1855_von_Scheffel_157_174.txt

. 10. bei Pertz, Mon. II, 135. 196 Verfluchungen gegen etwaige Widersacher gehörten bei allen auf Vergabungen, Eigentumsübertragungen, Stiftungen etc. bezüglichen Urkunden zum Kanzleistil. Man war in den verschiedenen Formen von erfindungsreicher Mannigfaltigkeit. "Es fühle der Leib in den Jahren ihres Lebens den Vorschmack der unendlichen Höllenpein, wie Heliodor, welchen die Engel gestäupt, wie Antiochus, welchen die Würmer gefressen", heisst es z.B. im Stiftungsbrief des Klosters Peterlingen. "Wer mit böswilligem Gemüt diese Schrift liest", wird anderswo gewünscht, "möge zur Stelle erblinden!" S. Joh. v. Müller, geschichte der Schweiz I, 253. Eine Zeit, die sich so umfangreich aufs Segnen verstand, musste notwendig auch im Fluchen Erkleckliches leisten. 197 ... et multi illorum comprehensi sunt cum rege eorum nomine Pulszi et suspensi sunt in patibulis. Annales S. Galenses major. ad. ann. 955 bei Pertz, Mon. I, 79. 198 Qui dubitans minime, huic illam nubere posse.

Ruodlieb fr. XVI, v. 15.

199 Mich macht ein kleines Hälmchen froh,

Es sagt, mir solle Gnade kommen;

Ich mass dasselbe kleine Stroh,

Wie ich's bei Kindern wahrgenommen.

Nun höret all und merkt, ob sie es tu':

Sie tut, tut's nicht, sie tut, tut's nicht, sie tut!

Wie oft ich mass, stets war das Ende gut.

Herr Walter von der Vogelweide (übersetzt bei Simrock, Altdeutsches Lesebuch 1854, p. 208). 200 ... corda hominum quos capiunt particulatim dividentes veluti pro remedio devorant. Regino Chronicon ad ann 889 bei Pertz, Mon. I, 600. 201 ... Der ist sâlic der dri behûttet sîne gewate daz er nihet naccetne gange usw. Predigt, mitgeteilt von J.v. Arx aus einem Pergamentblatt des XI. Jahrhunderts und verbessert herausgegeben bei Hattemer, Denkmale etc. I, 326. 202 S. Grimm, Rechtsaltertümer, p. 723, s.v. Dachabdeckung. 203 Ungar baptizatus uxorem duxit, filios genuit. Ekkeh IV, casus S. Galli, c. 3. 204 Rüdiger Manesses Sammlung I, 87. 205 S. Grimm, Rechtsaltertümer, p. 726, s.v. Prellen. 206 S. lex Ripuariorum, cap. 57. Der auf solche Weise Freigelassene hiess homo denariatus. 207 S. Ekkeh IV, casus S. Galli, cap. 10 bei Pertz, Mon. II, 135. 208 Wiewohl wir nicht hoffen, dass einer der Leser sich versucht fühle, Gunzos pomphaftes Werk nachzuschlagen, sei doch der Ort angegeben, wo es zu finden. Es steht in der gelehrten Benediktiner Martène et Durand collectio veterum scriptor. et monumentor, Tom. I, 294 als Epistola Gunzonis ad Augienses fratres; – ein geschichtlicher Beweis, dass auch vor Ehren-Götze und allen, die heutigentages auf den Pfaden gelehrter Injurie selbstgefällig lächelnd einherschreiten, tapfere Männer gelebt haben. Ähnliche Leistungen hat wohl Baronius im Auge gehabt, da er das zehnte Jahrhundert ein " b l e i e r n e s " nannte. Ein sachkundiges Urteil charakterisiert den Stil einiger Zeit- und Gesinnungsgenossen von Gunzo als ein Latein, "dessen Grundfarbe durch die gehäuften klassischen Floskeln und Schnörkel nicht verdeckt wird und wissen, wenn es ihnen überhaupt um Gedanken zu tun ist." S. Vogel, Raterinus von Verona I, 161. 209 Regula S. Benedicti, cap. 43: de his qui ad mensam tarde occurunt. 210 Schon die Lebensbeschreibung des heiligen Gallus (lib. II. cap. 34 bei Pertz, Mon. II. 29) erwähnt die Sitte, dass unvorsätzliche Mörder mit schweren Ketten, die oft aus dem eigenen Mordschwert geschmiedet wurden, oder mit eisernen Ringen um den Leib oder die arme belastet, Wallfahrten tun mussten. S. auch Uhlands schönes Gedicht "Der Waller". 211 Lex Burgundionum tit. XVIII, 1. 212 S. Vita S. Liobae bei Mabillon Acta Benedict. saec. 3, pars 2, 229 (ed. Venet. 1734). 213 ... plerosque autem vidimus et audivimus tanta dementia obrutos, tanta stultitia alienatos, ut credant et dicant, quandam esse regionem, quae dicatur M a g o n i a , e x q u a n a v e s v e n i a n t in nubibus, in quibus fruges, quae grandinibus decidunt et tempestatibus pereunt, vehantur in eandem r e g i o n e m , ipsis videlicet n a u t i s a ë r e i s dantibus pretia t e m p e s t a r i i s et accipientibus frumenta vel ceteras fruges. Agobard. contra insul(ed Baluze). 214 Durch alle Völker geht der Glaube, dass im gebundenen feierlich gefassten Wort eine zauberische Kraft verborgen ruhe, die zu Segen und Fluch gedeihlich verwendet werden möge. Von dem rätselhaften römisch-sabinischen Zauber gegen Verrenkung, den schon der alte Cato (de re rustica 160) anführt, von den nordischen Runen, von den echten ehrwürdigen Merseburger Heilsprüchen bis auf das unverständliche Kauderwelsch, mit dem heutigestags, wenn just kein Arzt oder anzeigedrohender Ortsdiener in der Nähe ist, der ländliche Viehdoktor den suchtkranken Haushund oder das räudige Schaf beschwört: überall derselbe Grundgedanke von der Macht rhytmisch