Sortiment von elenden Ärzten spediert, dass seit dieser Zeit die Sterblichkeit in Deutschland bei weitem nicht so gross gewesen als vorher. Dem sei, wie ihm wolle! ich tat das Meinige, nahm jene beiden Männer auf dringende Empfehlung einer ganzen Fakultät an und suchte auf der Reise, durch gespräche mit ihnen (insofern ein Laie dazu imstande ist), mich von ihren Talenten und Kenntnissen zu überzeugen. Jetzt indessen fand sich auf einmal eine gelegenheit, wo sie ihre Geschicklichkeit praktisch zeigen konnten.
Wir wurden nämlich in Wien zu so viel herrlichen Gastereien eingeladen und dann mit einer solchen Menge von nahrhaften speisen versehen, dass Manims, des geheimen Sekretärs, afrikanische Konstitution dies Übermass des Guten nicht zu ertragen vermochte; wenigstens schoben wir nachher die Schuld auf die in Wien geführte Lebensart, als er in Prag von einem heftigen Fieber befallen wurde, das anfangs die wirkung aller Arzneimittel, welche ihm unsre Ärzte reichten, vereitelte. Endlich wurde er hergestellt, und dies gab mir, da ich meinen Freund schon für verloren gehalten hatte, in der Tat sehr grosse Begriffe von der Geschicklichkeit der beiden Äskulapen. Soban, der ein Erzspötter war, dachte ganz anders darüber. Er hatte schon vorher seinen Hohn über die unter Ärzten übliche Terminologie gehabt. Er fand es lächerlich, dass sie etwas mit dem Namen der ersten Wege belegten, was, seiner Meinung nach, offenbar die letzten Wege wären, und dass sie von zwölf ausserordentlichen Dingen redeten, um die allernatürlichsten Dinge von der Welt auszudrücken. Als aber der gute Manim hergestellt wurde, da erzählte Soban noch, auf Unkosten der beiden Ärzte, ein Märchen, dem ich aber keinen Glauben beimessen mochte. Er behauptete nämlich, er hätte zu Anfange der Krankheit einmal die beiden Herren belauscht, als sie sich, beinahe bis zum Schlagen, über den Sitz des Übels gezankt hätten. Der eine hätte behauptet, es stecke in der Leber, der andre, in der Lunge. Nun hätten sie gegenseitig gedroht, einander als Ignoranten der Welt bekannt zu machen, endlich aber, um die Hoffnung auf die schönen Pensionen in Abyssinien nicht zu verlieren, sich dahin verglichen, dass sie den Kranken auf ein Magenfieber, folglich auf eine Krankheit, von der sie beide glaubten, dass er sie nicht hätte, kurieren wollten – und siehe da! das Glück habe ihre Unwissenheit begünstigt und Manim sei gerettet worden.
Noch einmal! ich hielt dies für einen mutwilligen Scherz, glaubte dankbar an die Geschicklichkeit der beiden Ärzte, und als im nächsten Frühjahre der zweite Transport von Gelehrten und Künstlern abging, schickte ich sie nebst den Malern, Bildhauern, Baumeistern, einem Apoteker, zwei Wundärzten, noch einigen Tonkünstlern und verschiednen Fabrikanten und Manufakturisten nach Italien, woselbst sie eingeschifft wurden, glücklich nach Kairo und von da zu land weiter nach Abyssinien kamen.
Das Heer der Mönche, die wir in den katolischen Gegenden, durch welche wir reiseten, antrafen, fiel unsern Abyssiniern sehr auf. Sie wünschten alle, man möchte diese völlig unnütze Menschenklasse gänzlich aussterben lassen. Ich konnte nicht anders als diesen Wunsch billigen, nur fügte ich die Bemerkung hinzu, es möchte, wenn es einmal dahin kommen sollte, die unnützen Stände ganz oder zum teil aufzuheben, doch auch die Reihe solche treffen, die wenigstens ebenso unnütz und vielleicht viel schädlicher wären, und da dachte ich denn freilich, obgleich ich selbst einst Sachwalter gewesen war, an das ungeheure Heer der Advokaten und an manche andre Menschenklassen, die ihren Unterhalt von den Torheiten und Verderbnissen der Leute ziehen.
Die Menge religiöser Gebräuche und der zum teil geschmacklose, kleinliche Prunk, welcher in den katolischen Kirchen herrscht, war gleichfalls ein Stein des Anstosses für meine Reisegefährten, die an keinen andern Gottesdienst als an kurze feierliche Gebete gewöhnt waren. Nicht besser aber waren sie von den protestantischen Kirchengebräuchen zufrieden. "Etwas für die Sinne muss jedoch der äussere Gottesdienst haben", sagte Manim, "eben weil es äusserer Gottesdienst ist und die Menschen sinnlich, durch sinnliche Mittel zu rühren sind und für höhere Eindrücke empfänglicher gemacht werden. Eine blosse Verstandesreligion, bei welcher gar nicht auf das Gefühl Rücksicht genommen wäre, würde daher aller äussern Feierlichkeiten entbehren können. Sollen aber gottesdienstliche Gebräuche stattfinden, zu welchen sich Menschen aus allen Volksklassen versammeln, so müssen diese Gebräuche nicht kindisch, aber auch nicht langweilig sein. Eine Predigt, das heisst eine Rede über irgendeinen religiösen Gegenstand, ist eine gute Sache; aber sie kann nicht als ein gottesdienstlicher Gebrauch angesehen werden und wirkt nur bei denen, welche, ihrer Gemütsstimmung nach, grade zu der Zeit an dem verhandelten gegenstand teilnehmen können, und nur bei denen, welchen der Vortrag gut und geschmackvoll vorkömmt, also bei einer sehr kleinen Anzahl von Zuhörern, einige Rührung; wirkt durch den Verstand auf das Herz, statt dass das Wesen des äussern Gottesdienstes gewiss darin bestehn soll, durch das Gefühl, durch das Herz, durch die Sinne auf den Verstand, auf den Willen zu wirken. Sollte nun aber ein kalter Räsoneur oder sogenannter Philosoph alle äussern sinnlichen Mittel, nämlich Feierlichkeit, einfache Pracht, Zauber der Musik, der Baukunst und der Malerei für unwürdige Mittel halten, das Herz zur Gottesverehrung zu stimmen, so wird er doch zugeben müssen, dass es noch viel unverständiger und unwürdiger sei, Eindrücke von ganz entgegengesetzter Art zu bewirken und solche gottesdienstliche Gebräuche einzuführen, die jeden Mann von edelm Geschmack, von feinem Gefühle und von gesunder Vernunft empören, ihm Langeweile machen und dem höchsten