doch um dem ehrlichen mann seine eingebildete Freude nicht zu stöhren, die nach Ihren grundsätzen, unter allen Gütern, die wir besitzen, das vorzüglichste ist, liess ich ihn in seinem süssen Irrtume, und machte ihm nur eine Erklärung von seiner neuen Würde, dass er ohne Abbruch derselben hier wohnen, Schulmeister bleiben, auch mich ferner informiren könnte; wegen des verlangten Buches aber verwies ich ihn zum Pfarrer. Allein er beschwerte sich sehr über diesen, dass er ihn wegen seines Glücks beneidete, ihm auch den Gebrauch seiner Bücher zu dieser Absicht abgeschlagen, und scharf verboten hätte, die neue Ehre anzunehmen, vermutlich, wie er hinzufügte, weil der Herr Pfarr nicht auch zum Professor wäre nichtig befunden worden, und ihn also gleichfalls von dieser Würde wollte ausgeschlossen sehen. Weil er mir nun heftig anlag, ihm eilt Buch zu lehnen, und ich kein anderes besitze, das ein gelehrter Ansehen hat als mein französisch deutsches Wörterbuch, worinne auch griechische und hebräische Worte mit vorkommen: so packte ich ihm dieses auf, und er versicherte mich, dass dieses eben das rechte Buch wäre, das er verlangt hätte. Nun bin ich eben so begierig als Sie, die gelehrte Akademie eröffnet zu sehen. Ich übersende Ihnen hier zugleich den Brief des Herrn Lamperts an den hiesigen Cantor, wodurch dieser in die irrige Meinung geraten ist, dass er sollte Professor werden.
Ich höre, dass wir diesen Nachmittag einen Besuch in Schöntal ablegen werden; das hätte ich sollen zwo Stunden eher wissen, um mir die Mühe zu erspahren einen langen Brief zu schreiben. Doch damit ich nicht etwas vergebliches unternommen habe, bin ich entschlossen, Ihnen nichts mündlich von dem, was ich geschrieben habe, zu entdecken, vielleicht schickt es sich auch nicht, dass wir aus der Gesellschaft gehen, um allein miteinander zu sprechen. Wenn ich Ihnen meinen Brief in eigner person bringe, so werde ich dadurch gelegenheit bekommen, Ihnen mündlich zu versichern, dass ich bin
Ihre
aufrichtigste Freundin
J.v.W.
XV. Brief.
Lampertus Wilibald, der freien Künste Magister,
entbietet seinen Gruss Herrn Teobald Ecken,
wohlverdientem Schul- und Singemeister zu
Wilmershaussen.
Ehrengeachteter guter Freund,
Gleichwie die hohen Cedern auf dem Libanon und die weitausgebreiteten Eichen in den Wäldern, nicht allein in das Regnum vegetabile gehören, sondern auch den Isop auf der Mauer und den verachteten Wacholderstrauch für ihre Mitbrüder und Reichsgenossen erkennen müssen: also gehören auch nicht allein grosse und berühmte Lehrer hoher schulen und in grossen Städten, sondern auch geringe und verachtete Schulmeister auf dem land zu der Republick der Gelehrten. Ja ich behaupte mit Bestande der Wahrheit, dass diese Dii minorum gentium mehrern Nutzen stiften, wenn sie der um sie her versammleten Jugend von einem niedrigen Drehstuhle lehren, wie viel neun mal neun ausmachet, als jene stolzen Männer, die von einem erhabenen Cateder das x = y + z herabschreien, und weil diese hottentottische Sprache niemand als sie selbst verstehet, sich eine mehrere Unfehlbarnun so gut als bewiesen ist, dass er und seine Herren Collegen sammt und sonders, welche ihrem amt mit Treue und Eifer vorstehen, zu den Gelehrten gehören: so folgt daraus, dass er und seine Herren Amtsbilder, an allen Ehren und Lorbeerkränzen, welche die Gelehrten erhalten, ihren billigen Anteil haben. Es ist zwar nicht zu läugnen, dass bisher der Neid der Gelehrten, welche in hohen Aemtern sitzen, keinen von den geringern gelehrten Mitbürgern zu den Altären der Pallas hat hinzunahen lassen, um für sein Opfer den Cranz zu erhalten. Allein, Dank sei es unsern erleuchteten zeiten, dass diese Tirannen aus der gelehrten Republick verjaget worden sind, und das gelehrte Bürgerrecht jedem die Vorzüge verspricht, die bisher nur wenige, die sich über andere hinweggedrungen, sich zugeeignet haben. Ich habe es unternommen, eine Reformation in der gelehrten Welt vorzunehmen, und die öffentliche Freiheit wieder herzustellen. Damit ich ihm, werter Freund, viel mit wenigen Worten sage, so soll er es wissen, dass mein vortreflicher Principal entschlossen ist, nach dem Beispiele anderer grossen Herren, und ins besondere seines Herrn Gevatters, eines Grossbrittannischen Baronets, wenn er weiss, was das für ein Mann ist, auf seinem hochadlichen Rittersitze eine Akademie zu errichten, in welche nicht allein grosse und vornehme Herren, als Grafen, Edelleute, Räte, Professors, Doctores und Magistri, sondern auch Pastores, Schulmeister, ja selbst gelehrte Bauern zu Mitgliedern ausgenommen werden. Nach reiflicher überlegung hat man für gut befunden, auch ihm eine Stelle in dieser neuen Akademie anzuweisen. Obgleich keine öffentliche Proben seiner Gelehrsamkeit und tiefen Einsicht in die Wissenschaften der Welt vor Augen liegen: so hat man doch, wegen seines in der gelehrten Welt berühmten Namens, ihm dieser Ehre teilhaftig machen wollen; denn einer von seinen Anherren, der es wenigstens dem Namen nach ist, war vor zeiten ein gewaltiger Disputator, dass er sich auch unterstanden hat, mit dem Doctor Lutern anzubinden. Damit er auch wisse, was es eigentlich heist, ein Mitglied einer gelehrten Gesellschaft zu sein: so soll er freundlich wissen, dass er, so bald ihm die Akademie diese Ehre erteilet hat, gleichsam ein Professor worden ist; denn er hat die Macht, in dieser gelehrten Versammlung wöchentlich einmal zu erscheinen, und wenn die Reihe an ihm ist, solche mit einer gelehrten Abhandlung zu unterhalten, da denn alle Anwesende seine Zuhörer sind, und ihn als den Lehrer betrachten. Es ist dieses keine geringe Ehre, das kann