erkennen, dass die gefundene Ähnlichkeit allgemein anerkannt sei. Beides gewährt uns glücklicherweise der Sprachgebrauch durch ein und eben dasselbe Wort. Nach demselben bezeichnet das Stammwort klar nicht nur eigentlich eine sichtbare Beschaffenheit der flüssigen Körper, sondern auch metaphorisch eine denkbare Beschaffenheit der Begriffe im menschlichen Verstand, und also auch der menschlichen Erkenntnis. Daraus sehen wir nun, dass es die Region der Begriffe sei, die sich auf die menschliche vernünftige Erkenntnis beziehen, worin wir die Ähnlichkeit, deren wir benötigt sind, zu suchen haben. Zugleich finden wir aber auch in dem allgemeinen Gebrauch dieser metaphorischen Bedeutung des Worts klar den Beweis davon, dass die Ähnlichkeit der Gegenstände, worauf jene Metapher sich gründet, allgemein anerkannt ist, kraft des oben angeführten Gesetzes der Analogie, nach welchem man von Ähnlichkeit der Wörter und Ausdrücke auf Ähnlichkeit der Empfindungen und Vorstellungen - mitin auch vom allgemeinen Gebrauch gleicher Ausdrücke auf die allgemeine Empfindung der Ähnlichkeit zwischen den damit bezeichneten Begriffen schliessen kann. Verfolgen wir nun diese Spur und finden in der Reihe der Begriffe, die sich auf die menschliche Vernunfterkenntnis beziehen, einen Gegenstand, der mit dem Gesichtskreis, und ein Attribut desselben Gegenstandes, das mit der klarheit des Gesichtskreises einige Ähnlichkeit hat, so werden wir von dem gesuchten Begriff, den wir dem Wort Aufklärung als metaphorische Bedeutung anweisen können, nicht weit entfernt sein. Von dem, was wir sehen und hören, nämlich von den geschriebenen und gesprochenen Worten der Menschen, schliessen wir auf das, was wir nicht sehen und hören, nämlich auf die Empfindungen und Vorstellungen. Durch einen solchen Schluss erkennen wir, dass sie sich die Vernunfterkenntnis durchaus unter einer Vorstellung mit der Sinnenerkenntnis vorstellen; denn sie drücken sich über beide mit einerlei Wörtern aus. Sie nennen die Produkte des einen Vermögens sowohl als die Produkte des anderen Vermögens Vorstellungen, und die Resultate der Vorstellungen von beiden Arten Erkenntnis. Sie brauchen die Zeitwörter: hören, erfahren, lernen, merken, u. a. m. ohne Unterschied von der Erkenntnis; es mag nun von den Affektionen der Sinne oder von den Funktionen des Verstandes die Rede sein.
Auf dem nämlichen Weg erkennen wir ferner, dass die Vorstellung von einer vorzüglichen Ähnlichkeit zwischen der vernünftigen Erkenntnis und dem Sinn des Gesichts oder zwischen der Handlung des Denkens und der Handlung des Sehens fast allen Menschen gemein ist. Zum Beweis dient, dass sehr viele Wörter und Ausdrücke für die Vorstellungen, die sich auf das Denkvermögen beziehen, von den Vorstellungen, die sich auf das Sehvermögen beziehen, entlehnt sind. Wir brauchen nicht nur das Wort sehen selbst sehr oft, wo wirklich von vernünftiger Erkenntnis die Rede ist, sondern auch andere dem Sinn des Gesichts eigene Ausdrücke, als: Einsicht, Aussicht, blick, Wahrnehmung u. dgl., werden ohne Unterschied vom Auge sowohl als vom Verstände gebraucht. Wir drücken uns über die Ursachen, die das Denkgeschäft hindern oder befördern, mit eben den Wörtern aus wie über die Ursachen, die das Sehgeschäft hindern oder befördern. Dünste in der Luft machen, dass wir die darin angegebenen Gegenstände dunkel oder gar nicht erkennen: Nebel und Wolken verengen oder verdunkeln unsern Gesichtskreis, und nichts ist gewöhnlicher, als dass wir von diesen Nebeln und Dünsten das Bild und den Ausdruck entlehnen, um damit die uns unbekannten Ursachen zu bezeichnen, wodurch im Verstände eines Menschen die Vorstellungen gehindert, verdunkelt oder verwirrt werden; dass wir also von einem umwölkten oder umnebelten Verstand reden. Ein der natur unseres Auges angemessener Grad des Lichts befördert - und der Mangel dieses Lichts hindert - die deutliche Erscheinung der sichtbaren Gegenstände; und wer weiss nicht, dass wir die Ursache der deutlichen Begriffe auch das Licht im Verstand zu nennen, dass wir einem Menschen, der deutlich und präzis denkt, einen hellen Kopf, einen scharfen blick, einem anderen von der entgegengesetzten Beschaffenheit aber einen düstern oder verfinsterten Verstand zuzuschreiben pflegen? Ein scharfes Auge auf einem freien und erhabenen Platz beschreibt einen weiten Gesichtskreis, dagegen derjenige wenig sieht, der entweder ein stumpfes Auge hat oder dem undurchsichtige Körper im Wege stehen. Und siehe da, mit einem solchen Auge, das eine lange Reihe hintereinander liegender Gegenstände übersieht, vergleichen wir den Menschen, der eine lange Reihe möglicher Ursachen und Folgen sich vorstellt, indem wir ihn weit aussehend, hingegen den Kopf von schwächerem Vorstellungsvermögen, der über die nächsten Ursachen und Folgen hinaus zu denken nicht im stand ist, kurzsichtig, eingeschränkt (borniert) nennen. Kurz, wir reden gewiss sehr selten oder niemals von den Operationen des menschlichen Denkvermögens, ohne uns darüber, selbst unvorsetzlich und durch das natürliche Gefühl geleitet, allegorisch so auszudrücken, als ob wir von der Tätigkeit des Sehvermögens sprächen.
In dieser allgemein empfundenen und allgemein anerkannten Ähnlichkeit nun hat es seinen Grund, wenn wir dem Verstand, wie dem Auge, einen Horizont, eine Sphäre, einen Gesichtskreis zuschreiben. Es ist nämlich etwas sehr Gewöhnliches, von einem Menschen zu sagen, dass eine gewisse Vorstellung oder Erkenntnis, ein gewisser Grad der Einsicht über dessen Horizont hinausgehe, ausserhalb der Sphäre des Menschen liege u. dgl., um anzuzeigen, dass er derselben Erkenntnis nicht fähig sei, dass er von dem Gegenstand derselben nichts wisse. Ich will, um der Kürze willen, in der Folge den Horizont in bezug auf das Auge den physischen - in bezug auf den Verstand aber den intellektuellen Gesichtskreis nennen. Gleichwie nun der physische Gesichtskreis, meiner oben gegebenen Erklärung zufolge, derjenige teil des Luftraumes ist, den das Auge von einem gewissen