mehreren Gegenständen des Denkens bekannt zu machen, halte ich nicht für gut, weil er alles übrige, Matematik, Mechanik u. dgl. nicht bis zur Anwendbarkeit lernen kann, und alles bloss Spekulative für ihn nicht taugt. Aber in Handwerksschulen, Bürgerschulen ist etwas Matematik und einige Übung im Zeichnen nötig, weil viele Handwerker sie anwenden können. Auch Kenntnis der Länder, und besonders ihrer verschiedenen Produkte, Kenntnis der Materialien, die von Handwerkern bearbeitet werden, und der Werkzeuge und Waren, die sie bei der Bearbeitung brauchen, ist dort zweckmässig und müsste die Stelle der lateinischen Sprache ersetzen, derer allein der Gelehrte bedarf.
IX.
natürlich ist Unterriebt das Hauptmittel, wodurch diese zweckmässige Aufklärung befördert werden kann; natürlich muss man bei der Jugend anfangen, auf sie wirken, ein neues, besseres Geschlecht bilden, wenn das Volk eine Stufe höher steigen soll. Der Mensch überhaupt, und besonders der Mensch im Volk, hat in gewissen Jahren seine Partei ergriffen. Seine denkart hat sich festgesetzt; er hat sich eine Handlungsart gewählt, von der er nicht leicht abgeht. Er ist einmal, was er ist, und wird nicht leicht etwas anderes. Wirkt ja Macht der Gewohnheit oft so unwiderstehlich auf uns, die wir so vielerlei Ideen fassen; wieviel mehr auf den Landmann, bei dem sich alles von Jugend auf um ganz wenige Ideen drehte! - Das alles ist wahr; und jeder, der an Volksbildung arbeitet, erfährt es sicher. Indes gibt man's doch, dünkt mich, gar zu leicht auf, die jetzige Generation zu bilden; man schränkt sich allzusehr auf mündlichen oder gedruckten Unterricht ein, der freilich bei dem erwachsenen Landmann wenig oder nichts wirkt. Die alten Gesetzgeber verstanden weit besser, wie man zu dem Volk spricht. Sie machten gewisse Anstalten, Einrichtungen; verordneten gewisse Zeremonien, Volksfeste, Feierlichkeiten; drückten das Gepräge der Religion auf manche gute Anstalt, und machten sie dadurch dem Volk heilig. Sie benutzten das Gefühl von Ehre und Schande, den Nationalstolz, den esprit de corps, die Eitelkeit, selbst gewisse Vorurteile des volkes, um zu wirken, was sie wirken wollten. Sie
sprachen oft für die Augen, für alle Sinne zugleich, für Einbildungskraft und Herz, und natürlich verstand man sie besser, als wenn sie bloss durch den toten, gedruckten Buchstaben oder durch langweilige Gründe geredet hätten; und natürlich drückte sich's tiefer ein, als eine Verordnung im schleppenden Kanzleistil, die von landesväterlicher Sorgfalt predigt. Viele unserer jetzigen Gesetzgeber setzen voraus, dass auf das Volk hauptsächlich durch den Verstand zu wirken sei; und natürlich wirken sie nichts. Die alten Gesetzgeber wussten, dass man durch Sinne und Herz und Einbildungskraft und Verstand zugleich auf das Volk wirken müsse; und natürlich wirkten sie viel. Cäsar und Iphitus wirkten mehr durch Einrichtung der Circensischen und Olympischen Spiele; mehr Tapferkeit, Geschmeidigkeit, Kriegerehrgeiz, Patriotismus, als sie durch allen Unterricht je hätten wirken können. Lykurgs schwarze Suppe (ouoot^ta) hatte mehr Einfluss auf die Bildung seiner Spartaner, als irgendein Gesetz gegen den Luxus je haben kann; und Moses, oder Gott durch Moses (es ist hier einerlei, wer es war) erhielt durch sein Passahfest mehr religiösen Sinn, als er durch alles Vorpredigen je erhalten hätte. - Doch es müsste ein Buch geschrieben werden, um dies so ins Licht zu setzen, wie's geschehen könnte; und allerdings wär's ein Wort, geredet zu seiner Zeit. Hier kann ich nur darauf winken, und wer Augen hat zu sehen, der sieht! - Mehr im Geist unserer Zeit ist's, auf den erwachsenen Landmann durch Beispiel zu wirken; und Beispiel wirkt auch natürlich am meisten auf ihn. Er mit seinen eingeschränkten Begriffen kann unmöglich die Gründe für etwas beurteilen, und er fühlt, dass er sie nicht beurteilen kann. Auch lässt er sich aus weisen grundsätzen von Lebensphilosophie auf alle diese Gründe gar nicht ein. Er und seine Eltern und seine Nachbarn erfuhren gar manchmal, dass man etwas mit Gründen anpries, wogegen die einfältigen Leute kein Wort sagen konnten, und dass die gründlich bewiesene Neuerung doch nichts taugte. Wie sollte er um solcher verdächtigen Gründe willen etwas tun? Sein schlichter Menschenverstand sagt ihm, Erfahrung sei Probierstein von der Güte oder Schädlichkeit jeder Neuerung; und kein Mensch kann's ihm verdenken, wenn ihm das, was er aus Erfahrung kennt, lieber ist, als das, was er nicht kennt. Sieht er aber, dass das Neue besser ist; dass es weniger Mühe macht, besser wirkt, mehr einbringt; stellt Ihr ihm Beispiele vor die Augen, die er mit Musse von allen Seiten, unter allen Umständen und anhaltend betrachten kann; macht Ihr gar keinen Versuch, Überzeugung bei ihm zu erzwingen, sondern lasst ihn sich überzeugen auf seine Art, so langsam wie er es selbst nötig findet: - dann glaubt sicher, er nimmt das Neue an. Mich dünkt, ich las in Schlözers Staatsanzeigen, ein gewisser Fürst habe den Futterkräuterbau in seinem land gern in gang bringen wollen. Er liess ein Stück Land damit besäen, das vor dem Schlossplatz lag, über den die Landleute sehr oft kommen mussten. Oft blieben sie an dem Land stehen und freuten sich des schönen Futters, und wunderten sich, wie oft es geschnitten, wie trefflich das Land genutzt werden konnte. Sie erkundigten sich, was es sei, und wie das Land behandelt werde. Man