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Gastmahl gab, welches Plutarch irrig seinem Sohne zuschreibt, wenn anders der von Diogenes Laërtius angezogene alte Geschichtschreiber Archetimus von Syrakus Glauben verdient, welcher bei diesem Gastmahle selbst zugegen gewesen zu sein versicherte. Noch bekannter ist dieser Name in der geschichte der Griechischen Kunst durch einen Kasten geworden, der im Tempel der Juno zu Olympia zu sehen war; ein von den Kypseliden zu Korint zum Andenken ihres Ahnherrn dahin gestiftetes Weihgeschenk, dessen Kenntniss wir einer sehr genauen, aber ohne allen Kunstsinn und daher auch ohne Rücksicht auf die Kunst abgefassten Beschreibung des Pausanias zu danken haben, die von einem der gelehrtesten und scharfsinnigsten Altertumsforscher unsrer Zeit in einer eigenen Abhandlung über den Kasten des Kypselus u.s.w. (Göttingen, 1770) mit dem Fleiss, den ein so altes Kunstwerk verdiente, erläutert worden ist. W. 118 Korint hatte zwei Häfen, wovon der eine Lechäum, der andere Kenchreä hiess. In diesen am Saronischen Meerbusen liefen die Schiffe aus Asien und Nordafrika ein. 119 Der neunte monat der Atener, dessen erstes Drittel in unsern März, und der Rest in unsern April fällt. W.

31. Brief.

120 Göttin des Glücks. 121 Milet, vielleicht die üppigste Stadt Kleinasiens, war reich an Liebesgeschichten, und den Anfang aller Romane machen die Millesiaka, d.i. Milesische Geschichten oder Mährchen eines gewissen Aristides aus Milet. Unter Milesischen Mährchen verstand man daher das, was man späterhin Romane nannte. Da Aristides um vieles später lebte als Aristipp, so kann dieser freilich den Namen nicht von jenem entlehnt haben.

32. Brief.

122 Der zehnte monat der Atener, der dem letzten Drittel des Aprils, und den zwei ersten des Mai's entspricht. W. 123 Vermutlich dachte Wieland hier mehr an Gessner als an Teokrit; aber auch an diesen, später als er Lebenden, hätte Aristipp nicht denken können. Zu seiner Zeit gab es noch keine Idyllen in unsern Sinne, und als es welche gab, würde sich doch wohl Lais durch die Vergleichung mit einer Arkadischen Schäferin wenig geschmeichelt gefühlt haben. 124 S. Plinii Hist. natur. L. 35. c. 11. Euphranorfecit et Colossos, et marmora, ac scyphos scalpsit; docilis et laboriosus ante omnes et in quocunque getur expressisse dignitates Heroum et usurpasse symmetriam; sed fuit universitate corporum exilior, capitibus articulisque grandior. Volumina quoque composuit de Symmetria et coloribus. Alles diess hängt nicht sonderlich zusammen, scheint aber durch das, was Aristipp in diesem Briefe von Euphranorn sagt, und diesen selbst sagen lässt, wenigstens was den ihm gemachten Vorwurf betrifft, ein ziemlich befriedigendes Licht zu erhalten. W. 125 Einer der streitbarsten Helden der Griechischen Heroenzeit, bekannt durch seine Teilnahme an der Argonautenfahrt und der Jagd gegen den furchtbaren Kalydonischen Eber. 126 Als wackere Schmauser und Freunde von Lustbarkeiten aus der Odyssee bekannt. 127 Tesmoteten, hiessen zu Aten unter den neun jährlichen Archonten die sechs letzteren, denen die Oberaufsicht über die Vollziehung der gesetz anvertraut war. W.

33. Brief.

128 Von diesem Horne wissen die Alten vielerlei zu erzählen. Es hatte einer Ziege gehört, und Zeus schenkte es den Nymphen, die ihn auferzogen hatten, und gab ihm die Kraft ihnen alles, wessen sie bedurften, zu spenden. Dadurch wurde es zu dem berühmten Horn des Ueberflusses. 129 Platons berühmtes Gastmahl, denn dieses veranstaltete der tragische Dichter Agaton nach einem Siege, den er über seine Mitbewerber um den poetischen Kranz errungen hatte. 130 A n a g n o s t e n , hiessen die Sklaven, deren Geschäft war, während der Tafel vorzulesen, wozu sie teils mit der schönen Literatur bekannt, teils im Declamiren geübt sein mussten. 131 Wer diese näher kennen zu lernen wünscht, der wird in Wolfs Einleitung zu seiner Ausgabe dieses Platonischen Dialogs volle Befriedigung finden. 132 Eine Art von weiblichem Staatsgewand. Besonders wurde die grosse prächtig gestickte Tapezerei so genannt, welche alle 5 Jahre an den grossen Panatenäen (einem Feste der Schutzgöttin von Aten) in einem feierlichen Aufzuge aus dem Pompeion nach dem Tempel der Minerva geführt und daselbst aufgehangen wurde. S. Voyage du jeune Anacharsis Vol. 2. pag. 491. W. 133 Der ungerechte Vortrag, der in den Wolken des Aristophanes als Streitahn auftritt. 134 Ευρυπροκτως ist ein schmähliches Beiwort, womit Aristophanes in seinen Wolken die sämmtlichen Atener beschmitzt, und welches ich unter die unübersetzlichen gezählt hätte, wenn die Lexikographen in diesem Stücke die Maxime der Cyniker, naturalia non sunt turpia, nicht so weit ausdehnten, dass sogar der berühmte Professor Schneider in Frankfurt kein Bedenken getragen hat, es in seinem trefflichen Griechisch-deutschen Wörterbuch mit der möglichsten Treue und Energie durch das neugestempelte Wort Weitarsch in unsre (ihrer Züchtigkeit wegen mit Recht gepriesene) Sprache einzuführen. W.

Voss hat, wie billig, da er einmal den Aristophanes übersetzte, keine Ansprüche darauf gemacht, züchtiger zu sein als der Lexikograph undder Dichter. Wieland selbst bei Uebersetzung dieser Stelle sagt: "Billige Leser werden, ohne mein Erinnern, von selbst einsehen, dass hier keine Möglichkeit war, das, was nun doch einmal gesagt werden musste, auf eine anständigere Art zu sagen. Die gute Dame Dacier befand sich bei dieser Stelle, wie man denken kann, in einer schrecklichen Verlegenheit, und ihre beinahe schwärmerische Liebhaberei für dieses Stück lässt mich nicht zweifeln, dass sie sich nicht ohne einen harten Kampf endlich entschlossen habe, sich so schwer