an ihnen selbst sind. Die Menschen müssen nie von Gott reden, ohne dass sie an ihre Pflichten gegen ihre Mitmenschen denken. Gott ist in allem und durch alles. In ihm leben, weben und sind wir. Er, der Originalgeist, der Geist im Ganzen. Die natur ist die Seele.
Von Gott, dem unendlich moralischen Wesen, kommt alles her. Er ist, wie oben gemeldet, die Moral in origine. Die Schöpfung ist ein hingestellter göttlicher Gedanke, ein Buch Gottes! Bei uns sind die Gedanken Wasserblasen; beim lieben Gott eine Welt! – Diess All verkündigt das Dasein Gottes, und es gehört nicht Schulweisheit dazu, sondern bloss menschliches Gefühl, die Macht und Güte Gottes wahrzunehmen: und diess: Er ist, zu verstehen. Würde der Verstand selbst den Kopf schütteln, das Herz spräche doch Ja. Der Gedanke, es ist ein Gott, ist der Anfänger aller bildlichen Poesie! Was schadet es also, ihr Herren Sophisten, dass man Flügel der Morgenröte nimmt, wenn man von Gott spricht!
Alles versteht sich in der natur, und diese Uebereinstimmung, diese Mitwirkung aller moralischen und physikalischen Kräfte, dieses Sichtbaren und Unsichtbaren in der natur, sind die unbescholtensten Zeugen der göttlichen Weisheit. Was schadet die anscheinende Unregelmässigkeit? Ist sie es? Und wenn sie es in meinem Wirkungskreise ist, kann dieser Misslaut nicht ein feiner Triller im Ganzen sein? – Der Pastor redet so von der Harmonie der Sphären, als hätte er diese Geistermusik gelernt, die anders klingt, als das Waldhorn. Ich habe seinem feinen Gehör viel zu danken; nichts lernt man leichter, als hören.
Ich hänge von Gott ab, und dränge mich recht, von ihm abzuhängen. Mein Gefühl überzeugt mich, dass ich als ein Mitwesen in der Reihe der erschaffenen Dinge, und zwar unter ihm stehe. Da darf der Pastor nicht gleich kreischen, er hätte als Monarchenfreund die Schlacht gewonnen! Der liebe Gott lässt einem jeden so seine Freiheit, als man sie nur in Curland haben kann. Ich bleibe in diesem Abhange noch immer ein curischer Edelmann, kann tun und lassen, was ich will; allein da Gott ein lieber, guter Gott ist, so ist mein Gefühl der Abhängigkeit die Mutter der Ehrfurcht, der Liebe für ihn, den Schöpfer, und des Gehorsams für seinen heiligen und allezeit guten Willen und dessen gesetz; diess heisst mit andern Worten, ich kann von Herzen sagen: Abba, mein Vater, dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel! – Ich tue ihn gerne, dein Gesetz hab' ich in meinem Herzen! Gottes Willen gern tun, heisst: Gott dienen!
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Ich schwöre nicht beim Himmel, dass dich der Donner erschlüge! nicht bei der Erde, dass du den Hals brächest! Der Himmel ist Gottes Stuhl, die Erde sein Fussschemel. Ich liebe Gott mit einer besonderen Liebe, über alles und in allem; meinen nächsten liebe ich, wie meine ehrliche Haut.
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So denken hab' ich gelernt. Nicht unmittelbar von Gott, sondern mittelbar von Gottesmenschen, von solchen, die sein Bild an sich tragen, im besonderen Sinn. Diese Gottesverkündiger, getrieben vom heiligen Geist, dürfen nur den Wachsstock in mir anzünden, der schon da ist. Jeder hat seinen fertigen Wachsstock bei sich. Wie er gleich lichterloh brennt!
Wenn ich nicht einmal weiss, wie ich im Mutterleibe zum Menschen geronnen, wie ich Ich geworden, wie kann ich wissen, wie die Welt, wie Himmel und Erde entstanden und zum Stehen und Gehen gebracht sind?
Vom Pastor – in – hab' ich viel gelernt. Es ist zuweilen höchst notwendig, nicht übereinstimmend zu denken. Die Wahrheit hat keinen grösseren Feind und keinen grösseren Freund, als die Uebereinstimmung. Es kommt nur auf Umstände an. Der älteste von den Gottesmenschen, von den Gefühlanzündern, hat uns die Erschaffung der Welt gemalt. Ein schönes Stück! Die neuen Maler sind Klecker gegen ihn. Es hängt vor meinen Augen zum ewigen Andenken das Bild eines Mannes, der ausser göttlicher Kraft viel Menschenkenntniss besass und sein Voll von Grund aus kannte. So wie aber die Maler ihren Namen in einer Schattenstelle gewöhnlich anbringen, so auch er bei dieser Schilderei! – Das kann man ihm lassen. Ich wenigstens stosse mich an diese Schattenstelle nicht. Wissen, wie die Welt gemacht ist, heisst: Gott sein. Wie kann ein Endlicher hiess wissen, diess fassen? Und würde' es ihm nützlich und selig sein, zu wissen und zu fassen, wenn er es wissen und fassen könnte? Wir sehen diess so leicht an, und es scheint wirklich so; allein alles, was recht schwer ist, sieht leicht aus. –
Warum aber so weit hinaus? Gott weiss, ob der Mensch länger als zehntausend Jahr in seinem Kopf, in seinen Büchern tragen und beherbergen kann? Er wirb schwerlich selbst mehr Geschäfte fassen können. Wenn alsdann nicht ein seliger Kelch der Vergessenheit dem menschlichen Geschlechte gereicht wird, wie wird es aussehen? Die zehnte Zahl ist die Zahl mit beiden Händen, die vollkommenste, sagt der Pastor, mit welchem Friede sei jetzt und in Ewigkeit! Er ist ein guter Christ und ein braver Mann, und wenn ich das erste weniger bin, so glaube' ich doch ruhig und selig zu sterben, weil ich ihm in Letzten keinen Tritt weiche.
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Jetzt sind dem Menschen Zurückgedanken allerdings