könnte, einen solchen Charakter ein blosses Ideal bleiben zu lassen?
Anmerk. eines Ungenannten
40 Die Erfahrungen, welche die französische Nation hiervon seit fünf Jahren gemacht hat, bestätigen die Wahrheit dieses Satzes auf die einleuchtendste Weise. 41 Die Erfahrungen, welche die französische Nation hiervon seit fünf Jahren gemacht hat, bestätigen die 42 Man würde die Absicht des Herausgebers dieser geschichte sehr verfehlen, wenn man dasjenige, was hier und an andern Stellen von den Einrichtungen oder Maximen des Königs Tifan gesagt wird, für einen indirekten Tadel weiser und mit den tiefsten Einsichten in die Regierungskunst begabter Fürsten ansehen wollte. In einem idealen staat kann man alles einrichten wie man will; in einem wirklichen ist der grösste Monarch nicht allezeit noch in allen Stükken Herr über die Umstände. Was in Scheschian schicklich war, oder es durch Tifans Gesetzgebung wurde, ja, was an sich selbst und im allgemeinen als vorteilhaft für alle Staaten gelten kann, kann in einem gewissen staat, besonderer Umstände und Verhältnisse wegen, nachteilig, unschicklich oder gar unmöglich sein. 43 Im Jahre 2440 soll (wenn Merciers patriotischer Traum noch in Erfüllung ginge) eine ähnliche Einrichtung in Frankreich zu sehen sein. Vielleicht hat die Revolution, welche sich der Träumer wohl nicht so nahe vorstellte, die 645 Jahre, die bis dahin noch hätten verfliessen sollen, beträchtlich abgekürzt. 44 Es gibt noch mehr Klassen, bei denen dies eine eben so ausgemachte Sache ist. Jeder greife in seinen eigenen Busen, und richte sich selbst! 45 Es gibt einen albernen, kindischen Nationalhochmut, der unstreitig ein eben so lächerliches als schädliches und also ein sehr hässliches Nationallaster ist: aber es gibt auch einen edlen tugendhaften Nationalstolz, ohne welchen die Griechen niemals die zeiten des Perikles, die Römer niemals die zeiten der Scipionen, die Engländer niemals die zeiten ihrer guten Königin Elisabet gesehen hätten; ohne welchen eine Nation nur eine grosse Rotte von Menschen ist, die sich von ungefähr, wie Reisende auf einer Landkutsche, beisammen finden; ein verächtlicher Haufe ohne Charakter, ohne Stärke, ohne Mut, ohne Geschmack, ohne irgend etwas, das sie aus dem Dunkel, das schon so viele Völker verschlungen hat, hervorstechen machen könnte. 46 Es gibt in der Haushaltungskunst gewisse höchst einfältige Regeln, deren Verachtung gleichwohl von grosser Beträchtlichkeit ist. Ein Regent wendet, zum Beispiele, zehntausend Taler zu einer gewissen Absicht an, welche durch diese Summe nur sehr unvollkommen, d.i. wenig besser als gar nicht, erreicht wird. Zweitausend Taler mehr würden alles gut machen; aber diese will man ersparen: man muss sich behelfen, heisst es, und überlegt nicht, dass man, um diese zweitausend Taler zu behalten, zehen tausend verliert, weil die Vorteile, die man damit zu gewinnen A1 Hier betrügt vielleicht den ehrlichen Hiang
Fu-Tsee sein Patriotismus ein wenig. Die Sine
ser haben (wie uns ein grosser Kenner der ägypti
schen Altertümer bewiesen hat) eben sowohl wie
die Griechen ihre Polizei und Wissenschaften
ägyptischen Kolonien oder auf Abenteuer ausge
henden Wanderern dieser Nation zu danken ge
habt.
Anmerk. des latein. Übersetzers
Die grössten Kenner der ägyptischen Altertümer wissen, im grund, bei aller ihrer Belesenheit und Scharfsinnigkeit nicht viel mehr davon als andere. Ihre Hypotesen sind daher auch eben der Hinfälligkeit unterworfen, welche von jeher das Schicksal der wissenschaftlichen Hypotesen gewesen ist. Vor wenigen Jahren bewies man uns, dass die Sineser von den Ägyptern abstammeten: nun hat uns Herr v.P. bewiesen, "dass weder diese von jenen, noch jene von diesen abstammen"; und so gewinnen wir doch so viel dabei, zu wissen, dass wir nichts von der Sache wissen; und dies ist, nach dem Urteil des weisen Sokrates, immer viel gewonnen.