nie von unser einem zu erwarten, welcher eigenmächtig herrschen will; sondern die Beförderung von lauter solchen Neigungen, welche die Stärke der Seele, die Erhabenheit des Geistes, den Adel des Gemüts, alle wahre innere Vortrefflichkeit und Herrlichkeit zerstören: die Beförderung des Eigennutzes, der Gewinnsucht, der Weichlichkeit; einer dummen Bewunderung des Reichtums, des Ranges und der Macht; einer blinden abgeschmackten Untertänigkeit; und einer Aengstlichkeit und Furcht, welche keinen Eifer zulässt, und zum kriechendsten Gehorsam bildet. »Dieses ist die Gattung von Regiment (sagt der grosse edle Ferguson) in welche der Habsüchtige und Stolze, um seine unglücklichen Begierden zu sättigen, gar zu gern seine Nebengeschöpfe hineinstürzen möchte, und welcher sich der Furchtsame und Sclavische auf Gnade und Ungnade zu unterwerfen bereit ist. Wenn aber Raubgier alsdann auf der einen Seite, und Feigheit auf der andern, die Hauptbestandteile in dem charakter eines volkes geworden sind: so können selbst die Tugenden eines Antonins oder Trajans nichts weiter tun, als die Peitsche und das Schwerdt mit Billigkeit und Nachdruck brauchen, und die Hoffnung zur Belohnung, oder die Furcht vor der Strafe so zu lenken suchen, dass sie, nach Erforderniss der Umstände, wider die Laster oder die Schwachheiten der Menschen jedesmahl ein schnelles, obgleich nicht dauerhaftes Hülfsmittel an die Hand bieten. — Andre Staaten können auch verderbt sein, in höherem, oder minderem Grade; dieser aber hat Verderbniss zu seiner Grundfeste. Bisweilen mag wohl noch Gerechtigkeit den Arm des despotischen Oberherrn leiten; aber gemeiniglich wird der Nähme der Gerechtigkeit nur gebraucht, den Eigennutz oder Eigensinn der herrschenden Gewalt zu bezeichnen. Die menschliche Gesellschaft, welche so mancherlei Formen anzunehmen sich bequemt, hat alsdann die einfachste von allen gefunden. Der saure Schweiss und das Eigentum Vieler sind bestimmt, den Leidenschaffen Eines Einzigen oder Weniger zu fröhnen; und unter den Menschen finden nur noch zwei Parteien statt: der Unterdrükker welcher begehrt, und der Unterdrückte der das Herz nicht hat zu weigern.«
Wenn es wahr ist dass der Despotismus (Warum nennen wir die Dinge nicht bei ihrem rechten Nahmen?) den Menschen auf diese Weise, nicht allein um seine besten Eigenschaften bringt, sondern auch hernach ihm die Erfüllung seiner niedern Wünsche nicht einmal gestattet; wenn in der natur der Sache dieses schlechterdings gegründet wäre: so mochte ich das Uebel nennen hören, welchem durch das grösste aller Uebel abgeholfen werden müsste; oder den Vorteil,, welcher ihm die Wage halten könnte. Der Vorteil einer bessern Verteidigung gegen feindliche Gewalt von aussen, wenn auch diese bei der Menge von widersprechenden Beispielen sich behaupten liesse, gut zu wenig, da der innerliche Feind der ärgste ist. Keine Verfassung hab' ich zu verteidigen, in der ich über meine Rechte wachen und sie selber schützen dürfte: keine Freiheit also, und kein Vaterland. Die Geburtsstelle bleibt mir immer; und vielleicht gewinn ich mehr bei'm neuen Herrn, als ich verliere; sonderlicher Nachteil wenigstens kann nicht daraus für mich erwachsen.
Eine wichtige Betrachtung dürfen wir nicht übergehen. Diese nämlich: dass der Despotismus sehr verschiedener Gestalten fähig ist, und dass in einer jeden Staatsverfassung minder oder mehr davon gefunden werden kann. Hier, in seinem Inneren, in seiner Quelle angesehen, erweckt er erst den grössten Abscheu. Aus sich selber lässt dies Innere sich nicht entwickeln, so wenig als das
Innere von irgend einem Bösen: Irrtum oder Laster: sondern es muss in seinem Gegenteil, wovon es der Mangel ist, betrachtet werden. Das Gegenteü des Despotismus ist das Regiment der Freiheit. Frei, im allerhöchsten Grade, wäre der, der zu seinen Handlungen durch sich selbst allein bestimmt würde, folglich alle seine Gegenstände selbst unmittelbar hervorbrächte: welches von keinem Wesen kann gedacht werden, das sich seiner selbst, mittels Vorstellungen nur, bewusst ist, und nach Gegenständen streben muss, die es nicht in seiner Gewalt hat. Auf diese absolute Weise frei ist Gott, der einzige, allein. Aber frei - nach seiner Art im allerhöchsten Grade - ist ein jeder Mensch und jeder Bürger, in so ferne er nur nicht gehindert wird seinen wahren Vorteil auf alle Weise nach Vermögen zu befördern. Sclave ist ein jeder, in so fern ihn seinen wahren Vorteil zu befördern etwas nur auf irgend eine Weise hindert.
Ich sagte: jeder Mensch und jeder Bürger: weil die gegebene Erklärung allgemein ist, und sowohl auf die innere moralische Freiheit geht, als auf die äussere politische.
Beide hangen aufs genaueste zusammen: denn es ist unmöglich (wie bereits in diesem Aufsatz häufig angedeutet worden) Menschen, die nicht schon sehr tief in die moralische Sclaverei gesunken sind, in die politische zu stürzen: es müsste denn durch eine plötzliche Eroberung geschehen. Die politische Sclaverei eines volkes ist daher zugleich ein Kennzeichen seiner moralischen Sclaverei: und wie diese in der tierischen natur des Menschen einzig und allein gegründet ist; so auch jene die aus ihr entspringt. Beide zielen dahin ab, den Menschen immer tierischer zu machen; das ist: ihn von Grund aus zu verderben.
Der nehmliche Zusammenhang wird zwischen beiden Gattungen der Freiheit angetroffen. Wo ein hoher Grad von politischer Freiheit in der Tat, und nicht allein dem Scheine nach, vorhanden ist, da muss von der moralischen Freiheit nicht weniger ein hoher Grad vorhanden sein. Beide sind in der vernünftigen natur des Menschen einzig und allein gegründet, und ihre Kraft und Folge ist daher: den Menschen immer menschlicher zu machen, immer fähiger sich selber zu regieren, seine