All_Enlightenment_54.txt

, Dank, Liebe zu ihm erregen; es so darstellen in seiner Macht, dass man fühlt, es habe recht, Gehorsam zu fordern, und seine weisheitsvolle Liebe lebendig machen, dass man ihm gern gehorcht: das wäre, dünkt mich, eine Wirkungsart, auf die natur des Menschen, auf den menschlichsten teil unseres Geschlechts, auf das Volk berechnet; eine Wirkungsart, durch die man weiter, als mit allen andern, kommen müsste. Dank und Vertrauen und Liebe, das wissen wir, werden mehr geweckt durch Erzählung dessen, was einer wirklich tat, als durch die beste allgemeine Beschreibung. Am leichtesten interessieren wir uns für jemand, wenn wir ihn handeln und leiden sehen, oder von seinen Taten und seinen Schicksalen hören. Also: von diesem Wesen erzählt, was man irgend von ihm zu erzählen weiss, bekannt gemacht mit seinen Taten und seinem Schicksal . . . das wäre Mittel, um Vertrauen und Ehrfurcht und Liebe zu wecken, wenn sie irgend geweckt werden könnten! So denke' ich mir denn auch den gang, den religiöse Bildung zu nehmen hat. Man mache die Menschen bekannt mit der natur um sie her und zeige ihnen hier Weisheit und Macht und Güte Gottes. Man erzähle ihnen Bibelgeschichte, damit sie lernen, wie Gott für Menschen sorgte, Menschenbedürfnisse weckte und befriedigte, wie väterlich-liebreich und väterlich-streng Er Menschen erzog. Man weise sie auf das Unglück derer, die Gott nicht folgten, und das Glück derer, die ihm wenigstens folgen wollen. Man gebe ihnen historische Belege, aus denen sie sich von selbst die Wahrheit entwickeln können, Gott sei der oberste Herr, dem die Menschen folgen müssen; der weiseste Vater, dessen Befehl uns glücklich mache; ihm folgen sei Arznei, ihm nicht folgen, sei Gift für unser Geschlecht. Man mache sie bekannt mit Jesus, als dem uns näher gebrachten, fasslicheren, mit uns mehr verwandten Gottesbild. Man erzähle von Seiner Macht und Weisheit und Liebe, damit ihnen wichtig werde jede Lehre, die Er gab, jedes Wort, das Er sprach. Man wiederhole alles oft; gebe von allem lieber zehn Proben, weil das hauptsächlich eingeprägt werden muss, weil das der Grund ist, worauf die ganze sittliche Besserung beruht. Erzählung der einzelnen liebes- und Gottestaten oder der einzelnen Schicksale Jesu sind für Sittlichkeit ebenso wenig überflüssig, als es überflüssig ist, dem Kind von seinem guten Vater zu erzählen, oder dem Untertanen von seinem guten Herrn. Und nun, wenn Gott und sein Bild Jesus dem Menschen wichtig geworden sind; wenn sich's tief bei ihm eingeprägt hat, es sei unrecht und schädlich, Ihm nicht zu folgen; es sei recht und nützlich, Ihm zu gehorchen auf sein Wort - nun sage man ihm, Jesus befahl:

Vergebet, so wird Euch vergeben;

Gebet, so wird Euch gegeben;

Alles, was Ihr wollt, dass man Euch tue, das tut auch andern;

liebt Euch untereinander, wie ich Euch geliebt habe;

liebt Euren nächsten, wie Euch selbst. -

Er liess durch seine Schüler befehlen:

Ihr Männer, liebt Eure Weiber; Ihr Weiber, seid untenan Euren Männern; Eltern, bildet Eure Kinder durch Zucht und Ermahnung dem Herrn;

Kinder, seid gehorsam Euren Eltern um des Herren willen; Ihr Herrn, was recht und billig ist, erweiset Euren Knechten;

habt Ihr ja auch einen Herrn im Himmel; Ihr Knechte, seid gehorsam Euren leiblichen Herrn, nicht bloss vor ihren Augen, sondern mit Gottesfurcht; Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn

hat; Gebet jedermann was Ihr schuldig seid - Ehre, dem Ehre

gebührt; Wer nicht arbeitet, soll nicht essen; Dienet einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.

Man sage ihm das im Namen des Gottes, von dem er schon so viel weiss; dessen Wort ihm durch hundert Erzählungen so wichtig geworden ist; dessen Weisheit, Macht, Liebe, unerschütterliche Gerechtigkeit er aus so vielen Proben kennt. Man sage ihm das im Namen und aus dem mund des Jesus, dem Menschenglück so sehr anlag, dass Er alles darum hingab; der so gewiss wusste, Sünde störe alles Menschenglück, dass Er sein Leben aufopferte, um, wie Er sagte, die Gewalt der Sünde zu schwächen. Ich dächte, das sollte wirken. Unabhängig davon, ob die Sache Gottesoffenbarung sei oder nicht, dächte ich immer, die Metode sei psychologischer und elementarischer als irgendeine andere.

Und wer nun berechnen kann, welchen Einfluss Gesinnung und Handlungsart des Menschen auf das Wohl des staates haben, der urteile selbst, ob eine solche religiöse Volksaufklärung dem Staat nützlich oder schädlich sei.

XL

Mich dünkt wirklich, beim geringsten Nachdenken müsse es gleich auffallen, dass zweckmässige Aufklärung einem Volk nicht schädlich sein kann. Wenigstens wäre es die sonderbarste und unbegreiflichste Erscheinung, wenn sie auch nur ganz ohne Nutzen wäre,

Wer behauptet, weise Aufklärung schade, der muss annehmen, Kenntnis Gottes und unserer Pflichten habe einen nachteiligen Einfluss auf Besserung und Veredlung des Menschen; und da wird ihn ja wohl die geschichte aller Völker und aller zeiten genug widerlegen. Oder er muss glauben, es sei dem Menschen schädlich, wenn er besser wird, oder dem Staat schädlich, wenn er gebesserte Untertanen hat; mit anderen Worten: eine Räuberbande sei glücklicher, als ein gesitteter Staat! - Was von einzelnen Menschen, von einzelnen Familien gilt, muss doch auch wohl von