die vielen anderen Wohltaten die das tätige Leben der Könige und ihrer Minister dem Staat wirkten, politikastert sie über kleine Fehler. Aber nie legt die Täuschung die Menge des Guten vom mühsamen Bestreben der Staatsverwalter in die andere Schale; sonst müsste sie vor ihrem Gewissen verstummen.
Weiter. Entsprangen die schädlichen Staatsrevolutionen aus Aufklärung oder Täuschung? Was brachte den Freistaat der vereinigten Kolonien hervor? Täuschung des englischen Ministeriums, und Täuschung der Kolonien. Hätten Grossbritanniens Minister die Wahrheit der Lage seiner Kolonien gekannt, sie würden unstreitig anders gehandelt haben. Hatten die Kolonien ohne Täuschung gehandelt, so wären sie jetzt nicht eine Art von anarchischem Staat, der durch schwache Bande sich hält; der ohne alle Majestät, ohne wahre innere Grösse seiner Verfassung und ohne das Gewicht ist, was ein gut eingerichteter Staat unter einem Oberhaupt haben muss. Jede Provinz ist souverän, und also jede für sich ohnmächtig! Kein Geist einträchtiger Einigkeit, und falsche Begriffe von Freiheit allentalben!
Wie glücklich war Holland unter seiner alten Konstitution? War es Wahrheit und Aufklärung oder Torheit und Täuschung, welche dieses Land zum Ball der Kabale, zum Schauplatz des Aufruhrs, der Rebellion und des Bürgerkriegs machte? Führten seine unaufgeklärten Demagogen es nicht an den Rand des Abgrunds, von welchem es in die Tiefen der wutvollsten Anarchie sich gestürzt haben würde, wäre nicht Preussens aufgeklärterer Genius ihm zu Hilfe geeilt?
Was waren die Niederlande, da die Täuschung und die Vorurteile eines Philipps des Zweiten sie zum Schauplatz aller Abscheulichkeiten machten? Man vergleiche Spanien mit Preussen. Ersteres, so sehr die Aufklärung Fortschritte zu machen sucht, liegt noch sehr unter dem Joche der Vorurteile und der Täuschung. Wo ist der Zustand der Finanzen, der ganzen Staatswirtschaft und politischen Verfassung ordnungsvoller, im unaufgeklärten Land oder im aufgeklärten? Verschlang nicht Täuschung und Mangel an Aufklärung in diesen Fächern die ungeheuren Schätze der neuen Welt? Alles Gold und Silber von Peru und Mexiko? - Die Minen von Potosi sind erschöpft, und wo ist ihr Gold? Die aufgeklärteren Nationen haben sich in die Beute geteilt, die sie verdienten. Bedarf es wohl noch eines Beweises, ob Aufklärung oder Täuschung den Staaten vorteilhaft oder verderblich sei?
Was hat ein Staat nicht zu erwarten, wenn seine Minister aufgeklärte Männer, und was, wenn sie vorurteilsvolle, täuschende oder getäuschte Staatsdiener sind? Auf der Seite welches Hofes liegt die grössere Wahrscheinlichkeit, dass seine Pläne und ihre Ausführung gut sind, bei jenem oder diesem? Man sehe, was für Verheerungen und Unglück durch unaufgeklärte Minister, die das Herz der Regenten in Händen haben, nicht gestiftet wird! Der Ruhm des Monarchen, den sie handeln lassen, wie sie es für gut finden, steht auf dem Spiel. Die Verordnungen, welche Mangel an Aufklärung und Vorurteil ins Publikum brachten, sind ewige Akten der Schande für die, in deren Namen sie ausgingen. Gibt es nicht Höfe, wo der Pfaffengeist, wo heimlicher Jesuitismus durch Fürsten und ihre Minister herrscht? Wo Verfolgung und Verweisungen der Vernünftigen in vielen Beispielen am Tag liegen? Wo Fürsten, durch sie geleitet, ihre Majestätsrechte verleugnen und sich dem Stolz eines geistlichen Grossen unterwerfen? Wo man, statt Recht und Gerechtigkeit zu hegen, unachtsam die Plakkereien der niedern Gerichtshöfe konniviert? Wo Urteilssprüche sogar für Geld zu erkaufen sind? Wo Habsucht der Staatsbedienten mit den Ämtern des Landes wuchert und sie nicht dem Verdienstvollen, sondern dem Meistbietenden überträgt? Wo man geistliche Ämter nicht dem Verdienstvollen, sondern dem Dümmsten bestimmt, wenn er nur in der Fülle seiner Dummheit recht ortodox ist? Sind dies Folgen der Aufklärung oder der Täuschung? Wo die Minister wie Regenten herrschen; wo sie die Personen der Fürsten umlagern, dass keine Bitten, keine Anzeigen dem Tron des Herrschenden nahe kommen können; wo der Minister den Schwächen des Monarchen schmeichelt, seine Fehler bewundert, den letzten Keim der Tugend und Seelengrösse erstickt und den, der ein Vater seines volkes würde gewesen sein, zum grössten Despoten macht? Ist es besser, ein aufgeklärter oder ein vorurteilsvoller Minister zu sein?
Die Geschäftsmänner jeden Zweiges der Staatsverwaltung, werden diese dem Staat als getäuschte oder als aufgeklärte Männer nützlicher sein? Die Aufklärung ist allen Rücksichten auf eigenes Interesse entgegen, das auf Unkosten der Amtspflichten und des Staates erhalten wird. Ein Aufgeklärter sieht in sich den Diener des allgemeinen Interesses und nicht bloss des Seinigen. Nur den Gesetzen dient er, und die person lässt er aus der Acht. So diente in Friedrichs II. Epoche der preussische Geschäftsmann dem geringsten Bauern wie dem ersten Prinzen mit unerschütterlicher Unparteilichkeit. Unsere Gerichtshöfe sprachen Recht dem, auf dessen Seite es war. Kein Stand verrückte den ruhigen Prüfungsgeist des aufgeklärten Richters, der immer auf den reinen Zweck seiner Untersuchung, ohne sich abwenden zu lassen, hinblickte, nämlich auf Wahrheit und Recht und gesetz.
Wenn nun Täuschungen den blick des Richters verdunkeln oder Kabalen aus dem mund der Advokaten reden; wenn der Bessersprechende, der Beredteste, das Urteil des Richters durch Floskeln und Deklamation dahinreisst; oder wo man auf Stand und Amtscharakter sieht; oder aus Furcht, den Grossen und Vornehmen zu beleidigen, die Unschuld unterdrückt; wo der Rechtsgelehrte bestechbar ist und seine Urteilssprüche feil sind; wo Empfehlungen das Recht beugen und Gefälligkeiten die Rechte verdrehen - wo ist es besser? Im staat der Täuschung oder der Aufklärung?
Der Gelehrte ist, ohne dass es eines Wortes bedarf, nur dieses im Masse seiner Aufklärung. Je mehr ihn vorgefasste Meinungen, falsche Prämissen und Täuschungen beherrschen, je weniger ist er