ihnen versüssen, erleichtern müsse. Ist Das nicht wiederum Genusssucht? Ist Das nicht wiederum dasselbe Übel, an dem wir die ganze Gesellschaft kranken sehen? Nein; gerade im Gegensatze zu den Communisten muss die Arbeit als eine Quelle der höchsten Freuden dargestellt werden, und Institutionen müssen auftauchen, die die Arbeit und Alles, was mit ihrer Förderung zusammenhängt, in den Vordergrund aller Politik stellen.
Verstehen Sie darunter Belohnungen? fragte Dankmar gespannt und tief ergriffen von diesen Worten, die aus dem mund eines Denkers kamen.
Belohnungen, Auszeichnungen, Erhöhungen des Lohnes, sorge für die Angehörigen der Arbeiter, unmittelbare Beziehung der Staatsformen nur zu der Arbeit, Vertretung der Gewerbe im Vorzug gegen alle andern Stände, die, sei es Kaufmanns-, sei es Gelehrtenstand, nur die Diener Dessen sein können, der arbeitet. Wenden Sie mir nicht ein, dass die Bildung immer den Vorsprung vor dem Arbeiter gewinnen wird, auch da, wo jene vielleicht nur eine und dieser zwei Stimmen hat! Ich will, dass auch der Arbeiter gebildet ist. Ich will ihm nichts entziehen von Dem, was sich der Bevorrechtete zum Schmucke seiner Seele verschaffen kann. Der Staat soll es ihm geben. Der Staat soll aufhören nur die Garantie des Besitzes zu sein, er soll einzig und allein eine Schutzwehr und Garantie der Arbeit werden. Die Franzosen haben mit ihrer Garantie der Arbeit nur einen halben Schritt getan. Für die Arbeiter zwar Summen aussetzen und die Arbeit erleichtern, dabei aber die ewige Rente behalten und die Staatspfründen und das Militair und die ganze Maschinerie der künstlichen Arbeit, der sogenannten Geistesarbeit, und die Repräsentationsarbeit der Beamten im alten Bestande zu lassen, Das ist es nicht, was helfen kann. Auf einen Arbeiter müssen zwei Müssiggänger aufhören müssig zu sein; Das nur kann helfen. Machen Sie die Arbeit zur einzigen Garantie der Rente, und Sie werden sehen, wie Alles die Arbeiter umschmeicheln, wie man bedacht sein wird, ihre Arbeit ertragsfähig zu machen und in dieser Eigenschaft zu erhöhen. Sie sehen an solchen Eisenbahnen, die einen niedern Curs ihrer Actien haben, wie das dabei beteiligte Publicum Alles aufbietet, um diesen Curs zu heben und den Wert der Schienenlinie zu erhöhen. Dies ist nur ein ungefähres Beispiel jener organischen Verschmelzung, in der ich mir die Arbeit in das allgemeine Leben des staates aufgenommen denke. Die Arbeit muss endlich aufhören, eine Ausgesetzte, ein Paria der Gesellschaft zu sein.
Dankmar war entzückt. Er teilte diese Meinung teoretisch nicht ganz; ihn ergriff nur der Contrast der Blouse und dieser geistreichen Worte. übrigens zweifelte er nicht, dass er hier doch wohl einen jener socialistischen Schwärmer vor sich hatte, der sich Handwerker nannte, weil er es wirklich einmal war, längst aber in einen höhern Bildungsstand übertrat und nur die alte Weise beibehielt, um den Arbeitern näher zu stehen und ihnen Vertrauen zu erwecken. Nach einigem Bedenken entgegnete er:
Ich habe lange Zeit, um den gewaltsamern radicalen Mitteln zur Besserung der Welt auszuweichen, mich mit diesen linderen beschäftigt, die Sie andeuten. Oft habe ich mir die Menschheit als einen kranken Organismus gedacht, wo der rasche, vielbeschäftigte und ungeduldige Arzt sogleich Eisen und Feuer verordnet, der tieferblickende, wohlwollende und prüfende aber nur eine Umstimmung der Functionen. Wenn ich dann aber zuletzt doch sah, dass zur Umstimmungsmetode Jahrhunderte gehören würden und vor allen Dingen solche Staatsformen, wie wir sie eben von dem Status quo nicht erlangen können, so bin ich immer wieder darauf zurückgekommen, dass wir bei der alten Metode der Französischen Revolution, bei der Zerstörung des Feudalstaats, zur Zeit noch leider müssen stehen bleiben. Wir müssen – es hilft doch nichts – nivelliren. Die Fürsten und der Adel müssen durchaus dem Vorrecht des Bluts entsagen, der Begriff der Gewalt muss in die Souverainetät des volkes gelegt werden und alle bisherigen Stützen der Macht in den Dienst der neuen Staatskräfte treten. So nur finden wir Zeit und gelegenheit, jene grösseren, anfangs vielleicht nationalen Naturprocesse durchzumachen, die in der Triebkraft aller solcher Völker liegen, denen die geschichte die Einwurzelung in ihre Heimatlichkeit und den Glanz und die Grösse dieser Heimatlichkeit raubte. Dann können nach den nationalen Wiedergeburten die Völker jene noch grösseren Beglückungen der Gesellschaft anbahnen, die in einer veränderten Gliederung des Menschengeschlechts überhaupt liegen und in jenen Neuerungen, die Sie andeuten. Ich verkenne keineswegs, wie gefahrvoll die entwicklung jener Zustände ist, die man die herrschaft des volkes, Demokratie, nennt. Allein die Reformation hatte auch ihre Bauernkriege, ihre Bildersturmexcesse und ihre Wiedertäufer. Ihr besserer Kern erhielt sich und liess nicht einmal dasjenige Gute verkennen, das auch in jenen gräuelvollen Misverständnissen noch teilweise lag. So muss es auch mit der Demokratie werden. Oder glauben Sie wirklich, dass unter der Alleinherrschaft der Könige das Alles sich ausführen lässt, was Sie sich unter der Heiligung der Arbeit gedacht haben? Ich glaube an die Monarchie, als an eine in der menschlichen natur begründete Staatsform; aber die edle ideelle Monarchie ist die Monarchie der Zukunft, nicht die der Gegenwart. Mit der Monarchie der Gegenwart, die sich aufs Mittelalter, auf den Adel, das Militair, die Beamten, die gottbegnadete Berufung stützt, ist nichts Derartiges anzufangen, wie Sie sich's als heilsam denken. Blicken Sie um sich! Die deutschen Fürsten haben plötzlich aus der demokratischen Frage eine nationale und nun aus der nationalen gar eine Cabinetsfrage gemacht! Dynastie wetteifert mit Dynastie, und die alten verjährten Vorurteile der Völker und Stämme werden aus der Trödelkammer der