nicht die gemeine Sicherheit und die Umstände eines gerechten krieges ein solches Opfer von Menschen-Blut erfordern.
Soll demnach der Soldaten-Stand das wahre Metier d'honneur, oder Ehren-Handwerck sein; so müssen solches Leute bekleiden, die Vernunfft, Grossmut, Güte und Taferkeit besitzen, und die als Schutz-Engel vor ihre Mit-Bürger und die gemeine Wohlfahrt wachen.
Dass bisher zu den Unordnungen des krieges-Standes, die im Sold gedungene Soldaten meistens ursache gegeben haben, ist wohl eine unter vernünfftigen Leuten ausgemachte Sache: man weiss solches schon lange. Es will aber dem ungeacht keiner von unsern Potentaten damit den Anfang machen, um solche abzuschaffen; sie sind vielmehr darauf desto eifriger geworden, dergleichen aus allen Nationen zusammen gerafftes müssiges Gesindel, zum Verderben ihrer Lånder, in noch grösserer Anzahl, als je zuvor geschehen ist, beständig auf den Beinen zu halten. So lange aber Vernunfft und Erfahrung gelten, so wird man schwer zu bereden sein, dass dieses zum besten dess Landes geschehe.
Wenn man natürlich von der Sache urteilen soll, so wär es wohl besser, man schaffte die um Sold gedungene Soldaten ab: und errichtete dargegen eine ordentliche National- und Land-Militz. Dieses könnte auf eine Art bewerckstelliget werden, dass darunter weder die Cammer noch das Land beschweret; der Zweck aber, zu welchem die Soldaten dienen sollten, weit vollkommener erhalten würde.
Man suche nämlich so wohl in den Städten, als auf dem land die gesundeste und tüchtigste Leute aus, die Lust zu dienen haben, und dazu Mut, Geist und Geschicklichkeit besitzen. Diese lasse man in allen zum Krieg gehörigen Wissenschafften wohl unterrichten: man gebe ihnen eine gleichförmige saubere Kleidung, nebst einem kleinen Gehalt, welchen man nach Notdurfft vermehret, wenn sie ins Feld rücken; in Friedens-zeiten aber lasse man einen jeden bei seinem Handwerck und in seiner Nahrung. Man teile sie nach denen Städten und Provinzen in Compagnien und Regimenter ein, und lasse sie von Zeit zu Zeit, nachdem es die Umstände leiden, auf gewisse Plätze zusammen kommen, und sie ihre krieges-Ubungen machen: man gebe ihnen tüchtige und ansehnliche Männer zu Befehlshabern, und gönne ihnen alle die Ehre, Freiheiten und Vorzüge, die sonst rechtschaffene krieges-Leute zu gemessen haben. Man halte in den Gräntz-Vestungen eine gewisse Besatzung, welche von halb Jahr zu halb Jahr mit andern könnte abgewechselt werden; damit wenigstens alle zwei Jahr jeder Soldat ein halbes Jahr wirklich Dienste tun müsse. Die Vestungs-Plätze könnten zugleich die hohe schulen für den jungen Adel, für die Cadets und andere Soldaten abgeben; wo sich beständig ein Kern der ältesten und besten Officiers, nebst andern geschickten und erfahrnen Leuten aufhalten müsten.
Durch eine solche Verfassung des Soldaten-Standes könnte ein Fürst, mit weit weniger Kosten, die besten Truppen beständig auf den Beinen haben, und jederzeit auf den ersten Winck, wenn es die Not erfordert, ins Feld rücken lassen: sie würden weder durch ihre Liederlichkeit, noch durch ihren Müssiggang, noch durch ihre Bubenstück ferner dem Staat zur Last fallen: sie würden so wohl nützliche Bürger im Frieden, als tapffere Streiter im Krieg abgeben: Sie würden nicht, wie insgemein der im Sold geworbene Soldat, bei dem ersten Feuer durchgehen; oder wohl gar zu dem Feind überlauffen: Sie würden die wahre Ehre, den Fürsten, die Ihrigen lieben: Sie würden ihr Vaterland schützen und ihren Feinden ein Schrecken sein.
Von dem Adel.
Der Adel ist an und vor sich selbst nichts wirckliches: Er hat in der bürgerlichen Gesellschaft keinen andern Vorteil, als dass er, mit etwas weniger Narrheit, darf stoltzer und hochmütiger als andere Menschen sein. Alle seine Titel, Wappen, Stamm-Tafeln und AhnenRegister, wären sie auch noch so schön und durchleuchtig, machen ihn weder vernünftiger noch glücklicher. Der Bauer ist so wohl gebohren, wie der Edelmann: Die natur gibt beiden gleiche Rechte: Nur alsdann hat der Adel etwas voraus, wenn er Geld und Güter besitzet, wenn er wohl erzogen ist, und wenn er bessere Sitten hat, als der gemeine Mann.
Hieraus erhellet, dass der wahre Adel nicht in einer edlen Geburt bestehet; sondern in einem edlen Leben. Er ist eine Frucht der Tugend, und schreibet sich aus dem Geschlecht der wahren Ehre. Der ist der beste Edelmann, den Treu und Mut und Witz zum Ritter schlagen; Alles ubrige, womit der gebohrne Adel sich brüstet, ist Wind und Wahn und Einbildung: Er schändet die Vortrefflichkeit seiner Ahnen durch seine Niederträchtigkeit und durch seine Laster.
Die Beschäftigungen des Adels müssen nichts niederträchtiges, nichts unreines und nichts pöbelhaftes haben: Die Gewohnheit hat deswegen alle Mechanische Handtierung dem Adel für unanständig erkläret, und ihm dargegen die Wissenschaften, den Hof, den Krieg, die Magistrats-Würden, nebst der Land-Oeconomie zu seiner Beschäftigung angewiesen.
Die Handlung ins Grosse hat, nach dem zeugnis der klügsten Völcker, nichts, das dem Adel zuwider ist. In den ältesten zeiten sind dergleichen HandelsLeute, wenn sie grosse Reichtümer besassen, für edel gehalten worden. Es ist auch der natur gemässer, dass Leute, die durch ihre grosse Handelschaften, so vielen Menschen Nahrung geben, und sich dem Adel gleichförmig aufführen, auch dessen Vorzüge geniessen: doch gönnt ihnen das Herkommen und der Gebrauch in der Welt nur den untersten Grad des Adels: und erlaubet ihnen nicht sich höher aufzuschwingen, als bis sie die