noch einen Funken von Redlichkeit und Vaterlandsliebe in sich fühlte, sich geschlagen hatte) so sehr hervor, dass er in ziemlich kurzer Zeit von Stufe zu Stufe bis zur Würde eines Feldherrn stieg; und da derjenige, der bisher die Seele der Partei gewesen war, in einem Treffen blieb, ward er, einhellig und ohne einen Nebenbuhler zu haben, an dessen Platz gestellt.
So gross Tifans Vorzüge und Verdienste waren, so muss man doch gestehen, dass er auch von den Umständen, die zu seiner Erhebung mitwirken mussten, ungewöhnlich begünstigt wurde. Das Glück schien aus Liebe zu ihm seiner natürlichen Unbeständigkeit entsagt zu haben, um ihm in allen seinen Unternehmungen den Weg zu bahnen, alle widrige Zufälle von ihm zu entfernen, und die übrigen zu Mitteln seiner Erhöhung zu machen. Gleichwohl konnte alles was diese, für ihn allein nicht launische Göttin zu seinem Vorteil tat, nicht verhindern, dass nicht der Erfolg mehr die natürliche Frucht seiner Tugend als ein Geschenk des Zufalls zu sein geschienen hätte. Unser Held war nicht nur selbst tugendhaft; er hatte die Gabe, auch diejenigen so zu machen, die um ihn waren. Was bei edlern Seelen ein sympatetischer Trieb, und ein tiefes Gefühl der Göttlichkeit der Tugend, die in ihm vermenschlicht schien, zuwege brachte, wirkte bei andern die Begierde seinen Beifall zu verdienen, und eine Eifersucht, die durch ein edles Ziel zu einer rühmlichen leidenschaft wird. Sein Anblick, sein blosser Name setzte seine Freunde und gefährten in Begeisterung. Von Tifan angeführt glaubten sie mehr als gemeine Menschen zu sein – und waren auch mehr. Seine Beredsamkeit vollendete das Werk seines Beispiels. Die Scheschianer – gleich einem armen Fündling, der, nachdem er sich lange für einen verwahrloseten Auswurf der natur angesehen, unverhofft von einem edlen und zärtlichen Vater erkannt wird – empfanden wieder das Glück ein Vaterland zu haben; ihre Seelen entzündeten sich bei diesem Gedanken; jeder vergass darüber sein besonderes Selbst, fühlte dies Selbst nur im vaterland, und verlor unvermerkt allen Begriff, anders als durch das allgemeine Glück glücklich sein zu können.
Tifan, indem er auf diese Weise die Scheschianer wieder zum Gefühl der Tugend erweckte, schien in der Tat eine Art von Wunderwerk gewirkt zu haben; denn was war dies anders als den erstorbenen Staatskörper wieder ins Leben zurück rufen?
Dies machte die Grundlage von allem übrigen aus, was er in der Folge zum Besten der Nation zu stand brachte; ohne dies würden alle seine Bemühungen von geringem Erfolge gewesen sein. Aber nachdem es ihm gelungen war, seine Mitbürger mit der Liebe des Vaterlandes zu begeistern, so machte sich alles übrige gleichsam von selbst. Die Anzahl der Wohlgesinnten nahm täglich zu; ein grosser teil derjenigen, welche das Gift der verdorbenen Sitten zu lange bei sich getragen hatten, als dass man zur ihrer Genesung sich hätte Hoffnung machen dürfen, war in den Flammen des Bürgerkriegs verzehrt worden. Die Häupter der Gegenparteien fanden sich zu schwach, der Nation, welche wieder unvermerkt in ein Ganzes zusammen geflossen und von Tifans geist beseelt war, sich länger mit Gewalt aufzudringen: sie wählten den Weg der Unterhandlung, und vereinigten sich endlich mit den Städten und mit dem Überreste des Adels, die grossen Angelegenheiten des Reiches der Entscheidung einer allgemeinen Nationalversammlung zu überlassen.
Dschengis hatte alles so gut vorbereitet, dass der Ränkesucht keine Zeit gelassen wurde, ihre geheimen Maschinen anzulegen. Der Reichstag kam in kurzer Zeit zu stand; die Freunde des Vaterlandes machten die grössere Anzahl aus; und Tifan, der über ihre Herzen schon lange König war, wurde durch die allgemeine stimme seiner Mitbürger für den Würdigsten erklärt, eine Nation zu regieren, die es ihm zu danken hatte dass sie noch eine Nation war, und im Taumel der Freude, womit die Hoffnung bessrer zeiten sie begeisterte, nicht zu viel zu tun glaubte, wenn sie sich ohne Bedingung in die arme ihres Erretters würfe.
Dschengis erhielt den Auftrag, ihm vor der ganzen Versammlung der Stände den Willen der Nation zu eröffnen; und jetzt glaubte der ehrwürdige Alte, dass der Augenblick gekommen sei, sein Geheimnis öffentlich bekannt zu machen. Das allgemeine Vertrauen, welches er sich erworben hatte, die grosse Meinung von seiner Redlichkeit, der Ton der Wahrheit, mit welchem er sprach, die väterliche Träne, die über seine ehrwürdigen Wangen herab rollte, indem er der Aufopferung seines eignen Sohnes erwähnte: alles dies stopfte jedem Zweifel den Mund. Die Nation war entzückt, in ihrem Liebling den Sohn eines Prinzen zu finden, dessen Andenken sie ehrte. Viele, welche Temorn gekannt hatten, glaubten die Züge seines Vaters in Tifan zu erkennen. Selbst das Wunderbare, welches in der Sache zu liegen schien, beförderte den allgemeinen Glauben. Man überzeugte sich, dass eine für Scheschian wachende Gotteit es so gefügt habe, dass die Nation, indem sie bloss den Besten zu ihrem haupt zu erwählen dachte, unwissend auf eben denjenigen sich vereinigen musste, welchen die Geburt zum Tron berechtigte.
Tifan wurde also an dem glücklichsten Tage, den
Scheschian jemals gesehen, unter den frohlockenden Segnungen eines unzählbaren Volkes, zum König von Scheschian ausgerufen. Dschengis, der ihm seine Erwählung ankündigte, tat es auf eine Art, welche selbst aus Augen, die noch nie geweint hatten, Tränen presste.
'Endlich ist er gekommen', rief er aus, 'der glückli
che, der feierliche Tag, der mich für die Arbeit, für die Sorgen so vieler Jahre, für das grösste Opfer, welches ein