bleibt er sitzen, weil er einmal sein Entréegeld gegeben hat, und dafür auch seine drei Stunden absitzen will.
Also, Ew. Wohlgeboren, ich dächte. Sie ständen von dem Verlangen nach Umheftung ab. Der ich übrigens usw.
III. Der Herausgeber an den Buchbinder
Lieber Herr Buchbinder, Sie haben mich überzeugt. Ach, ich lasse mir jetzt von jedermann raten in meinem Metier, selbst von Ihrem Jungen, wenn er mir etwa Vorschläge über das neue Buch machen kann. Es hat mir schon so mancher Junge Zurechtweisungen erteilt, und ich habe sie nicht befolgt und schwer darob büssen müssen.
Es soll also bei der Verheftung bleiben, und wenn Sie oder Ihr Junge in der Folge merken, dass ich wieder gegen die Spannung, oder die unordentliche Schreibart gesündigt habe, dann heften Sie nur nach Gutdünken die Kapitel durcheinander, und verbessern auf solche Weise das Buch. Ich glaube sogar, dass ich nicht der erste in solchem Verfahren bin; Herr Steffens hat gewiss bei seinen Novellen von Walset und Leit und den vier Norwegern und Malcolm dem Buchbinder eine gleiche Vergünstigung eingeräumt.
Vor ein sieben, acht Jahren hätte mir noch keiner so etwas bieten dürfen, aber ich bin – –
– – müde geworden, hatte ich geschrieben, lieber Herr Buchbinder, und recht im Vertrauen auseinandergesetzt, warum man in der Welt jetzt so müde werden kann.
Zwei Damen aber, denen ich den Brief vorlas, sagten, das dürfe durchaus nicht stehen bleiben; der müde und weinerliche Ton zieme sich platterdings nicht für mich.
Sie haben recht. Mag die Welt uns alles versagen, die geschichte und die natur kann sie uns nicht versperren. Ich will die Buben heulen und greinen lassen über das Elend, welches sie doch eben hauptsächlich machen helfen.
Nein, Herr Buchbinder, unsere Augen sollen wakker bleiben, und die Wunden sollen uns schön stehen.
Aber was halten Sie von dem "Münchhausen", und was meinen Sie, das aus ihm werden wird?
IV. Der Buchbinder an den Herausgeber
Ew. Wohlgeboren, aus dem "Münchhausen" wird nichts; da Sie denn doch meine Meinung wissen wollen. Dieses tut indessen nichts. Ein Buch, aus dem nichts wird, mehr oder weniger in der Welt, verschlägt nichts. Und dann können wir den einzelnen Abschnitten doch noch in etwa nachhelfen. Für diesen ersten habe ich schon so ein Hausmittelchen in Gedanken. Der ich übrigens usw.
V. Der Herausgeber an den Buchbinder
Welches Hausmittelchen, lieber Herr Buchbinder? Ich bin äusserst gespannt auf Ihre ferneren Mitteilungen. Mit achtung usw.
VI. Der Buchbinder an den Herausgeber
Ew. Wohlgeboren, Briefwechsel sind jetzt beliebt, wenn sie auch nur Nachrichten von Schnupfen- und Hustenanfällen der Korrespondenten entalten. Lassen Sie unsern Briefwechsel im ersten buch mit abdrucken; der hilft ihm auf.
VII. Der Herausgeber an den Buchbinder
Auch unsre letzten Zettel?
VIII. Der Buchbinder an den Herausgeber
Jawohl.
IX. Der Herausgeber an den Buchbinder
Wohl!
X. Der Buchbinder an den Herausgeber
(Kuvert um die Briefe des Herausgebers)
Erstes Kapitel
Von dem schloss Schnick-Schnack-Schnurr und
seinen Bewohnern
In der deutschen Landschaft, in welcher ehemals das mächtige Fürstentum Hechelkram lag, erhebt sich eine Hochebne, von braunem Heidekraute überwachsen. Hin und wieder sticht aus dieser dunkeln Fläche ein spitziges Gestein hervor, mit weissstämmigen Birken oder dunkeln Tannen umsäumt. Nach Mitternacht rücken die Steinlager so nahe aneinander, dass sie für eine kleine Gebirgskette gelten können. Verschiedne Fusspfade laufen durch die Ebne, vereinigen sich aber in der Nähe der beiden höchsten Felsen zu einem breiteren Wege, der zwischen diesen Felsen sacht bergan führt. Nach einigen Windungen fällt derselbe in eine Strasse, welche ehemals bepflastert gewesen sein mag, nun aber durch ausgerissene Steine und grundlose Geleise mehr das Ansehen eines gefährlichen Klippenweges erhalten hat. Nichtsdestoweniger ist diesem holprichten und halsbrechenden Wege bis auf die neuesten zeiten der Name der Schlossstrasse verblieben. Denn man sieht oder sah, kurz nachdem man sie betreten, das Schloss, welches die Überschrift dieses Kapitels nennt, auf einem ziemlich kahlen Hügel liegen.
Je näher man demselben kommt, oder kam, denn am heutigen Tage ist davon nur noch ein Trümmerhaufen übrig, desto deutlicher springt, oder sprang die ungemeine Baufälligkeit des Schlosses in das Auge. Was zuvörderst die Pforte betrifft, oder betraf, so standen zwar deren beide steinerne Pfeiler noch, und auf dem rechten hatte sich sogar der statuarische Löwe als Wappenhalter zu behaupten gewusst, während sein Partner von dem linken Pfeiler hinab in das hohe Gras gesunken war, allein das eiserne Pfortengegitter selbst war längst weggebrochen und zu andern Zwecken verwendet worden. Die Gefahr, welche hieraus für das Gebäude von räuberischen Überfällen zu besorgen stand, war aber nur bei trocknem Wetter vorhanden. Wenn es regnete (und es pflegt oft in jener Gegend zu regnen), so verwandelte sich bald der Burghof in einen undurchwatbaren Sumpf, auf welchem, wenn die geschichte nicht Lügen berichtet, zuweilen selbst Schnepfen sich hatten betreten lassen.
Völlig entsprechend diesem Zugange war das Äussere und Innere des Schlossgebäudes selbst. Die Wände hatten ihre Tünche, ja zum teil ihren Bewurf verloren. Nach einer Seite hin war die Giebelwand bedeutend ausgewichen und durch einen Balken gestützt worden, der aber am unteren Ende auch schon zu morschen begann, und daher nur eine geringe Zuversicht gewährte. Liess man sich nun durch diesen Anblick nicht abschrecken, in das Gebäude eintreten zu wollen, so bot die tür immer noch ein