physikalische und alle dahin einschlagende Wissenschaften werden täglich durch neue Entdeckungen bereichert und werden am besten aus den ältern und neuern Schriften, verbunden mit eignen Versuchen, erlernt. Es bliebe also noch die Arzeneikunst übrig, von der nachher geredet werden soll.
Was nun die Universitäten betrifft, so lehrt uns die Erfahrung, dass dort die Jünglinge mit einer Menge unnützer Dinge geplagt werden, die sie nachher wieder vergessen müssen; dass der dort herrschende Systemgeist, Schlendrian, Autoritätszwang, Pedantismus und dergleichen manchen guten Kopf verschraubt und vom Selbstdenken ableitet.
Es fehlt aber darum dem jungen Gelehrten bei uns nicht an gelegenheit, sich in seinem Fache zu vervollkommnen. Männer, die in einer Wissenschaft gross sind, pflegen Freude daran zu finden, von dem zu reden, womit sie sich immer und gern beschäftigen, pflegen mit Vergnügen ihre Kenntnisse mitzuteilen. Ein junger Mensch also, dem es ein Ernst ist, mehr zu lernen und dies gründlich zu lernen, wird leicht einen Gelehrten bereit finden, ihn als Schüler, vielleicht auch als Kostgänger, auf gewisse Jahre anzunehmen. Er wird dann gewiss von einem solchen praktischen Gelehrten, mit geringerm Aufwande, in kürzerer Zeit weiter geführt werden, als ihn auf einer Universität die Stubengelehrten mit ihren unnützen Spitzfindigkeiten und ihrem kritisch-historischen Wortkrame leiten können. Jener wird dies alles linker Hand liegenlassen und dem Schüler überlassen, einst, wenn er erst in dem Wesentlichen seines Faches fest ist, durch Lektüre sich auch damit bekannt zu machen und ihn indes immer auf die einfachen Grundsätze und das Praktische der gewählten Wissenschaft lenken.
Dies ist besonders von der Arzneikunst wahr, und ein geschickter Arzt und Wundarzt, welcher seinen Zögling mit zu seinen Kranken führt und ihm dann, bei den wirklichen Fällen, die natur dieser und der damit verwandten Krankheiten und die wirkung der Arzneimittel erklärt, ihm auch darneben zu haus einigen teoretischen Unterricht gibt und ihm die besten Bücher empfiehlt, wird einen geschicktern Mann aus ihm bilden als die Universität.
Durch Schriftstellerei kann unendlich viel Gutes bewirkt werden; wir ehren also diejenigen Männer unter uns, die durch ihre literarischen Produkte, welche nützliche, der menschlichen und bürgerlichen Gesellschaft interessante Gegenstände behandeln, auf ihre Zeitalter vorteilhaft gewirkt oder grosse, bis jetzt versteckt oder verdunkelt gewesene Wahrheiten in Kurs gebracht und in ein helleres Licht gesetzt haben. Wir ehren sie, aber wir verderben sie nicht durch Schmeichelei, durch übertriebne Lobeserhebungen und setzen nicht den Mann, welchen die natur mit hinreissender Beredsamkeit, lebhafter Einbildungskraft und einem hellen Blicke ausgerüstet hat, so dass er Sätze, die in manches Biedermanns kopf und Herzen ruhen, klar, lichtvoll und rührend vorträgt, diesen setzen wir nicht in unsrer achtung weit über den hinaus, der ein langes Menschenleben hindurch in der Stille und unbemerkt, ohne Bücher geschrieben zu haben, immer gleich edel, verständig, konsequent und fest gehandelt und durch Rat, Tat und Beispiel viel Gutes um sich her verbreitet hat. Endlich, da wir allen Prunk, alle Spielerei hassen und uns der Gedanke empört, dass man wahre Tugend und wahres Verdienst belohnen und krönen könne, so ist bei uns an keine Preise für literarische Verdienste und an keine Bildsäulen und dergleichen Torheiten zu denken. Unsre Jünglinge ermuntern wir durch Preise, sich in körperlichen Übungen geschickt zu machen, aber Tugend und Weisheit lassen sich nicht taxieren noch bezahlen. Das mittelmässige Genie wird dadurch nicht gross, und das erhabene bedarf solcher Ermunterungen nicht, sondern arbeitet sich sogar durch Schwierigkeiten und Hindernisse empor.
Über die Grenzen der Pressfreiheit und Publizität ist im vorhergehenden schon genug gesagt worden.
Dem Buchhandel gestattet die Regierung alle mögliche Freiheit; allein aus Ursachen, die hier zu weitläuftig zu entwickeln wären, kann sie den Nachdruck nicht durch ein bestimmtes Gesetz verbieten. Sie hält ihn für eine moralische Untat und alle Nachdrucker für Schelme; als bürgerliche Verbrecher aber kann sie diese Schleichhändler nicht betrachten.
Eine vernünftige Kritik stiftet gewiss für die Gelehrsamkeit grossen Nutzen und eine unvernünftige richtet gar keinen Schaden an. Da nun überhaupt jedermann freisteht, über alles seine Meinung zu sagen, so muss es auch jedem erlaubt sein, fremde, öffentlich gedruckte Geistesprodukte öffentlich zu beurteilen. Freilich wäre zu wünschen, dass dies immer in einem bescheidnen, höflichen Tone geschähe; allein auch das lässt sich nicht von Obrigkeits wegen befehlen. dafür aber sorgt die Polizei, dass erstlich keine Kritik oder Rezension erscheinen dürfe, ohne dass der Beurteiler seinen Namen nenne, und zweitens, dass in diese Kritiken auf keine Weise der geringste Angriff auf den persönlichen Charakter eines Schriftstellers mit eingemischt werde. Beides wird, wenn es auskömmt, strenge bestraft.
Wir wünschten, dass die Herren Gelehrten das Publikum mit ihren oft in Grobheit ausartenden, für den dritten Mann sehr uninteressanten Streitigkeiten verschonen möchten. Jedoch lässt sich auch das durch kein Gesetz bewirken; die Regierung wird aber bei Unterstützung und Versorgung der Gelehrten vorzüglich auf diejenigen Rücksicht nehmen, die sich zugleich als bescheidene, sanftmütige und weltkluge Männer bekannt gemacht haben.
Die schönen Künste verfeinern den Geschmack, mildern die Sitten, rühren das Herz, machen es zum Wohlwollen geneigt und stimmen es zu allerlei sanften und edlen Empfindungen; allein die Freuden, welche sie gewähren, müssen keusch und vorsichtig genossen werden. Ihr Missbrauch macht weich, weibisch, wollüstig, erhitzt die Phantasie, bringt die Sinnlichkeit in Aufruhr und lenkt von ernstafter Anstrengung ab. Deswegen nun machen wir es nicht eben zu einer Staatsangelegenheit, den Flor der schönen Künste tätig zu befördern, sondern überlassen dies der Zeit und der zunehmenden Kultur.