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ipsa cum eo pridie secreta condixerat. Ekkeh. IV. casus S. Galli, c. 10. 78 Tutilos Räubergeschichte s. Ekkeh. IV. casus S. Galli, c. 3, bei Pertz Monum. II, 98. 79 Über die damaligen Musikinstrumente und den Zustand sanktgallischer Musik gibt Notker Labeos Aufsatz – s. Hattemer, Denkmale etc. III, 586 u. ff. – wichtigen Aufschluss. Die hier gegebene Beschreibung der Instrumente ist auf die bildlichen Darstellungen in Notkers Psalmenbuch (Handschrift 21 der sanktgall. Bibliotek) gestützt. Das eine Blatt der beiden Federzeichnungen, die den Eingang des Buches schmücken, stellt den König David vor, auf dem Trone sitzend und mit einem Plektron die siebensaitige Leier spielend. In den vier Ecken stehen vier Männer mit Violine, Ziter, Hackbrett und Harfe. Bei der Ängstlichkeit, mit welcher diese übrigens fein gefühlten Gestalten ausgeführt sind, ist anzunehmen, dass der Künstler nichts erfunden, sondern sich an Vorhandenes gehalten hat. 80 ... quae autem Tutilo dictaverat, singularis et agnoscibilis melodiae sunt, quia per psalterium seu per rohtam, qua potentior ipse erat, neumata (i.e. vocum modulationes) inventa dulciora sunt. Ekkeh. IV. S. Galli, c. 3. 81 Quid vero dies illa consumpserit, Dominus solus novit... 82 Cigneo canore dulcior sonus. 83 Alpina siquidem corpora vocum suarum tonitruis altisone perstrepentia susceptae modulationis dulcedinem proprie non resultant. Quia bibuli gutturis barbara feritas, dum inflexionibus et repercussionibus mitem nititur edere cantilenam, naturali quodam fragore quasi plaustra per gradus confuse sonantia rigidas voces iactat. Ein sanktgallischer Musikfreund, der dies italische Kunsturteil später doch zu lesen bekam, schrieb an den Rand: vide jactantiam romaniscam in teutones et gallos! d.h.: "Siehe da wieder ein Stück romanischer Unverschämteit gegen die Deutschen und Franzosen!" S. Hattemer, Denkmale etc. I, 420. 84 Mit Geschenk, Kuss und Scheidetrank nehmen nach mittetalterlicher Sitte Gastfreunde voneinander Abschied. Diese Förmlichkeiten wurden streng eingehalten. Bischof Salomo von Konstanz schenkte den zum Gastmahl geladenen Kammerboten kostbare Glasgefässe, und wiewohl sie, Groll im Herzen tragend, die Gläser zu Boden fallen lassen, dass sie zerbrechen, küssen sie einand noch und trinken des Abschieds Minne. Amoreque, ut moris est, osculato et epoto laetabundi discedunt. Ekkeh. IV. casus S. Galli c. I, bei Pertz Mon. II, 84. S. auch Ruodlieb fragm. III, v. 221. Eine anmutige Schilderung solcher Courtoisie gibt des Nibelungenlieds siebenundzwanzigstes Abenteuer, da König Gunter mit seinen Mannen sich beim Markgrafen von Bechelaren beurlaubt. Auch die Frauen verschmähten nicht, sich mit minniglichem Kusse von ihren Gästen zu scheiden. 85 Ein solches Schaustück ist ausführlich beschrieben im Ruodlieb fr. III, v. 309 u. ff. 86 Einträge dieser Art auf dem Titelblatt, wie sie jetzt noch die Kinder herkömmlicherweise in ihre Schulbücher zu machen pflegen, kommen in damaligen Handschriften häufig vor. 87 Dieses Psalmenbuch, der s.g. liber Sancti Galli aureus, ist jetzt noch ein Kleinod der sanktgallischen Bibliotek. Die in frischen Farben glänzenden Miniaturen sind in manchen Motiven noch vom nachwirkenden Geist der Antike erfüllt, gewandt, mit Verständnis von Gestalt und Faltenwurf und einer gewissen unbefangenen künstlerischen Sicherheit hingezeichnet und leicht koloriert. Die mit reichen Arabesken gezierten Initialen und das die Bilder umrahmende architektonische Beiwerk gewähren mannigfache Einsicht in die baulichen Formen jener Zeit, deren monumentale Reste so selten geworden. – Auch Anfänge der Wandmalerei zum Schmuck der kirchlichen Gebäude kommen schon vor. Ein Abt Immo liess in vielen an den Wänden der Münsterkirche angebrachten Gemälden die Lebensgeschichte des heiligen Gallus darstellen; von einem spätern Abt Manegold wird berichtet, dass er ein Bild de materia genealogiae Christi und ausserdem ein letztes Gericht in muro bonis coloribus herstellen liess. S. casuum S. Galli II. continuatio, c. 8, Pertz Monum. II, 161. Ild. v. Arx, geschichte des Kantons St. Gallen I, 237. Die Wandmalereien des Kloster Reichenau sind besungen von Burkhard bei Pertz, Monum. VI, 629. 88 Vocabularius Sancti Galli, dem Sprachforscher wichtig durch den Schatz altochdeutscher Wörter, noch erhalten und vielfach abgedruckt, z.B. bei Hattemer, Denkmale etc. I. 11–14. 89 Auch dieses wertvolle Denkmal aus der Zeit Kaiser Ludwig des Frommen wird noch von der sanktgallischen Bibliotek bewahrt. Vgl. Keller, Der Bauriss des Klosters Sankt Gallen. 90 ... Tieto caminatam quandam "veterum seniorum angulum" vocatam introiit. Ekkeh. IV. casus S. Galli cap. 6, Pertz Mon. II, 112. Vgl. auch II. 135. 91 Die Geschichten vom Bischof Salomo und seinem Hader mit den Kammerboten sind nachgerade ein weniges abgedroschen und abgesungen. Den offenbar mannigfach zur Sage gewordenen Tatbestand erzählt Ekkeh. IV. casus S. Galli cap. 1; zu einer Reihe Balladen zusammengeschmiedet hat ihn ein Sänger der schwäbischen Schule etc.A2 92 Digneris, domine, et hos benedicere fustes ... Benedictio ad capsellas et baculos ad iter agentes in der Handschrift 395. 93 Ermenrici coenobitae augiensis tentamen etc. bei Pertz, Mon. II, 32. Auch der Verfasser der grösseren sanktgallischen Annalen nennt die Reichenau einen hortus deliciarum. S. Pertz, Mon. I, 79. 94 Der Gegenstand religiöser Verehrung, der den Fischer von Ermatingen in Strafe brachte,