 bekennen,
dass mir viel gutes nachgesagt wurde, so, dass ich in der Wahl die allermeisten
Vota gehabt haben soll, jedoch eine verzweiffelte Verleumdung, machte auch
dasiges Orts alles wiederum rückgängig. Denn als ich eines Abends im Post-Hause,
allwo mein Logis war, unter etlichen daselbst einheimischen Gelehrten, auch
frembden sehr vernünftigen Passagiers, meinen Platz erhalten, und unvermerckt
mit in den Discours de motu mechanico gezogen wurde, wobei ihrer etliche einen
berühmten Professorem, wegen seiner etwas hart lautenden Grund-Sätze, ganz und
gar zum Ateisten machen wollten; gab ich mir die Mühe, ihn disputationis gratia
zu defendiren, zeigte auch, dass derselbe Grund gelehrte Mann in vielen Stücken
ganz anders verstanden sein wollte.
    Da nun die dabei sitzenden einheimischen jungen Gelehrten letztlich fast
nichts mehr gegen meine, wiewohl mehrenteils schertzhafte defension
aufzubringen wussten, mögen sie etwa aus Verdruss und Bosheit in der ganzen Stadt
aussprengen: Ich wäre ein Ertz-Anhänger von dem oberwähnten Professore, und
würde in dem heiligen Predigt-Amte treffliche Streiche machen. Nun musste mich
zwar von rechtswegen das geistliche Ministerium, welches meine principia
Teologica ernstaftig genug angehöret hatte, selber defendiren, allein ein
alter halb-gelehrter Kompatronus, der eine starke Freundschaft in der Stadt
hatte, und der, im Fall nur ich abgewiesen wäre, seinen nahen Vetter desto eher
auf die Kantzel zu bringen gedachte, tritt so gleich auf und rufft: O Domini!
Domini! latet anguis in herba, bedencket nach eurem Gewissen, was das beste sei,
auch der geringste Verdacht in diesem Stücke, ist schon vermögend Irrtümer
anzurichten, es sind noch genug andere untadelhafte Leute in der Welt
anzutreffen, ob sie gleich nicht in so vielen speculativischen Dingen geübt
sind.
    Einige mir ungemein wohlwollende, doch mehrenteils unbekandte Gönner,
verursachten, dass ich dieser Blame wegen, noch einmal vor dem dasigen Korpore
Teologico erscheinen, und meines Glaubens wegen Rechenschaft geben musste, so
bald dieses zu meiner Avantage geschehen war, bat ich mir als eine
außerordentliche Gütigkeit aus: dass mir vergönnet werden möchte: gleich
morgendes Tages vor Gelehrten und Ungelehrten, an einem öffentlichen Orte,
jedoch außer der Kirche, meine Lehr-Art in einer sanftmütigen Deutschen
Oration ordentlich vorzustellen. Solches wurde mir gewünscht erlaubt, und zwar
in dem großen Schul-Auditorio, allwo sich früh zwischen 8. und 9. Uhr, alle
gelehrte und ungelehrte Honoratiores versammleten. Demnach fing ich an zu
peroriren, erzehlete meinen Lebens-Lauff ganz kurtz, tat mein
Glaubens-Bekenntnis desto weitläufftiger, und provocirte hernach meine boshaften
Kalumnianten, mit sanftmütigen Geiste, sich allhier öffentlich meiner Lehre,
Leben und Wandel zu opponiren, und meiner ferneren Erklärung gewärtig zu sein.
Allein, ob gleich alle dieselben zugegen waren
