All_Enlightenment_130.txt

ich sie ruhig nieder, meine Feder, und feiere still den frohen Tag, wo sie aus dem Schatten des Körpers hervortritt, der ihre Strahlen verbarg.

Was für Folgen entstehen für die Religion, wenn die Aufklärung um Jahrhunderte in Finsternis zurückgerückt und mit den ehernen Fesseln des Despotismus - der Priester und Leviten - an die symbolischen Bücher und alten Lehrbegriffe geschmiedet wird?

Die Aufklärung - des himmels edelstes Geschenk - ist die Tochter des Verstandes; ihr Zweck ist Erleuchtung und Glück der Menschheit. Wie heisst ihre Feindin? - Dummheit, und dieser ihr Zweck, was kann er sein? Verfinsterung und Unheil. Die geschichte der zeiten, die nicht den Zauberspiegel des Vorurteils und der Heuchelei vorhält - sondern die Larve der Verstellung von dem Angesicht moderner Toren hinwegreisst- die weder gekrönten, noch ungekrönten Despoten schmeichelt; nicht die braunen Hirnschädel, die einst das Diadem schmückte, noch die verwesenden Knochen des toten Staatsdieners fürchtet, der einst Ordensbänder und Kreuze trug- die den ewigen Szepter unbestechbarer Weisheit über Entschlafene ausreckt und in der unfehlbaren Waage der Gerechtigkeit Taten der Könige, ihrer Minister und Untertanen wägt; die den ernsten Moment heraufwinkt, wo die Nebel des Vorurteils in ihrem Glänze sich zerstreuen - die geschichte der zeiten richte und werde Beweis.

Einst - bald beginnt das zweite Jahrtausend, dass es geschah - war ein Volk, das die Religion der Kindheit in seinem männlichen Alter für gleich gut und heilig hielt, als sie dem grauen Altertum war und sein musste. Sein Gesetz - gestempelt mit dem Gepräge der Schwäche seines unkultivierten Zeitalters - war sein symbolisches Buch, dem es stärker anhing, als der Mönch den Ordensregeln seines Stifters. Die Weisen am Cephissus, am Euphrat und in Scytien - und wo es geschah - hatten neue gesetz und philosophische Moral verkündigt, indes es noch in dem Schatten der Barbarei lag und nur die Dämmerung den kommenden Tag verkündigte. Seine Tyrannen, die ihre Untertanen würgten - seine Priester, die ihr Mark aussaugten, und seine Bösewichter, welche die heiligsten Pflichten niedertraten, versöhnten den, den sie ihren Gott nannten, dadurch, dass sie an einem Altar eine Kuh von roter Farbe opferten oder einen Bock in die Wüste jagten, zwischen dessen Hörner sie die Laster des staates legten. Ihre Lehrmeinungen, die Vorurteile waren, bildeten ihre Fürsten zu Tyrannen, ihre Staatsbedienten zu Bösewichtern und das Volk zu dummen Schafen, die der Priester würgte, wenn sie vom Tyrannen geschoren waren. Unter sich selbst war es ohne Sitten, die diesen Namen verdienen, und sein Verstand lag in einem Wüste von Aberglauben begraben, gerade so als zu den zeiten, da der Papst die Sünden taxierte, und die gesetz das Leben eines Laien nach klingender Münze schätzten.

Unter diesem Volk - dazumal beschnitten am Verstand und an allen seine edlen Teilen - stand ein Weiser auf, mit einer Seele, wie der Himmel sie bildet, und einem Herzen, so schön, edel und heiter, dass es die Dunkelheit des Jahrhunderts erleuchtete und über seine eiserne Zeit göttlichen Glanz verbreitete. Er sah über sein Zeitalter hinweg und fühlte die Bedürfnisse der herbeieilenden Jahrtausende. Er sah die Regentschaft der Dummheit und erweckte den Verstand, der bei seinem Volk ein Embryo war und in einer anfanglosen dauernden Letargie schlummerte. Mit männlichem Geist zertrat er die Vorurteile seiner Nation vor sich her, und mild und duldend, wie sein Herz, war seine Lehre. Er wollte die Sitten seines volkes bändigen; seine symbolischen Bücher in die Lehren der Vernunft umformen; und - die Stupidität zerriss den Faden seines Lebens und vertilgte ihn von der Erde.

Seine Lehre gründete sich auf kein symbolisches Buch - aber auf die göttliche Offenbarung des Buches der natur und des Verstandes. Liebe - unbegrenzte Liebe zum Schöpfer und gleiche Liebe, welche die gemeinschaftlichen Pflichten der Menschheit ehrt und erfüllt; Wohl der Menschheit überhaupt - siehe den ganzen Inhalt dieser Lehre.

Sie schlug nicht Wurzel; denn das unfruchtbare Erdreich Judäas war ein Felsen. Seine Anhänger mischten mehr oder weniger, je nachdem sie anhänglichkeit an ihre alten Lehren, Glauben und Gewohnheiten hatten, von den Vorurteilen der Zeit mit unter. Die Eitelkeit der Lehrer, die ein Jahrhundert nach ihm lebten, verliess die Spuren der natur und machte aus seiner Lehre ein Gemengsel von Juden-, Heiden- und Christentum.

Bald standen vermoderte Knochen wahnsinniger Schwärmer auf den Altären - bald ward der Himmel mit unreifen Heiligen bevölkert, die Hölle mit allen Abscheulichkeiten ihres Schwefelpfuhls erfunden: und damit dieser Unsinn nicht allein sei, so erbaute man ihr ein Antichambre und einen Vorhof, nannte erstere das Fegfeuer und letzteren den Limbus.

Die Priester warfen sich auf zu Tyrannen und machten Anateme und Scheiterhaufen zu Beweisen ihrer Exegese. Vor allen erhob einer unter ihnen sein Haupt - und in einem kräftigen Anfall von Unsinn liess er sich zwei Dietriche machen, womit er Himmel und Hölle auf- und zuschloss. Seine christliche Demut trat auf die Hälse der Könige und zertrümmerte zuletzt Kaisertümer und Königreiche.

Man hatte zur Zeit, da man den Narren Arius verfolgte, ein Symbolum gemacht. Wer es nicht unterschrieb und glaubte, verdiente den Tod und starb, gepeinigt von Priestern und Scharfrichtern. O! es war zu der Zeit ein grosses Verbrechen, gegen das Symbolum zu schreiben! Man setzte ab und liess verhungern einen jeden, der die Rechte der Aufklärung verteidigte. - dafür war es aber auch das Jahrhundert der finstersten Stupidität und der rasendsten Dummheit. Man wollte die Meinungen beherrschen. Da dieses aber mit einigen Unbequemlichkeiten