1760_Musus_076_25.txt

und andern damit verknüpften Wissenschaften.

2) Verstehet er sich wohl aus die Rechte seines Vaterlandes: Diese gründen sich ursprünglich auf das natürliche Recht; das natürliche Recht gehört in die Weltweisheit; alle Wissenschaften der Weltweisheit sind miteinander verbunden: folglich ist er ein Logicus, Physicus, Metaphysicus, ein Moralist, und s.w.

3) Ist er ein grosser Oeconom. Die Oeconomie ist ein teil der Philosophie, folglich lässt sich sowohl hieraus, als aus dem vorhergehenden Satze deutlich schliessen, dass er ein guter Philosoph ist.

Anmerkung. Eben dieses lässt sich auch aus allen

Handlungen seines Lebens ganz natürlich herlei

ten.

4) Er hat eine Hausapoteke, daraus folgt dass er ein Medicus ist, mitin verstehet er sich auf die Anatomie, Terapie, Patologie, Chirurgie, Botanic, u.s.w.

5) Sir Carl spricht ausser seiner Muttersprache Französisch und Italienisch, mit diesen sind die Spanische und Portugiesische verwandt, folglich verstehe er auch diese. Er ist in Deutschland gewesen, ergo kann er Deutsch, vermutlich auch Holländisch, Dänisch, Schwedisch, u.s.w.

6) Er hat eine vortrefliche Bibliotek. Eine Bibliotek kann nicht vortreflich sein, wenn nicht lateinische, griechische, hebräische, lyrische und arabische Bücher darinnen sind. Da es nun bei Sir Carln unmöglich heissen kann: Salvete libri sine magistro; so folgt, dass er Lateinisch, Griechisch, Hebräisch, Syrisch, Arabisch, vermutlich auch, Türkisch, Ungrisch, Russisch, u.s.w. verstehet. Ergo ist er auch ein guter Grammaticus und Criticus.

7) Er hat verschiedene Veränderungen an seinen Schlössern vornehmen lassen, er ist ein guter Baumeister, ergo auch ein guter Matematicus.

8) Er ist viel gereiset, folglich verstehet er die Geographie und Historie.

9) Er denket vortreflich und erhaben, ergo ist er ein Redner und Poet.

10) Er ist ein Liebhaber der Antiquitäten, mitin auch der Inscriptionen, der alten Münzen, Bildsäulen, u.s.w.

11) Die Heraldic verstehet er meisterlich, folglich auch die Genealogie und Chronologie.

12) Er ist reich, und hat seinen Pachtern oft die Rechnung selbst abgenommen; ergo ist er ein vortreflicher Rechenmeister.

13) Er tanzt zur Bewunderung der Zuschauer; sitzt vortreflich zu Pferde; ficht zum Erstaunen, ergo ist er ein Tanzmeister, Bereuter und Fechtmeister.

14) Er singt wie ein Castrat und spielt wie der selige Händel das Clavier und die Orgel; er ist also auch ein Musicant. Unfehlbar kann er auch vortreflich trenschiren, zeichnen, zierlich schreiben, drechseln, schnitzen u.s.w.

Urteilen Sie, Herr Doctor, ob ich nicht ex ungueleonem erkannt und abgemessen habe.

Noch einen Punkt, teurester Kirchenlehrer, ehe ich schliesse. Ich wage es, eine kühne Frage an Sie ergehen zu lassen, darf ich mir versprechen, dass ich Vergebung von Ihnen erhalte? Sie sind die Gütigkeit selbsten, meine Offenherzigkeit soll mich Ihrer Verzeihung würdig machen.

Ich empfinde bei mir einen Trieb zum ehelichen Leben, und ich bin Willens nach meiner Freimütigkeit, Ihnen das Geständnis zu tun, dass mich eine junge Schöne, die einzige Tochter des hochadlichen Herrn Pastor Wendelins allhier gefesselt hat. Ich habe bereits oben gesagt, dass Sie das Vorbild aller meiner Handlungen sind, würden Sie mir wohl Hoffnung machen, sich noch in den Ehestand zu begeben? Sie scheinen noch ein rüstiger Mann zu sein. Tun Sie es immer. Sir Carl ist ein Freund des Ehestandes, und Sie haben, wie es scheinet, gnugsames Auskommen, eine Frau zu ernähren. Kein teil der Nachahmung Ihrer verdienstvollen person würde mir angenehmer und leichter vorkommen als dieser. Sollten Sie aber, wider Vermuten nicht geneigt sein, ehelich zu werden; so erzeigen Sie mir wenigstens die Gewogenheit und Ehre, in diesem Stücke der Abweichung von Ihnen, Dero Dispensation mir zu erteilen. Ich erwarte mit Verlangen Ihre Entscheidung, um die Präliminarartickel meiner künftigen Ehe zu unterzeichnen; oder das ganze Werk vor der Hand abzubrechen. Unter der Wiederholung einer nicht gemeinen Hochachtung gegen Sie, mein wertester Herr Doctor, und das ganze Haus der Grandisonen nennet sich

Dero

demütiger Verehrer

L. Wilibald.

Der W.W. Doctor:

XXI. Brief.

D. Bartlett an den Magister Wilibald

Grandisonhall, den 12 Sept.

Hochedler, Hochgelahrter Herr,

Hochgeehrtester Herr Magister,

Ich war schon durch den Herrn von S. zubereitet, Sie zu lieben und zu verehren: Ihr Brief aber hat mich ganz bezaubert. Grossbrittannien hat zwar viele grosse Geister aus seinem Schose hervorgesendet: wenn ich aber gerecht urteilen soll; so kann man den Herrn M. Lampert Wilibald unserm Neuton getrost an die Seite setzen. Ewig Schade, dass ein solcher Mann, wie Sie, kein Präsident einer grossen gelehrten Gesellschaft sein, und dem menschlichen Geschlecht durch seine Empfindungen den Weg zur Glückseligkeit aufschliessen soll! Sie urteilen von dem Unterricht eines jungen Edelmannes mit einer unnachahmlichen Scharfsinnigkeit; und ich glaube, Sie wären im stand, das Herz und den Verstand eines Cronprinzen zu bilden, und dennoch einen Aufseher der Lustbarkeiten am hof abzugeben, wie die Kunstfeuer anzuordnen. Ich bin nunmehr alt; allein ich habe dennoch die Obervon seinem Lehrer gehörig unterrichtet wird. Vielmals aber lege ich selbst mit Hand an, und vornämlich in den höhern Wissenschaften; ja ich hoffe, dass der junge Herr ein würdiger Sohn Sir Carls werden werde. Sie werden leicht mutmasen, dass