auch anders als Kenntnisse missbrauchen, da sie die Basis verloren haben, nach welcher sich alles richten soll.
Der Mensch ohne Moralität ist einem Tier ähnlich, denn er wird wie das Tier nur durch Sinnlichkeit regiert. Die Grausamkeit des Tiers verhält sich nach seiner Starke; je stärker es wird, je mehr Bewusstsein es seiner Kräfte hat, desto grausamer wird es; so ist der Mensch, der Kenntnisse ohne Sittlichkeit hat; je mehr sich sein Verstand aufklärt, je boshafter wird er; je mehr er seine Stärke und Überlegenheit vor andern fühlt, desto schlimmer wird er sein. Wir haben Beweise hiervon und sehen sie täglich vor uns. Die Sinnlichkeit sieht alles im falschen Licht. So wurden Menschenfreiheit, Menschenrechte von einem ganz unrichtigen Gesichtspunkt betrachtet. Der Wille, der unbeugsame Wille, der sich der Ordnung und den Gesetzen widersetzte, wurde oft mit dem Namen von Menschenrecht verteidigt, und der Name der Freiheit mit zügelloser Ausschweifung verwechselt.
So entstalten in unserem Jahrhundert zwei Ungeheuer die Menschheit; eines ist Unglaube, das andere Aberglaube. Das erste ist durch falsche Aufklärung erzeugt; das zweite wird von grober Dummheit genährt. Beide lasten die Menschen mit fürchterlichen Ketten.
Die Sektierer des Unglaubens stecken ihre Pechfackeln auf und verfinstern durch den Rauch, der sich emporschwingt, das helle Licht der Sonne.
Die Sektierer des Aberglaubens versperren die Menschen in die Gewölbe der Unwissenheit, lasten sie schwer mit Ketten, die sie tief zur Erde beugen, damit sie ihren Nacken nie aufwärts richten mögen, um das Licht einer Sonne zu ahnen: und beide Arten dieser Sektierer haben nicht Menschenwohl, sondern abscheuliche Selbstliebe zum Endzweck ihrer Handlungen. Die ersteren sagen: Wir müssen Unruhe unter die Völker bringen, um unsere Absichten desto eher zu erreichen; wir wollen ihnen den Namen der Freiheit von einer Seite zeigen, die ihre Leidenschaften aufwecken und sie uns zu Anhängern machen wird; wenn wir dann Anhänger haben, wollen wir Gesetz und Ordnung bestürmen, alles zu Boden werfen, und es wird uns vielleicht gelingen, dass wir uns emporschwingen werden.
Seid dumm! schreien die Sektierer des Aberglaubens, und lernt nie einsehen, dass unser Fuss auf euerm Haupt steht und dass uns daran liegt, euch dumm zu erhalten. Fröhnt der Unwissenheit, und wenn ihr auch die gröbsten Laster unter euch ausübt; wenn ihr nur Lasttiere seid, auf deren rücken wir uns zu dem Unterhalt unserer Üppigkeit schwingen können.
Diese beiden Arten der abscheulichsten Menschensekten sind die Satane der Unordnung. Diese sind es, die den Staaten Revolutionen drohen und den Fürsten, die Gott über uns gesetzt hat, gefährlich werden. Sie sind die Geister der Verwirrung, die dem Gesetz der Ordnung, worin alles Gute liegt, entgegenstreben.
Wer stürzt diese Ungeheuer zu Boden? Keine Menschenmacht; denn sie ist Satansmacht, die Macht des Geistes der Unordnung. Nur das Christentum allein ist im stand, dieses Ungeheuer in den Pfuhl der Hölle, woraus es kam, wieder zurückzuwerfen; denn in Christuslehre ist Weisheit und Licht, und die Irrtümer schmelzen vor seinem Anblick, wie das Eis vor dem Anblick der Frühlingssonne.
Johann Ludwig Ewald
Über Volksaufklärung, ihre Grenzen und Vorteile
Aber es zeigt auch klar, dass die Frage: ist Aufklärung nützlich? äusserst unbestimmt ist. Soll sie heissen: ist's gut, richtig denken zu lernen? - wer zweifelt daran? Zwar hat eine Akademie die Preisfrage aufgegeben: Ob Täuschung dem Volk schädlich oder nützlich sei? Ich wüsste aber auch wirklich nichts zur Rechtfertigung der Aufgabe zu sagen, als dass sie - von einer Akademie kam. Soll aber die Frage heissen: Ist es ratsam, alle mit allen Gegenständen des Denkens bekannt zu machen? Alle zu richtiger Erkenntnis alles Denkbaren anzuleiten? Ist es möglich, ratsam, nötig, dem Volk über alles richtige Begriffe beizubringen? Auch über Dinge, an die es sonst nie denken würde, nie zu denken braucht? Wer kennt das Volk, und sagt nicht ohne Bedenken: nein? Wer kennt das Volk und gäbe nicht den Landbau verloren, wenn der Bauer über einer neuen Mechanik des Pfluges brütete, und die Erdarten in ihre Bestandteile auflöste, und die Physiologie der Haustiere aus Kupfern lernte? Wer kennt das Volk, und schaudert nicht bei dem Gedanken, dass es über Dasein Gottes und eines künftigen Lebens grübeln, die Entstehung und Rechte der Obrigkeit aus dem Naturrecht entwickeln, und durch Vernunftgründe unter sich ausmachen solle, ob es ein Eigentumsrecht gebe oder nicht? Wenigstens ich würde so schnell wie möglich aus einem land zu kommen suchen, in welchem der Landmann eine solche Aufklärung hätte. Aber wenn dies nun nicht sein soll und offenbar schädlich ist: über welche Gegenstände soll denn das Volk aufgeklärt werden oder richtig denken lernen? Welches sind die Grenzen der zweckmässigen Aufklärung für das Volk? Und auf welche Art soll es angeleitet werden, richtig zu denken? Das wäre nun die Frage, die sich, dünkt mich, aus gewöhnlicher Kenntnis des volkes und der Art, darauf zu wirken, und seiner Bestimmung leicht beantworten lässt.
V.
Falsch und schädlich ist jede allzu ausgedehnte Aufklärung; alles, was das Volk zu Vielwisserei bringt. Der Landmann ist bestimmt, in seinem eingeschränkten Kreise treu und stet zu wirken. Es kommt bei ihm gar nicht darauf an, vielerlei zu wissen und vielerlei zu tun, sondern weniges recht zu wissen, treu und immer zu befolgen; die einfachen arbeiten seines Berufs immerfort und unermüdet zu tun. Weiss er vielerlei, nimmt