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der Menge und der Stärke guter, und grosser Eigenschaften des Verstandes und des Herzens. Jene findet sich vielleicht noch öfter in einem unglücklichen Staat, mitten unter allen Gräueln der Verderbniss, als in einem glücklichen und tugendreichen. Man könnte hier vielleicht einige Aehnhchkeit des Verhältnisses, zwischen den äusserlichen und innerlichen Gütern zweier solcher Völker sehen. Ein Gedanke der vielen andern die Hand bietet, und hier nicht entwickelt werden kann.

9) Zu Seite 75.

Was Necker hierüber sagt ist doppelt merkwürdig, weil er es zu einem Könige von Frankreich sagte. Bei ihm ist zwar nur von einer Provinzial-Verwaltung der Auflagen die Rede, aber seine Bemerkungen werden darum in Absicht von Gegenständen die noch wichtiger sind, um desto treffender. Da die deutsche Uebersetzung überall, nur nicht wo ich schreibe, zu haben ist, so will ich mich der Urschrift bedienen.

Un homme seul, s'il est doue de grandes qualites, peut au bout

d'une longue experience avoir quelqu'avantage sur une administration collective; le choix des deliberations, le combat des opinions n'arretant point sa marche, l'unite' de pens£e et d'exdcution rend les succes plus rapides; mais en meme temps que je crois autant qu'un autre ä la puissance active d'un seul homme qui reunit ä l'intelli-

gence, la fermete, la sagesse et la vertu, je sais aussi que de tels hommes sont epars dans le mond, et qu'on ne peut se flatter d'en trouver un assez grand nombre, | dans l'ordre des Citoyens qu'un no, ancien usage appelle ä ces sortes de places; ainsi ce n'est point avec des hommes superieurs, mais avec le plus grand nombre de ceux

que l'on connoit, ou qu'on a connu, qu'il est juste de comparer une administration provinciale, et alors tout l'avantage demeurera ä cette derniere; etablie d'une maniere stable, eile a le temps d'aper-cevoir, d'examiner, d'eprouver et de poursuivre; la reunion des con-noissances, la succession des iddes donnent ä la m^diocrite' meme

une consistance; le concours de l'interet g£ne>al vient augmenter la somme des lumieres, la publicite des deliberations force ä l'honnetete, et si le bien arrive avec lenteur, il arrive du moins, et une fois obtenu il est ä l'abri du caprice et se maintient...

II y a sans doute des inconvdniens ä toutes les Institutions; les

hommes rassembles I pour une Administration publique, et sous le in, regard meme d'une Province, ne se laissent pas toüjours entrainer aux vues d'ordre et de bien general; l'interet, les affections viennent les detourner; mais un homme seul n'a-t-il pas aussi ses motifs par-ticuliers! mais les Subd£legu6s qui gouvernent sous ses ordres n'en

ont-ils pas? mais les Grands, mais les Gens en credit n'ont-ils aucune influence sur lui? et dans son cours d'ambition n'a-t-il pas des raisons pour les menager? Dans toutes les positions, les considerations d'interet ou de vanite" alterent quelquefois cette impar-tialite si necessaire ä l'administration publique; mais lorsque cette administration est collective, les motifs particuliers ont d'autant plus d'obstacles ä vaincre pour se developper; on ne peut alors ni echapper aux regards, ni dedaigner les reproches, ni les repousser 5 par l'autorite. |

10) Zu Seite 77.

Wo die Staatsverwaltung Mehrere unmittelbar beschäftigt, da entstehet, ausser jenem überschwenglichen Vorteil, dass die besten Tugenden und die besten Geistes Gaben häufiger erweckt und das Anteil vieler Menschen werden, noch ein andrer, der sich näher auf die äusserliche Wohlfahrt eines staates bezieht, und von Machiavell, der immer diese nur beäuget, in das hellste Licht gesetzet worden ist. Es bemerket dieser, dass die Staaten mehrenteils dadurch zu grund gehen, dass sich die Umstände und die zeiten ändern; die Maassregeln aber nach denselben nicht geändert werden. Der Alleinherrscher kann sich schlechterdings nicht immer in die Zeit schicken; denn hiezu ist eine solche Mannichfaltigkeit von Geistes Gaben und Gemüts Beschaffenheiten nötig, die in Einem Menschen nicht beisammen angetroffen werden können, und die einander häufig widersprechen. Der Zögrer Fabius konnte nicht, wie Scipio, nach Afrika hinüber fliegen wollen: und war er Herr von Rom, so unterdrückte leichtlich Hannibal dasselbe noch am Ende. Nun aber trat für jede Zeit der Mann hervor, dessen sie bedurfte. Und so kann ein Staat, den Viele unterstützen, dem Schicksal länger widerstehen, als derjenige, den nur der Wille eines Einzigen regiert. Denn es ist unmöglich, dass ein Mensch seinem Charakter entsage; dass er seine Meinungen, seine denkart verändere; seine Grundsätze und seine Vorurteile verläugne; seine Einsichten und seine Erfahrungen verwandle: Kurz, dass er nicht sei was er ist; sondern, was der Lauf der Dinge jedesmahl von ihm verlangt.

Hierhin kann auch der Vorwurf gezogen werden, welchen Aristoteles dem Lykurg darüber machte, dass er seine Senatoren auf Lebenslang verordnet hatte: denn der Verstand, sagt Aristoteles, nimmt, wie die andern Kräfte, bei hohen Jahren ab, und deswegen ist es Unrecht, das