und Begierden mit eben so viel Wut als er verfolgte.
4) Zu Seite 50.
»Wenn jemand kleinen Dingen eine grössere Gewalt gibt, als das Maass ihrer Kräfte verträgt, den Schiffen zu grosse Segel, dem Körper zu starke Nahrung, der Seele zu viel herrschaft über andre; so wird alles umgekehrt, alles schwelgend und übermütig, und verfällt entweder in Krankheiten, oder in die vom Uebermut erzeugte Ungerechtigkeit. Was wollen wir hiermit sagen? Nichts, als dieses: dass es nicht in der natur eines Sterblichen sei, den Besitz der höchsten herrschaft über Menschen zu ertragen, wenn er nämlich jung ist, und niemanden Rechenschaft geben darf, ohne dass die gefährlichste Krankheit, die Narrheit, seines Verstandes sich bemächtige, und seinen nächsten Freunden ihn verhasst mache.« Plato de Legibus L III.
5) Zu Seite 50.
i9j Cicero behauptet dies so gar vom grossen Cäsar: | »O hominem 602 amentem & miserum, qui ne umbram qui Idem unquam TOÖ KCCÄOÖ 5 viderit! atque haec ait omnia facere se dignitatis causa: ubi est autem dignitas, nisi ubi honestas? honestum igitur, habere exerci-tum nullo publico consilio? occupare urbes civium quo facilior sit aditus ad patriam? Hpewv drrroKOTras,
Machiavell bemerkt (Discorsi LLC. 10.) dass unter den Römischen Kaysern, Titus ausgenommen, alle diejenigen, die es durch Erbfolge wurden, schlechte Fürsten waren; die adoptierten hingegen, lauter gute, wie an den fünfen, vom Nerva bis zum Mark Aurel zu sehen wäre. Etwas ganz ähnliches lesen wir im dritten buch des Plato von den Gesetzen. Dieser sagt: Seit dem Cyrus hat Persien keinen grossen König aufzuweisen, als allein dem Nahmen nach. Und dies kommt nicht vom ungefähr, sondern von der weichlichen, und wollüstigen Lebensart, worinn die Söhne der Könige und der Reichen dieser Erde gemeiniglich erzogen werden. Niemals wird ein Kind gefunden werden, noch ein Mann, oder gar ein Greiss, der Tugend hat, unter Allen die aus dieser Schule kommen.
7) Zu Seite 56.
»Es war bei den Alten ein gewisses Gefühl, dass alles entbehrlich wäre, ausgenommen die Freiheit, daher sie einer in dem andern, und alle im gemeinen Wesen ihr Glück gesucht ... Fabrikanten, Kaufleute, Priester, Gelehrte und Hofleute sind jeder für Gewerb und Jahrgeld, und jeder für zahlreiche Selbstbedürfnisse bekümmert; wodurch Reichtümer gehäuft werden, aber nicht unser sind, weil wir genau und scharfsinnig rechnen, der Kriegsmann aber mächtig nach freiem Willen uns zwingt; weü die Macht über Gut und Blut, oder das Militärische einer besonderen klasse überlassen worden, »(und die Verteidigung und der Genuss der Rechte - wo von Sicherheit bei Rechten, wo von Freiheit sich noch was befindet, nicht beisammen in derselben Hand, sondern in verschiedenen ist:)« Welches die Alten nicht geneigt waren zu
tun; sie wussten wozu der Wolf den Zahn, wozu der Ochs die Hörner, der Mensch aber Waffen hat. Also waren sie arm, doch frei; wir sind reich für andre.« J. Müller Geschichten der Schweitzer. S. 263 u. 250.
8) Zu Seite 60.
Wo keine gesetz sind, da ist kein gemeines Wesen, folglich auch keine bürgerliche Freiheit. Wo willkührliche gesetz Platz finden, da ist, so weit diese reichen, wieder keine bürgerliche Freiheit; und willkührlich ist ein jedes Gesetz, welches keine notwendige Folge der unveränderlichen ewigen gesetz der natur ist. Von solchen formellen Gesetzen allein, welche offenbare Folgen der gesetz der natur sind, kann die-beständige implicite Einwilligung aller Glieder der Gesellschaft behauptet werden, weil sie allein entalten, was zum offenbaren Vorteil Aller, und eines Jedweden gereicht, und nichts entalten können, woraus für ein
vernünftiges Wesen je der mindeste Schaden erwüchse. Wo die offenbare Gewissheit des allgemeinen Vorteils aufhört, da hört auch die Befugniss der gesetz, und das System der Freiheit auf.
Die Mehresten haben bei Untersuchung der politischen Freiheit, andere Gesichtspunkte, so, dass es gemeiniglich dabei nur auf die Frage hinaus läuft: ob es zuträglicher sei, sich der willkührlichen Gewalt eines Einzigen; einer gewissen Anzahl aus der Menge; oder dieser Menge selbst zu unterwerfen, das ist, welche Gattung des Despotismus wohl die beste sein möchte. Eine Frage die nicht sehr verdient, dass sich ein weiser Mann damit beschäftige.
Darum aber muss viel Tugend, viel moralische Freiheit da vorhanden sein, wo viel wahre politische Freiheit angetroffen wird, weil die gesetz sich nicht selbst beschützen können, sondern durch eine überall und immer gegenwärtige Gewalt, welche allem was die gesetz angreift unwiderstehlich begegnet, müssen aufrecht erhalten werden. Also wo die wahren gesetz der Freiheit in der Tat regieren, da muss ihr Wille der lebendige Wille des Volkes selbst sein. gesetz der Freiheit sind keine andre, als gesetz der strengsten Gerechtigkeit, das ist, der vernünftigen Gleichheit: Also muss der Geist der ihnen Nachdruck gibt und Dauer, eben so weit von der Herrschsucht entfernt sein, welche unterdrücken will, als von der Niederträchtigkeit, die sich unterdrücken lässt: und dieser Geist ist der beste, der edelste und stärkste, welcher über Menschen walten kann.
Von einer reinen transscendentalen Tugend, dieser äusserst seltenen Himmelsgabe, ist hier nicht die Rede; sondern von