in jedem andern Sinn gibt's nur eine Aufklärung. - Wenn Ehlers von Aufklärung über Ausnahmen redet74, so meint er, nach dem ganzen Zusammenhang seiner Rede zu urteilen, damit: Belehrung über Ausnahmen, welche denn doch wohl nichts anderes ist, als Beförderungsmittel, wodurch man den Leuten dazu helfen will, dass sie das Verhältnis der Ausnahme zur Regel oder zum System einsehen? - Und wenn Zimmermann schreibt"5: »Nach der Sitte des Landes blieb in dieser trostlosen Lage nichts übrig, als den König aufzuklären«: Was kann er damit anderes sagen wollen, als: dem König zu denjenigen Kenntnissen behilflich zu sein, die er zur Erreichung gewisser Absichten haben musste?
XV. Beförderung der vernünftigen Erkenntnis
»Wohl dem land, das einen König hat, der die Aufklärung, d. i. die Beförderung der vernünftigen Erkenntnis aller gemein interessanten Gegenstände, liebt und sie nicht hemmt!«"7- das ist auch der Sinn derer, welche behaupten, dass man das Volk nicht aufklären müsse. Ohne mich um den Grund oder Un-grund dieser Behauptung weiter zu bekümmern, glaube ich doch die Behauptung selbst nicht anders verstehen zu müssen, als: dass man sich keine Mühe geben müsse, bei dem volk eine vernünftige Erkenntnis von den Gegenständen, die in dessen Gesichts- und Wirkungskreis liegen, zu befördern. - »Man entblödet sich nicht, die elenden, längst widerlegten Irrtümer der Sozinianer, Deisten, Naturalisten und anderer Sekten mehr wiederum aufzuwärmen und solche mit vieler Dreistigkeit und Unverschämteit durch den äusserst gemissbrauchten Namen Aufklärung unter das Volk auszubreiten«78; welchen Satz ich so verdolmetsche: Man gibt die Verbreitung sozinianischer, deistischer, naturalistischer Irrtümer für Aufklärung, d. i. für Beförderung einer vernünftigen Religionserkenntnis, aus. - »Durch die allgemeine Aufklärung wird zunächst bloss die Denkkraft gebildet, nicht absichtlich das Wissen befördert.« Paraphrasiert: Durch die Beförderung vernünftiger Erkenntnis soll zunächst die Denkkraft gebildet, nicht bloss das Mass des historischen Wissens vermehrt werden. - »Die zweite Art der Erkenntnis, wovon du, wie jeder andere Mensch, einer Aufklärung bedarfst, sind die Wahrheiten der Religion, usw.« - d. i. ich halte es für nötig, dir zu einer vernünftigen Erkenntnis dieser Wahrheiten behilflich zu sein. Diese zwei zuletzt angeführten Schriftsteller könnten zwar in der letzten Stelle unter Aufklärung auch die vernünftige Erkenntnis selbst, nicht bloss die Beförderung derselben verstehen: der Sinn dieser Rede lässt diese Bedeutung zu. Allein, da sie beide von dem reden, was geschehen soll, was diejenigen, die an der Erziehung der Menschen arbeiten, zu tun haben, so ist es mir wahrscheinlicher, dass sie beide das Wort im aktiven Sinn, von der Beförderung der vernünftigen Erkenntnis, genommen haben.
XVI. Erzählung geschehener Dinge
Beförderung der Erkenntnis durch Erzählung geschehener Dinge, durch Darlegung der historischen Wahrheit oder Wahrscheinlichkeit, durch Vortrag der begebenheiten, so wie sie erfolgt sind, verstehen unter der Aufklärung diejenigen, welche die Aufklärung der Täuschung entgegensetzen.8' Wenn nun die Täuschung im aktiven Sinn des Worts darin besteht, dass wir den andern etwas glauben machen, was nicht wahr ist, so bezieht sie sich allezeit auf Tatsachen; oder so besteht sie immer darin, dass wir dem andern unsere Meinungen für Tatsachen verkaufen. Wenn ich meinem Nachbarn Sempronius erzähle: Diese Nacht ist in meiner kammer ein Poltergeist gewesen, und der einfältige Nachbar glaubt es so tausche ich ihn. Wenn ich aber sage: Ich habe diese Nacht in meiner kammer ein Gepolter gehört; oder: Mir war es, als wenn ich ein Gepolter hörte, und ich bin der Meinung, dass ein Poltergeist es verursacht, so täusche ich ihn nicht. Denn ich unterscheide das, was geschehen ist, von dem, was ich meine. Er kann beides als historisch wahr annehmen, ohne getäuscht zu werden. Folglich besteht der Irrtum aller Getäuschten darin, dass sie als Tatsache annehmen, was doch nur Räsonnement des Erzählers war, und jeder trägt zur Aufklärung dieser Getäuschten bei, d. i. er befördert ihre richtige Kenntnis der Sache, von der die Frage ist, der da beides, Tatsache und Räsonnement, gehörig voneinander unterscheidet, ihnen reine Tatsache erzählt und das Räsonnement ihnen selbst überlässt.
XVII. Erklärung fremder Worte
Ist im grund mit dem vorigen einerlei. Denn wenn wir das Denken und Reden des Schreibenden bei dem Gebrauch seiner Worte als Handlung oder Tatsache annehmen, so tut auch der Erklärer solcher Worte nichts anderes, als dass er eine Tatsache oder etwas Geschehenes erzählt, wenn er sagt, dass der Redende oder Schreibende bei diesen Worten dieses gedacht habe. Wenn also der Verfasser der Fragmente
schreibt, »dass die Aufklärung an die symbolischen Bücher geschmiedet wird«, so will er, glaube ich, sagen, dass alle Beförderung der Aufklärung auf Erklärung der Worte eingeschränkt wird, die in den symbolischen Büchern entalten sind.
XVIII. Darlegung seiner Meinungen
Wenn ich wahrnehme, dass mein Freund oder Mitbürger oder Nebenmensch von gewissen Gegenständen eine falsche, d. i. eine von der meinigen abweichende Meinung hat, so erwacht in mir der Trieb, ihn eines Bessern zu belehren. Diese Belehrung besteht nun offenbar in nichts anderem, als darin, dass ich ihm meine Meinung über denselben Gegenstand - mit oder ohne Beweisgründe - mitteile. Jeder Schriftsteller, der seine Meinung vorträgt, setzt voraus, dass es im Publikum Leute gibt, die über den zu behandelnden Gegenstand entweder noch gar nichts