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reinste Bewusstsein.

Wenn es sich zu den ersten Formen bildet, entsteht das abgezogenste Denken. Das Wesen berührt sich und wird verständig, indem es Verständliches zu sich nimmt; und kann nichts anders als sich selbst denken, wie Aristoteles tiefsinnig sagt. Denken überhaupt ist Verwandlung des Wesens in Formen; und Wesen muss alles selbst werden, was es denkt.

Wenn Wesen sich zu Idealen formt, entsteht Phantasie.

Wenn es die Ideale in sich und die Formen ausser sich befestigt, Gedächtnis. Sonnen und Planeten und Kometen sind nichts anders in der grossen Welt: Formen in Bewegung, Denkmale von Leben.

Alle Gefühle, alle Arten von Leidenschaften, Schmerzen und Vergnügen sind nur verschiedne Formen in dem Wesen.

Ohne diesen fruchtbarsten aller Grundsätze von reinem Wesen und Form, ohne Kontinuum, das alle mögliche Formen wird, scheint die ganze Welt, aller Zusammenhang, Erhalten, Wachsen, Zeugen, Vergehen, der Mensch, sein Denken und Empfinden, sein Dichten und Trachten, kurz, alle Art Verwandlung völlig unerklärlich.

Die Vollkommenheit des Weltalls besteht in allen möglichen Arten von Formen.

Alle Geschöpfe sind bloss Gedanken Gottes und des höchsten Vergnügens in ihrem Masse fähig.

Gott dachte: 'Es werde Licht!' und es ward Licht.

Dass Gott demnach als Griechen gegen sich, die Trojaner, streitet; als Paris sich, die schöne Helena, verführt; Stier, und Hund und Zwiefel, und das Verächtlichste, nach unsern Begriffen, wird, sich selbst isst und verdaut, darf uns wenig kümmern; denn dieses folgt wohl aus den meisten eingeführten Systemen. Die alten Ägyptier verehrten vielleicht Gott erhabner, als der heutigen Menschen Verstand reicht; und wir sind gegen sie, was unsre Häuslein gegen ihre Obelisken und Pyramiden. Gott ist unendlich Eins, und in jedem Punkt Eins, und Eins in jedem angenommnen Masse, das dann Verhältnis in Bewegung und Verbindung nach seiner Realität und Form zueinander hat.

Wie er unendlich wirkt und ist, allgegenwärtig, erhaltend und über seine Schöpfung erhaben, was weiss der Mensch! das geht nicht in uns, wie er ein Ganzes sei nichts ausser ihm; solche Gewalt und Schönheit ist der verschwindenden Kleinheit allzu unermesslich. Wir erliegen und können nur anbeten, bewundern und erstaunen.

Aber den Grund und die Wahrheit von allem andern Lebendigen haben wir in uns, wovon die Sinnen nur die Oberflächen oder einzelne Äusserungen empfinden; oder das Wesen hat die Regeln von allem in sich, wie es Verschiednes wird und ist.

Wesen, als das erste, ohne Form, und Form in Bewegung, gedacht, ist weder Verstand noch Körper; beide können nicht ohne Form bestehen, handeln nicht, sondern sind Handlung, Wesen in Form, und Wesen an und für sich in beiden gleich. Jedes kann die Folge von dem andern in dem Wesen sein, wie ein Gedanke von dem andern; denn beides, Gedanke und Körper, samt dessen Bewegung ist von demselben Wesen Tat. Wesen vollendet ein zusammengesetztes Ganzes in Folgen von Handlungen, eine Salaminische Schlacht, einen Olympischen Jupiter, wie Geschöpfe. Sein Bewusstsein, das auf einmal alle Folgen fasst, gibt die Einheit.

Dass Gott unendlichen Verstand habe und unendliche Welten ausmache, scheint ein Widerspruch; denn alle Form ist Schranke. Gewiss dünkt mir schon, dass ich, und so jeder andre Mensch, und jedes andre lebendige geschöpf nicht immer lauter Wesen in Form sei. Die Freiheit, etwas anzufangen, Ursache von einer wirkung zu sein und nicht zu sein, sich von der Stelle zu bewegen oder nicht zu bewegen, Form anzunehmen und nicht anzunehmen, welche nicht kann geleugnet werden, wenn nicht alles von einem grundlosen Schicksale gepeitscht handeln soll, erfordert ein reines Wesen ohne Form, einen Mittelpunkt der Sammlung.

Und dies ist das Heilige (welches einige Alten für Feuer, Ursprung der Lebenswärme hielten, weil Feuer wäre: Wesen in seine grösste Freiheit verbreitet), wovon alles in jedem lebendigen Eins ausgeht, sinnlich wird und erscheint und in dessen Liebesschoss sich alles wieder einsenkt; vor dessen Sein und wunderbarer Allmacht, Despotismus und allertiefstem Gehorsam jede Philosophie verstummt, nur erkennt: es ist, und ihm seine Art zu handeln ablauert.

Manches in der erhabnen Beschreibung des Aristoteles von Gott scheint hierauf zu passen.

Dies ist das unbegreiflich Göttliche, was in allem lebendigen Einzeln verdaut und Körper wieder zu reinem Wesen auflöst, sich selbst und dieses wieder nach Form seines gegenwärtigen Eins verwandelt, neue derselben Art erzeugt und auf deren immer grössere Vollkommenheit und mehrere Freuden denkt.

Wenn Eins Alles ist, so ist jede Form desselben ursprünglich freie Handlung; denn es lässt sich kein Grund denken als seine Lust, warum es aus sich so mancherlei wird. Und Allgenuss seiner Kraft ist die höchste Freiheit.

Das Wesen hat also die Welt nach seiner Lust aus sich erschaffen und in mannigfaltige, für uns unendliche Formen geordnet. Wie, und ob auf einmal oder nacheinander, können wir nicht ergründen. Soviel wissen wir, dass sich die Schöpfung durch immerwährende Erneuerung immerfort erhält. Genug; die erste Form muss einen Anfang gehabt haben, weil keine notwendig und ewig ist. Unendliches lässt sich nur von einem Wesen denken, und der Verstand kann nur in einem seine Ruhe finden.28

Durch Wirken und Gegenwirken ist das All in schönem Leben. Das Wesen äussert immer seine Kraft, so wie immer die Sterne leuchten und umeinander durch die Himmel schweben. Auch wenn wir schlafen, bewegen wir unsern Erdball um seine Sonne.