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sagen, man wäre launig, wenn sich die Seele ohne Spiegel angezogen hat. HERR v. G. Von der Laune auf die beste Welt. Wenn man dem Worte das Menschliche nimmt: könnte man sagen, Gott habe die Welt bei Laune gemacht. – Was will man eigentlich mit der besten Welt? Leibnitz hat keiner Dame den Finger verbrannt, sagten Sie, und ich sage, er selbst hat sich auch nicht die Finger verbrannt. – Ich wünschte von Herzensgrund, die Welt wäre die beste! Zu sehen ist's nicht. VATER. Mit dem sterblichen Auge nicht, wohl aber mit dem unsterblichen. Leibnitz hat mit diesem Gedanken kein Licht anzünden wollen, er hat nur ein schon brennendes geschneutzt, oder höchstens ihm den Räuber genommen. Es brannte dieses Licht im Auditorio, wo vom Ursprünge des Bösen disputirt wurde, und diess Zimmer wollte er helle machen. Mit diesem Schuss musst' er das Ziel erreichen. Die Sache also war da, er wandte sie nur an. Das Kleid war fertig, er setzte nur Knöpfe darauf, und zwar Knöpfe mit Gold besponnen. HERR v. G. Aber konnte Gott nicht machen, was er wollte? VATER. Warum sollt' er aber wollen, das Schlechtere dem Bessern vorziehen? So will kein lieber Gott. Es ist gewiss, dass der liebe Gott in seinem verstand sich Risse von allen möglichen Welten machen könne; denn sonst würde man seine erkenntnis verschränken. HERR v. G. Concedo. VATER. Ergebenster Diener. HERR v. G. Ich kann ja über jedes einzelne Ding poetisch oder schön denken, ich meine, es von der Spreu reinigen, es sichten wie den Weizen, und das muss auch in der Summe angehen. – Ich kann mir vorstellen, wenn der liebe Gott dem Blitz und Donner keine Macht und Gewalt beigelegt, und Blitz und Donner bloss Gottes Feuerwerk wäre, dass ich's mit Wonne sehen würde, über die nichts ist. Ich liebe Blitz und Knall. VATER. Ergebenster Diener. Also kann Welt über Welt gedacht werden. HERR v. G. Aber gelt! Ein Gedanke, wie aus der Pistole. Können nicht zwei gleich gut sein? So wäre nicht die beste, nur eine gleich gute da. – Können sie nicht al pari sein, wie die Kaufleute reden? VATER. Das will sagen, eine so vollkommen als die andere. HERR v. G. Vollkommen! der Henker, Herr Pastor, nein, das will was anders sagen, wenn ich nicht irre. Ich bin nicht so roh, als mir das Haar auf die Stirn gewachsen, ich hab's gehegt; was soll mir eine höhere Stirn, als der liebe Gott wollte? Ich denke aber, vollkommen ist, wenn alles auf eins herausläuft, wenn viele Mannigfaltigkeiten unter Eine Regel sich wenden, diese mag sein, welche sie will, Peter oder Paul. Es ist mir so als ein monarchischer Staat: d a ss s i c h G o t t e r b a r m ; alles zu Einem. Ein Dieb ist, mit der Herren Philosophen erlaubnis, vollkommen; ein Betrug ist mit der Herren Philosophen Bewilligung vollkommen. Es hat mir nie, unter uns gesagt, von den guten Herren gefallen, dass sie so was vollkommen heissen, indessen ist dem nicht also, Herr Pastor? VATER. Im respektiven, nicht aber im absoluten verstand. In diesem letzten Sinne stimmen die Philosophen mit Ihnen. Sie nennen etwas nur vollkommen, in sofern das Mannigfaltige den Grund einer Realität in sich entält. Je grösser diese, je grösser die Vollkommenheit. Wie wollen Sie aber Realität von Realität als Realität unterscheiden? HERR v. G. Wie ich alles unterscheide, durch zehn Dinge, die in jener nicht sind, und in dieser sind. VATER. Schon ein Ding würde den Unterschied machen. HERR v. G. Ganz recht. VATER. In einer Realität setzen Sie Etwas. HERR v. G. Eine Realität ist eine Eins, das Gegenteil eine Null. VATER. Wenn Sie also zwei Welten von einander unterscheiden wollten, müssten Sie in einer etwas annehmen, was in der andern nicht wäre. In dieser wär' eine Null, eine Verneinung; in jener ein Eins. Realitäten unterscheidet man durch den Grad derselben, durch Grösse und Schranken. HERR v. G. Können denn nicht zwei Raritäten, oder Realitätenich wünschte, ich könnte bei der Eins bleibenallein es lässt sich nichtkönnen nicht zwei Realitäten von gleichem Grade in ihrer Beschaffenheit sich von einander unterscheiden? VATER. Nein, denn eben hierdurch würde' in einer etwas sein, was in der andern nicht ist; hier eine Eins, dort eine Null. Da haben Sie den Mangel, den Zaun, die Verneinung, und die probe des Unterschiedes von Seiten des Grades. HERR v. G. Ich verstehe so halb und halb; um es ganz und gar, durch und durch, oder das N e t t o p r o v e n ü zu verstehen, würde' ich ohne Kopfschmerz nicht abkommen. In der besten Welt, der besten Welt wegen Kopfweh, das würde' ich der besten Welt, und die beste Welt es mir übel nehmen, ich könnte schon was drüber reden, schreiben aber nichtdas ist in meiner Sprache, zwar losschiessen, nicht aber gut treffen. Nach