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der Rache. Alle Tage musste ich von frühe acht bis ein Uhr rezensieren. Der onkel schickte mir ein neues Buch, ich musste es schnell durchlesen und die Hauptstellen bezeichnen. Dann wurden Kritiken von Nr. 1 und 2 entworfen und dem Alten zurückgeschickt. Nun schrieb er selbst 3 und 4, und war dann noch ein Hauptgericht zu exequieren, so liess er mir sagen: 'Mein lieber Neffe; nur immer Nr. 5 und 6 draufgesetzt; es kann nicht schaden, nimm ihn ins Teufels Namen tüchtig durch'; und den ich noch vor einer Stunde mit wahrer Rührung bis zum Himmel erhoben, denselben verdammte ich jetzt bis in die Hölle. Vor Tisch wurden dann die kritischen arbeiten verglichen, der onkel tat, wie er zu sagen pflegte, Salz hinzu, um das Gebräu pikanter zu machen; dann packte ich alles ein und verschickte die heil- und unheilschweren Blätter an die verschiedenen Journale."

"God damn! habe ich in meinem Leben dergleichen gehört?" rief der Lord mit wahrem Grauen; "aber wenn Sie alle Tage nur ein Buch renzensierten, das macht ja im Jahr 365! Gibt es denn in Ihrem Vaterland jährlich selbst nur ein Dritteil dieser Summe?"

"Ha! da kennen Sie unsere gesegnete Literatur schlecht, wenn Sie dies fragen. So viele gibt es in einer Messe, und wir haben jährlich zwei. Alle Jahre kann man achtzig Romane, zwanzig gute und vierzig schlechte Lust- und Trauerspiele, hundert schöne und miserable Erzählungen, Novellen, Historien, Phantasien etc., dreissig Almanachs, fünfzig Bände lyrischer Gedichte, einige erhabene Heldengedichte in Stanzen oder Hexametern, vierhundert Übersetzungen, achtzig Kriegsbücher rechnen, und die Schul-, Lehr-, Kateder-, Professions-, Konfessionsbücher, die Anweisungen zum frommen Leben, zu Bereitung guten Champagners aus Obst, zu Verlängerung der Gesundheit, die Betrachtungen über die Ewigkeit, und wie man auch ohne Arzt sterben könne, usw. sind nicht zu zählen; kurz man kann in meinem Vaterland annehmen, dass unter fünfzig Menschen immer einer Bücher schreibt; ist einer einmal im Messkatalog gestanden, so gibt er das Handwerk vor dem sechzigsten Jahr nicht auf. Sie können also leicht berechnen, meine Herren, wieviel bei uns gedruckt wird. Welcher Reichtum der Literatur, welches weite Feld für die Kritik!"

Der junge Deutsche hatte diese letzten Worte mit einer Ehrfurcht, mit einer Andacht gesprochen, die sogar mir höchst komisch vorkam; der Lord und der Marquis aber brachen in lautes lachen aus, und je verwunderter der junge Herr sie ansah, desto mehr schien ihr Lachreiz gesteigert zu werden.

"Monsieur de Garnmackre! nehmen Sie es nicht übel, dass ich mich von Ihrer Erzählung bis zum lachen hinreissen liess", sagte der Marquis, "aber Ihre Nation, Ihre Literatur, Ihre kritische Manufaktur kam mir unwillkürlich so komisch vor, dass ich mich nicht entalten konnte, zu lachen. Ihr seid sublime Leute! das muss man euch lassen."

"Und der Herr hier hat recht", bemerkte Mylord mit feinem Lächeln. "Alles schreibt in diesem göttlichen land, und was das schönste ist, nicht jeder über sein Fach, sondern lieber über ein anderes. So fuhr ich einmal auf meiner grand tour in einem deutschen Ländchen. Der Weg war schlecht, die Pferde womöglich noch schlechter. Ich liess endlich durch meinen Reisebegleiter, der deutsch reden konnte, den Postillon fragen, was denn sein Herr, der Postmeister, denke, dass er uns so miserable Pferde vorspanne? Der Postillon antwortete: 'Was das Post- und das Stallwesen anbelangt, so denkt mein Herr nichts.'

Wir waren verwundert über diese Antwort, und mein Begleiter, dem das Gespräch Spass machte, fragte, was sein Herr denn anderes zu denken habe? 'Er schreibt!' war die kurze Antwort des Kerls. 'Wie? Briefverzeichnisse, Postkarten?' 'Ei, behüte', sagt er, 'Bücher, gelehrte Bücher.' 'Über das Postwesen?' fragten wir weiter. 'Nein', meinte er; 'Verse macht mein Herr, Verse, oft so breit als meine fünf Finger und so lang als mein Arm!' und klatsch! klatsch! hieb er auf die mageren Brüder des Pegasus und trabte mit uns auf dem stossenden Steinweg, dass es uns in der Seele wehe tat. 'God damn!' sagte mein Begleiter, 'wenn der Herr Postmeister so schlecht auf dem Hippogryphen sitzt wie sein Schwager auf diesen Kleppern, so wird er holperigte Verse zutage fördern!' Und auf Ehre, meine Herren, ich habe mich auf der nächsten Station erkundigt, dieser Postmeister ist ein Dichter, und wie Sie, Mr. Garnmacher, ein grosser Kritiker."

"Ich weiss, wen Sie meinen", erwiderte der Deutsche mit etwas unmutiger Miene, "und Ihre Erzählung soll wohl ein Stich auf mich sein, weil ich eigentlich auch nicht für dieses Gebiet der Literatur erzogen worden. übrigens muss ich Ihnen sagen, Mylord, in Ihrem kalten, systematischen, nach Gesetzen ängstlich zugeschnittenen Land, möchte etwas dergleichen auffallen, aber bei uns zulande ist das was anderes. Da kann jeder in die Literatur hineinpfuschen, wann und wie er will, und es gibt kein Gesetz, dass einem verböte, etwas Miserables drucken zu lassen, wenn er nur einen Verleger findet. Bei den Kritikern und Poeten meines Vaterlandes ist nicht nur in Hinsicht