kompliment und gab zu vernehmen, wie er es vor
eine besondere Glückseligkeit schätzen würde, dero Befehlen ein Genüge zu
leisten und bei solcher kostbaren Gelegenheit von ihrer unvergleichlichen
Wissenschaft in diesem Scibili zu profitieren, anbei überlieferte er ihr einige
Reime, die er selbiges Tages aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hatte
und also lauten:
                                       1
Erdrücke mich doch nur, du grasses Ungelücke,
Erzürnter Himmel, töte mich,
Zermalme mich nur jämmerlich,
Es ist doch auf der Welt nichts mehr, das mich erquicke.
Die Menge meiner Qual und Pein
Reisst mir Vernunft und Sinnen ein,
Vor mich muss lauter Marter sein.
                                       2
Ich weiß ja gar nichts mehr von Lachen, Lust und Freuden,
Der Gram ergötzt mich nur allein,
Der Kummer ist mein Sonnenschein,
Mein mattes Herze fühlt ein immerwährend Leiden,
Weil alles mich zu fällen tracht.
Ich sehe nichts als lauter Nacht,
Da alles wettert, blitzt und kracht.
                                       3
Es wüten immerzu die ungestümen Wellen
Und werfen mich bald her, bald hin.
Ach Grab! nach dir verlangt mein Sinn,
Du kannst den müden Leib allein zufriedenstellen,
Wenn er in dir so sanfte ruht,
Befreit
