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Ohne diese Weisheitsregel verliert man das Meiste; man hat nicht Zeit, die reiche Ausbeute unterzubringen. Anstrengung des Glaubens, Imaginationserhitzung, können Seelenappetit erregen (so gibt's Dinge, die Liebesappetit machen); diess Machwerk indess, ist es für die Dauer? – Personen, die nicht schreiben können, helfen sich zwar mit drei ††† aus; denkende Menschen indess missbrauchen den Orden nicht, um ungesäet zu ernten. – Mit einem Paar scharfsinniger Ideen, mit viel Phantasie, mit excentrischen Entwürfen, – man rechne immer guten Willen dazulehrt man die Welt nicht um; – doch wirken Männer von Verstand und Willen auf Zeitgenossen und Nachwelt allmählich. Sucht man nicht oft Geld und findet Porcellan? Auch gut. Wenn nicht militärische oder klösterliche Disciplin (beide sind Kinder eines Vaters) eingeschlagen wich, ist's möglich, bei einem grossen Haufen und auf einerlei Weise, Gutes zu bewirken und zu erhalten? Die Welt fing mit Einem Paar an. – Es gab nur zwölf Jünger. – Kluge, einsichtsvolle Männer, gekitzelt von der idee, sich mit etwas Höherem, als andere Menschen, abzugeben, können wohl Porcellan finden, wenn sie Gold suchen: – aber

Die sechste Vorbereitung.

Was hilft die kultur des Verstandes, wenn der Wille nachbleibt? – Was hilft's dem Menschen, wenn er mit seinem verstand die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Es gibt zwei Pforten zum Willen. Eine hoch und breit für viele, die andere schmal und enge, und nur wenige gehen hier ein zu ihres Herzens Freude. Geboren mit dem Triebe nach Glückseligkeit (nach frischer Seelenlust), wird der Mensch dennoch nur, durch achtung fürs Gesetz, zur Moralität und Tugend bestimmt. Da nicht in äusserlichen Verhältnissen, sondern im inneren Zustande das Wesen der Glückseligkeit liegt, könnte man nicht beide Verfahrungsarten des Willens vereinigen? – kann man nicht unglücklich werden. – Niemand steigt durch Laster, niemand fällt durch Tugend. – Der Maurerorden verbindet den Stoiker mit dem Epikuräer, er versucht Menschen von verschiedener Art und Stand, Zungen und Sprachen, Selten und andern Unterschieden durch G e s e t z unter Einen Hut zu bringen. Diess wirkt zur Freiheit und Gleichheit, ohne dass man Stände aufhebt. Man zeigt nur, Gleichheit und Freiheit könne mit Gehorsam und mit Ordnung bestehen. Man gehorcht dem M e i s t e r , nicht weil er an Geburt, Verdienst und selbst Verstand der erste ist, sondern weil er in den Logen oben an steht: nicht seiner Wohlredenheit, sondern seinem Hammer; nicht einem Kleide von G o l d und A z u r , sondern dem Meisterbrustschilde. – Es kann unter gleichen Menschen eine Subordination und ohne Aufhebung der Stände Gleichheit in der Welt sein! – und wo drei, sieben, neun und zehn kluge Männer zusammen sind im Namen der Tugend und Redlichkeit, kann man da nicht den Winkeltyranneien (ärger als die öffentlichen) entgegenarbeiten? – Nicht durch Riesenoperation, sondern durch Vorstellungen; – nicht durch Trommetenhall, sondern durch Sanftmut. – Einer richtet hier n i c h t s aus, eine kleine Zahl a l l e s . – Jene Lebensart, wodurch der Hohe sich herablässt und der Niedere erhoben wird, jene Vereinigung der Gelehrten von Profession mit den Geschäftsleuten, der Studirstube mit dem gemeinen LebenDochwarum Vorgriffe? Wer ins zu Grosse arbeitet, vergisst und verlernt sich oft selbst. Allgemeine Aufklärung und ein mit ihr wiederkehrendes goldenes Zeitalter, ist selbst an sich nicht leicht denkbar, weil es ohne Contrast weder Grösse noch Tugend, noch Vollkommenheit für uns gibt.

Die siebente, oder die Gold- und

Porcellan-Vorbereitung,

wie Johannes es nannte, war sublimsie hatte ein Offenbarung-Johannissiegel, das ich nicht brechen mag. Der Vorbereiter sagte von Amtswegen, dass der Orden, oder einige Auserwählte, nach ihrer Angabe, Naturrätsel zu lösen wüssten. Gut für die, so es wissen, übel für jene, die es nicht wissen, für jene, die sogar keinen Strahl von Hoffnung fassen können, es je in dieser Welt zu erfahren. Die Kunst ist klein, mit höheren Wesen umzugehen, welche Appetit haben und unser Essen und Trinken sich wohl schmecken lassen, mit Geistern, die sich in unsere Mädchen, unsere Frauen, Töchter oder Schwestern verlieben. Aber mit Schatten der Verstorbenen, mit Geistern Gedanken wechseln, die uns von der künftigen Welt, von unsern künftigen Schicksalen diesseits und jenseits des Grabes unterrichten, dieder Vorbereiter bezu haben, so weit zu kommen, indess beschied er sich über Dinge zu urteilen, die über ihm waren. Dass zwischen einem rêve d'un homme de bien und Taschenspielerkünften, einem Hokuspokus von Augenblendwerk und Schatzgräbereien ein gewaltiger Unterschied ist, wer hat je daran gezweifelt? Ein Genie und ein Heiliger, für sich genommen, sind schon nicht Charaktere für jedermann. Ist aber ein Heiliger ein Genie, oder ein Genie ein Heiliger, dann sei uns Gott gnädig! – H e r r und M e n s c h ist im Deutschen geschimpft und geehrt; – Genie und Heiliger desselben gleichen. – Was man sagt, ist zwar gesagt, doch bei weitem noch nicht getan. Eine Kreuzspinne heissts, soll zum Juwel werden, wenn sie hundert Jahre unangerührt bleibt: – ich füttere dergleichen Spinnen nicht, und schwerlich wird eine Leihbaul gegen dieses Spinnen-Unterpfand Geld borgen