Orkan in die Luft türmt, der die Augen der Menschen verfinstert und seiner Schwere nach wieder in sein Nichts zerfällt. Das Glück der Menschen hängt mehr von dem Geist der Ordnung ab, als von Schöngeisterei.
Es ist zuverlässig gewiss, dass falsche Einsicht, gewagte Angriffe, Mangel an Vorsicht, Fehler der Beurteilungskraft eine Menge Schriftsteller in Irrtum leitete, und dass ihre ausgebreiteten Meinungen den Geist der Nationen verderbten. Sie glichen jenem Phaeton, der die Sonnenpferde regieren wollte und die halbe Welt in Brand steckte. Das gefährlichste bei alledem ist immer, dass die Ausschweifungen des Herzens mit den Ausschweifungen des Geistes verknüpft sind. Der Mittelstand ist meistenteils am höchsten verdorben, und dieser Mittelstand ist doch der, der das Band zwischen dem Fürsten und dem Volk macht. Kein Mann, der eine Stelle im Staat bekleidet, kann ein übles Beispiel geben, ohne dass er nicht die bürgerlichen und sittlichen Tugenden beleidigt; die Seuche, die von oben herabkommt, steckt nach und nach jedes Glied der Gesellschaft an, denn es gibt auch eine sittliche Elektrizität, wie eine physische, die sich vom ersten bis zu dem entferntesten Glied mitteilt.
Nur das Gesetz der Tugend, das so einfach und rein ist, redet eine einförmige Sprache mit allen Völkern; es ist nicht mit Schatten und Finsternissen umhüllt; es ist lebend, es ist mit unauslöschlichen Charakteren in aller Herzen gegraben; seine Befehle trotzen allen Revolutionen des Erdbodens, allen Verwüstungen der Zeit, allen eigensinnigen Gewohnheiten. Irrtümer und Laster sind ihre Opfer, die Welt und das Herz des Menschen der grosse Tempel, und Gott die einzige Gotteit, die es anbetet. Man hat dieses zwar tausendmal gesagt, aber es ist gut, es immer wieder zu sagen. Alle Schriftsteller, alle Erzieher, alle Männer, die das Volk bilden, sollen es hundertmal wiederholen, denn nur durch beständiges Wiederholen erlangt der Geist eine Fertigkeit, nach den Gesetzen der Ordnung zu denken und zu handeln.
Es liegt im Menschenherzen, dass sich dieses nur nach und nach zur Tugend bildet. Auch die sittlichen gesetz gleichen den physischen: zuvor Keim, dann Entwicklung und Frucht; zuvor Knospe, dann Blume.
Nichts ist gross, wenn es dem Menschen keinen Nutzen schafft; die glänzendsten und kostbarsten Denkmäler verdienen am wenigsten die Bewunderung des Weisen, wenn sie bloss zur unnützen Pracht erbaut sind. Die Maschine, welche zu unerreichbaren Höhen das wasser in den Gärten der Grossen treibt, hat lange nicht den Wert, den das blosse Rad hat, das ein Bächlein in Bewegung setzt, um Brot für viele Dörfer zu mahlen oder dem arbeitsamen Handwerker seine Arbeit zu erleichtern. Das Genie kann von einem weiten Umfang sein, aber es ist nur alsdann gross, wenn es dem Menschen Nutzen verschafft. So verhält es sich ebenfalls mit den Werken des Geistes.
In der Tat! Was entalten denn auch die unzähligen Bände, die in unserem Jahrhundert geschrieben worden sind? Sie sind nichts als Wiederholungen von einerlei Sache. Die Philosophie hat sich in unseren Augen unter dem Bilde einer allzeit berühmten, allzeit kopierten, aber niemals verschönerten Statue dargestellt. Im Original ist sie weit vollkommener, als in allen ihren goldenen und silbernen Kopien - ja, sie ist weit schöner, wenn sie von der einfältigen Hand eines Landmannes aus Holz geschnitzt in seiner Hütte dasteht, als wenn sie mit prächtigen Verzierungen von Schmeichlern in Palästen aufgesetzt wird.
Sobald die Menschen, ihrer faulen Schwachheit überlassen, bloss der Meinung anderer folgen, so werden ihre Talente nachahmerisch und knechtisch, sie verlieren die Erfindung und die Originalität. Was für grosse Entwürfe und erhabene Spekulationen sind durch den Odem der angenommenen Meinungen ausgelöscht worden? Die Zeit hat bloss die leichten und glänzenden Dinge, die den Beifall der Menge hatten, bis auf uns gebracht, indessen da sie die männlichen und starken Gedanken verschlangen, die zu simpel und zu erhaben waren, als dass sie dem Pöbel hätten gefallen können.
Wenn gute Köpfe sich versammelten und das Wesentlichste aus tausend Foliobänden unseres Jahrhunderts herauszögen, so würde vielleicht aus dem grössten teil das Beste in ein kleines Duodezbändchen gebracht werden können. Unter diese Bände dürfte man aber jene Broschüren, Kritiken, Almanache, Rezensionen etc. gar nicht rechnen, die manchmal die Schande unseres Jahrhunderts sind, und aus denen man, wenn sie der geschickteste Chimist bearbeiten sollte, nicht einen Tropfen Geist erhalten würde, wenn man alles das grobe und leidenschaftliche Gezeug wegwerfen wollte, woraus diese leidenschaftlichen, groben Abdrücke bestehen.
Unter den Werken des Geistes erhält keines in den Augen der Vernunft einen Wert, als dasjenige, das den Menschen besser und glücklicher macht. Die Literatur kann nur zwei Zwecke haben, erstens: Alles dasjenige zu befördern, was zum sittlichen Wohl der Menschheit beiträgt, als Seelenbildung, reine Moralität, erhabene Begriffe von den Wahrheiten der Religion und der Offenbarung; der zweite Zweck ist alles, was zur körperlichen Glückseligkeit der Menschen beiträgt und wodurch die Erhaltung der Gesundheit, die Erleichterung der arbeiten und die Bequemlichkeit des Lebens die Gegenstände eines Schriftstellers werden.
Wenige Schriftsteller sind in unserem Jahrhundert diesem Endzweck treu geblieben; und daher die Verwirrung irregeführter Geisteskräfte des Menschen, die mit der Zeit notwendig den Verfall aller Staaten nach sich ziehen werden.
Was erhält die Staaten? Was ist die Stärke der Konstitutionen? der Systeme, gesetz, Ordnungen? Was sind gesetz, was sind Ordnungen, was Entwürfe, wenn sie nicht befolgt werden? Sie sind nichts vermögende Mittel für grosse Übel. Was ist wohl vermögend, die gesetz