Besondre. Ohne Arbeit und Mut wird dem Menschen nichts Grosses verliehen. Wer weiss, wie viele Jahrhunderte noch dazu gehören, ehe wir in Erkenntnis der natur so weit gelangen, als unser Verstand reicht, und das höchste Ziel berühren! Viele verzweifeln daran, nur etwas Wahres zu finden, und wollen immer im Finstern herumtappen; aber es kommen Augenblicke, wo sie erschrecken, ein blosses Nichts zu sein, ohne sich mit der natur zusammen zu denken. Harmonie mit dem Weltall ist das höchste Gut! und welcher gute Kopf will sein Lebelang zu dem Gesindel gehören, das die Wetterfahne aller Meinungen ist? Jeder muss hier endlich so weit, als er kann; und es hilft da kein Sträuben. Unsre Bestimmung, wenn wir eine haben sollen, kann keine andre sein, als die verschiednen Naturen des Weltalls in der Zusammensetzung zu fassen, woraus wir bestehen. Der Mensch selbst ist gleichsam eine herumwandelnde Metaphysik; wer wollte sich nicht damit beschäftigen? Sie ist die erste und höchste aller Wissenschaften.
Wenn wahr ist, wie es denn allen Schein der Wahrheit an sich trägt, was Alkibiades vom Sokrates in Platons Gastmahl erzählt, so hat auch hierin der, den das Orakel (vielleicht hauptsächlich deswegen, was Ihr eben aus den Denkwürdigkeiten von ihm angeführt habt!) zum Weisesten erklärte, doch auch hierin seine Schuldigkeit beobachtet. Er stand einst im freien feld vom Morgen an, den ganzen Tag über und die Nacht durch, unbeweglich auf einem Fleck in dem allertiefsten Nachdenken versunken und verloren: und betete die Sonne an, als ihre reine volle Feuersphäre über die östlichen Gipfel Strahlen des Lebens wehte.
In den geringsten Wissenschaften und Künsten herrschen verschiedne Meinungen; und es ist natürlich, dass in der höchsten die mehrsten herrschen, weil alle zum steilen Gipfel wollen und nur äusserst wenige dazu genug Atem in der Brust, Stärke in den Knochen und ausdauernden Mut und Verstand gegen alle die Gefahren haben, die in den halsbrechenden Pfaden auf sie lauern.
Nutzen? Soll man denn alles des Mauls und Magens wegen tun? und macht Erkenntnis der Wahrheit nicht schon an und für sich glückselig? ist sie nicht die höchste Glückseligkeit? Gehört das Vergnügen, die Freude nicht zu Nutzen?
Freilich muss jeder den Weg endlich selbst machen. Es muss erst einer wissen, wo der Ätna liegt, eh er hinauf will. Und dann ist für uns die Reise durch die Scylla und Charybdis die kürzeste, und durchaus zu Pferd ist nicht möglich. Oder: man muss ungefähr so weit sein, als sie selbst waren, ehe man die Systeme grosser Philosophen vollkommen versteht; und ferner sie nicht auf den ersten Seiten vollkommen begreifen wollen; man muss sie erst ganz kennen, ehe man nur etwas von ihnen in allem seinen Verhältnis einsieht.
Das System des Aristoteles liegt, es ist wahr, noch zum teil da im Chaos; aber binnen zweitausend Jahren hat sich kein bessrer Architekt gezeigt. Er trug allen philosophischen Reichtum jener glücklichen zeiten zusammen und brütete darüber wie ein Gott. Seine physischen und metaphysischen Werke sind ein langwieriges Studium, und es lässt sich in einem gespräche davon kein Auszug machen. Ihr müsst sie selbst lesen; und es wird Euch Lust sein, zu sehen, wie er die natur herumarbeitet und bis auf ihre kleinsten Bestandteile zergliedert, wenn Ihr auch nur den Tiefsinn des Menschen an ihm bewundern solltet.
Für jetzt nur noch einige Rhapsodien nach ihm und gegen ihn, und Launen und Einfälle. Stellt Euch das Universum wie eine Laute vor, worauf ich Euch nach augenblicklicher Lust und Liebe vorphantasiere. O nichts ist reizender und lockender dazu! es ist der schönste Gegenstand meiner Poesie in der Einsamkeit. O es macht mich glücklich, und mich überläuft wieder zuweilen ein menschlicher Schauder, wenn ich bedenke, was ich vielleicht schon war und ferner sein werde! was ich jetzt bin und den folgenden Morgen, die folgende Stunde schon vom neuen anfange zu sein. übrigens geniess ich jeden Moment der Spanne meines gegenwärtigen Lebens, so gut ich kann, und ergebe mich Kleinigkeit in die Umwälzungen der ungeheuern massen. –
Was Demetri darauf ferner sagte, davon mehr nur den Inhalt als seine Worte, insoweit ich denselben gefasst habe. Ich blieb bis jetzt noch immer der Meinung des Sokrates, dass auch die beste Metaphysik ein schönes Gebäude sei, welches bloss in der Luft schwebt, und dass man sich nur damit beschäftigen müsse, um sich nichts weismachen zu lassen und seinem Vergnügen in dieser Rücksicht ungestört nachzuhängen.
"Die Sinnen allein zeigen uns," begann er vom neuen,25 "dass etwas ausser uns da ist: Verstand selbst ist die Wurzel der Sinne. Von Sinn und Verstand alle unsre Erkenntnis; und was finden wir da?
In uns gekehrt die wunderbare Sicherheit, dass wir Wirkliches und kein Nichts sind, und allen Grund zu denken und zu handeln. Ausser uns Sonne, Mond und Sterne im unermesslichen Äter, und Luft und Meer und Land voll unzählbarer lebendiger Dinge.
Doch solche Menge Verschiedenheiten entdeckt nur das Auge, unser reichster, aber auch flachster Sinn; wir haben einen andern, der tiefer dringt und zu einfachern kommt: das Gefühl. Kein Tier kann ohne dasselbe, aber ohne die andern Sinnen bestehen.
Und dieser Sinn erkennt?
Warm und Kalt und Feucht und Trocken.
Nichts weiter! denn alles übrige fällt in eins von diesen; daraus besteht die unendliche Mannigfaltigkeit des Weltalls.
Doch werden wir auch mit diesem so mächtig ergreifenden Sinn nur Oberflächen