taten, wiewohl er sehr gut wusste, warum sie es taten. "So verfuhr Herodes bei dem tod seiner Gemahlin, seines Sohnes und seines Lieblings Pollux. Als er es bei diesem tat, kam Demonax zu ihm, und sagte, er bringe ihm einen Brief von Pollux. Herodes, erfreut, dass auch dieser Philosoph seiner leidenschaft schmeicheln wolle, fragte: was verlangt Pollux? Er beklagt sich über dich, antwortete Demonax, dass du ihm nicht schon gefolgt bist." 23 Kalanus, den die Griechischen und Römischen Geschichtschreiber einen Indischen Philosophen nennen, bekam in seinem 73sten Jahre Unfälle von harter Krankheit, und bat Alexandern, ihm einen Scheiterhaufen errichten und, wenn er ihn bestiegen, anzünden zu lassen. Da Alexanders Vorstellungen fruchtlos waren, so ward seine Bitte erfüllt. Diodor sagt, dass von der zuschauenden Menge Einige ihn der Raserei oder seltsamer Ehrsucht beschuldigt. Andere aber seine Todesverachtung und Standhaftigkeit bewundert hätten. 24 Cirkelbriefe, litterae communicatoriae, waren bei den ersten christlichen Gemeinen sehr üblich, die sich dadurch alle wichtigen Vorfälle schneller mitteilten, das ein Brief an die nächste Gemeine abging, die ihn wieder an die nächste sendete, und so fort.
Antworten und Gegenfragen.
25 Im sechzehnten Jahrhundert entstand die Secte der Anabaptisten oder Wiedertäufer, zu deren besonderen Glaubenslehren auch die von Errichtung eines neuen weltlichen Staates durch Christus gehörte. Eine Partei, aus Holland kommend, den Schneider Johann Bokold, gewöhnlich Johann von Leiden genannt, an der Spitze, hatte die Stadt Münster in Westphalen zu dem neuen Jerusalem ausersehen. Sie bemächtigte sich derselben, setzte den Magistrat ab, ernannte Johann von Leiden zum König, und dieser Knipperdollingen zum Vicekönig. Im Jahr 1556 aber wurde, nach einer langen Belagerung, Münster von Franz, Grafen von Waldeck, eingenommen, und der König, so wie sein Stattalter, wurden mit glühenden Zangen gemartert und dann hingerichtet. 26 Mihi, cum multa eximia divinaque videntur Atenae tuae peperisse, atque in vitam hominum attulisse, tum nihil melius illis Mysteriis, quibus ex agresti, immanique vita execulti ad humanitatem et mitigati sumus, initiaque, ut appellantur, ita re vera principia vitae cognovimus, neque solum cum laetitia vivendi rationem accepimus, sed etiam cum spe meliore moriendi. Cicero de Leg. II. 14. W. 27 Was der eben angeführte grosse Römer irgendwo von dem Glauben der Unsterblichkeit sagt: "Nescio quomodo inhaeret in mantibus quasi saeculorum quoddam augurium futurorum, idque in maximis ingeniis altissimisque animis et existit maxime et apparet facillime," lässt sich um so richtiger von der Religion überhaupt sagen, weil jener Glauben so wenig ohne Religion, als Religion ohne jenen Glauben bestehen kann. W. 28 Ich verstehe unter denken nicht, mit Abstractionen spielen: denn in dieser letzteren Bedeutung des Wortes lässt sich freilich alles denken. W. 29 Die Saturnalien waren zum Andenken der goldnen Zeit eingesetzt, deren, einer uralten Sage zufolge, die Bewohner Italiens unter der Regierung des Saturnus genossen hatten. Die vornehmste Absicht bei diesem Feste war, die natürliche Gleichheit darzustellen, welche in diesen zeiten unter Menschen statt: fand, die von Unterdrückung und Knechtschaft noch keinen Begriff hatten. Daher war an den Saturnalien die Gewalt der Herren über ihre Knechte suspendirt; sie speis'ten zusammen an Einem Tische, und die Sklaven hatten die Freiheit, so viele Sottisen zu sagen und zu tun als ihnen beliebte. Dieser beinahe grausame Spass dauerte in den zeiten der Freiheit Roms nur Einen Tag, welcher nach dem Festkalender des Königs Numa der siebzehnte December war. Julius Cäsar vermehrte das Saturnusfest um zwei Tage, Augustus fügte den vierten, und Caligula den fünften hinzu. – Die Saturnalien dehnten sich in dem verhältnis aus, wie die Freiheit ab- und die willkürliche Gewalt zunahm; welches (wie man sieht) sehr natürlich war. So geriet vor einigen Jahrhunderten das Christentum in immer grösseren Verfall, je mehr Heilige kanonisirt und Festtage angeordnet wurden. W. 30 Peter Canisius, Hofprediger des Kaisers Ferdinand I., war der erste Teutsche, der in den Jesuitenorden trat, zur Ausbreitung desselben in Teutschland viel beitrug, und bald Provincial daselbst wurde. Um den ketzerischen Katechismen entgegenzuwirken, arbeitete er im Auftrag des Kaisers einen lateinischen Katechismus aus, der von Ignaz Loyola gebilligt und in den schulen der kaiserlichen Staaten eingeführt wurde, ungeachtet der Papst diess für einen Eingriff in die geistlichen Rechte erklärte. (Petr. Canisii summa doctrinae et institutionis christianae sive catechismus major. 1554.) "Er entielt, sagt Stäudlin, die katolische Lehre in grosser klarheit und Bestimmteit, aber der Jesuitische Geist blickt sehr deutlich hervor. Es ist darin viel Moral und Casuistik." Ein Auszug daraus sind die Institutiones christianae pietatis seu parvus catechismus catolicorum, wahrscheinlich ben. Dieser wurde für die katolische Kirche eben das, was Luters kleiner Katechismus für die evangelische. 31 Melanges tirés d'une grande Biblioteque, Mm. p. 513. 32 Am Schlusse des ersten Gesanges von Pope's Essay on Man. "Trotz irrender Vernunft ist Eine Wahrheit klar: was irgend ist, ist recht."