All_Enlightenment_131.txt

in der Ausführung verknüpft war, so musste man die Menschen glauben lassen, was sie wollten, wenn sie nur nach dem Symbolum lehrten. O! der weisen Duldung, die die Not gebar! - die die Schwere verrät, womit die exzentrischen Kräfte das Gehirn dieser Ortodoxen zusammenpressten. Dies alles geschah den kommenden Jahrhunderten zum Exempel, und glücklich hat noch keines sich mit dem Brandmal eines gleichen Unsinns bezeichnet.

Von allem diesen Unsinn suchte ein unternehmender Augustinermönch die Religion zu befreien. Die Aufklärung sollte diesem grossen Mann eine Ehrensäule setzen, wenn sie kein besseres Mittel hätte, das Andenken grosser Männer zu verewigen. Es gelang ihm, etwas zu tun, und das übrige überliess er späteren zeiten.

Die Sicherheit des römischen Reichs und der Verträge protestantischer Fürsten und der Vorschriften des Westfälischen Friedens, diese Sicherheit, die man bloss in dem Gewissenszwang zu finden glaubte, gebar die sogenannten symbolischen Bücher, diese guten Einrichtungen, welche die Bedürfnisse der Zeit entschuldigen.

Aber hierher, Feinde der Aufklärung, zu diesem wichtigen Zeitpunkt! Haben unsere jetzigen zeiten noch immer dieselben Bedürfnisse, oder haben sie andere? hat die Philosophie sich verfeinert? haben die Sitten sich gebildet? die Nationen, haben sie nicht einen anderen Schwung erhalten? ist aus der Verschiedenheit der Meinungen noch jetzt Bürger- und Bauernkrieg, Spaltung des Reichskörpers, Umwerfung seines Systems zu vermuten, oder ist dieses nicht? Kann aber bei aller Verschiedenheit der Meinungen das Staatssystem des protestantischen Staatskörpers und des römischen Reichs bestehen; vermögen die stehenden Heere der Fürsten, jeden Aufruhr in seiner Geburt zu ersticken; hat die Aufklärung es schon dahin gebracht, dass alle Verschiedenheit der Systeme nicht Verfolgung, sondern Duldung erzeugt: wozu die strengen Normale und die positiven gesetz, welche jetzt keine Anwendung mehr finden? -

Und wenn nun irgendein Staat den Beweis seines Verfalls dadurch sichtbar machen wollte, dass er die Vermutung von sich gäbe, als glaubte er, seine ganze Sicherheit hänge von einem positiven Regulativ in Glaubenssachen ab - gesetzt, ein Staat hätte die Meinung, dass die symbolischen Bücher die Stütze der Reiche wären -, welche Labyrinte von Unsinn würde ein solches Reich sich nicht erbauen, in welchen seine Weisheit und Wohlfahrt sich verwickeln müsste. -

Waren es etwa die symbolischen Bücher, welche die Gestalt von Europa umformten, da Friedrich - das Wunder der gewesenen und künftigen zeiten, der Unerreichbare und einzige, der Feind aller Symbolik und ihrer gewaffneten Streiter - regierte?

Waren es die symbolischen Bücher, welche seine Krieger belebten und die Schlachten bei Leuten und Rossbach gewannen? Waren sie es, die die Geschäfte unseres Ministeriums leiteten und im Kabinett Krieg und Frieden entschieden? waren sie es, die Manufakturen blühend machten und den Handel emporhoben? Haben wir ihnen das grosse weise Gesetzbuch zu verdanken, das den Namen unseres Carmers verewigt? - Oder was würde entstanden sein, wenn Friedrich der Grosse zu diesem elenden Schibbolet geschworen und seine Regierung nach seinen Vorschriften eingerichtet hätte? Wenn er einen protestantischen Kardinal zum Ratgeber erwählt und einen Du Bois in jeglichem Falle gefragt hätte: Erlauben es auch die symbolischen Bücher, was ich jetzt tun will? wenn ein solcher Kardinal-Minister über Krieg und Frieden nach diesen Büchern entschiede, Finkenstein und Herzberg, diese grossen Staatsmänner, sie zur positiven Norm in Behandlung auswärtiger Geschäfte machen müssten, die symbolischen Bücher das grosse Regulativ für das bürgerliche und peinliche Recht würden; was würden wir nun gewonnen haben, wenn unsere Politik zur Politik des Zeitalters herabgesunken wäre, da diese Bücher geschmiedet wurden?

Oder wenn diese Bücher in ihren Lehrsätzen allen, nicht für jeden gleich, verbindlich wären, müsste man dann wenigstens nicht die Fälle des: Bis hierher, und: Wie weit, bestimmen, um die Nationen und ihre Stände nicht in Zweifel zu setzen?

Was würde für die Einrichtung des staates entspringen, wenn man so weit zurücktreten wollte? - Glück oder Unglück?

Könnt ihr denn wirklich, Feinde der Menschenrechte und Freiheit im Denken und Lehren, könnt ihr denn wirklich auf einmal die Kultur der Nationen und Sitten so umschatten, dass sie sich zu jenen Büchern passen? - Ein blick auf die Grundsätze dieser Bücher wird uns sehend machen, wenn wir blind waren.

Wird in diesen Büchern etwa nicht die Lüge gelehrt, dass, wer nicht an Christum glaube, ewig verdammt sei? - Was waren die Folgen dieser Lehre, welche Satan erfand und Beelzebub durch pfaffen und Mönche in der Welt ausstreute? Stolz auf seinen Glauben; Verachtung einer nützlichen Klasse der Nation, der Juden, die nicht an ihn glaubten. Und warum sollte ich einen solchen Hund achten, den das Schicksal in Zeit und Ewigkeit verdammt hat, mit dem Teufel und seinen Engeln sich im Schwefelpfuhl zu wälzen und von Ewigkeit zu Ewigkeit gemartert und in siedendem Pech gequält zu werden? Warum sollte ich einen von Gott verfluchten und vermaledeiten Verworfenen ehrlich behandeln? Warum gegen ein Scheusal menschenfreundlich sein, gegen welches Gott tausendmal tausend Schalen seines Zorns Ewigkeiten hindurch ausgiessen will?

Wehe dem Mann, der dies glauben müsste und ein fühlbares Herz in seinem Busen trägt; der Gott, gegen sich selbst berechnet, für böser, rachgieriger, schwächer als sich selbst halten soll; der von ihm glauben soll, die Grösse seines Zorns gegen einen Menschen - der einen Apfel ass, den er nicht essen sollte - habe sogar durch den blutigsten, schrecklichsten Tod seines eigenen Kindes Genugtuung erhalten müssen. Wehe dem Menschen, der Gott für lasterhafter hält, als er selbst sein würde; der alle