All_Enlightenment_45.txt

Grenzen durch den Finger des Ewigen bezeichnet; darin gründet sich ihr Prinzipium, die natur, die Welt, und die denkenden Wesen sind die Entwicklungen.

Die natur handelt im Körperlichen durch simple gesetz; sie sind einförmig, unveränderlich, wie die Erfahrungen der Physik uns täglich erklären. Durch sie und durch unsere Sinne sind wir an die natur gebunden. Wir erkennen dadurch die Ursachen und Wirkungen, die Impulsionen und Entwicklungen, die Veränderungen und Progressionen, die Zusammensetzungen und Eigenschaften; die Energie der zusammengesetzten Dinge und die Wesenheit der Dinge. Alle Bewegungen, die in der natur sind, folgen notwendigen Gesetzen; die Gotteit schuf diese gesetz; die natur ist also das Gesetz des himmels in der physischen Welt; die Ordnung, woraus die allgemeine Harmonie entspringt, und der Ausdruck dieses Gesetzes ist die Führerin der natur.

Die natürliche oder physische und die übernatürliche oder intellektuelle Ordnung ist also der Grund des Physischen und Sittlichen, das im Universum liegt. Wie wir bereits gesagt haben, ist in der sittlichen Ordnung das allgemeine Gesetz alles dasjenige, was beseelte und vernünftige Wesen zu jenen sanften friedfertigen und wohltätigen Neigungen führt, die sich harmonisch mit der Alliebe des Schöpfers verhalten, alles, was von diesem sanften Hange entfernt, worin Menschenglück und Seligkeit liegt, streitet wieder die sittliche Ordnung, und sind rebellische Triebe gegen die gesetz des Geistes.

Die sittliche Ordnung ist der Massstab, die Regel und die Waage aller physischen und intellektuellen Handlungen. Sie besteht darin, dass alles nach der Absicht der höchsten Weisheit zu der höchsten und vorteilhaftesten Vereinigung der Wesen aufsteige.

Dieser hohe Ruf zur Vereinigung, zur Einfalt, zur Liebe, zur Verbindung macht die charakteristischen Züge der ewigen Ordnung aus. Keine Menschenmacht konnte andere und bessere gesetz geben; diese sind das Siegel der Gotteit; diese Ordnung ist die Seele der natur, das Prinzipium des Lebens. Ohne diese Ordnung würde es weder gesetz noch Rechte geben, weder positive noch gegenseitige Pflichten; es würde alles dem Zufall preis sein. Die Ungewissheit, die Unbeständigkeit, die Blindheit würden die Welt regieren, die nichts als ein Chaos sein würde. In der Übereinstimmung unserer Handlungen mit dieser Ordnung besteht die Vollkommenheit unseres Geistes; denn, wer Ordnung liebt, erfüllt seine Pflichten mit Liebe und opfert seinen Geschmack und seine Freuden der Liebe dieser Ordnung auf.

Zu schwach wäre der Mensch gewesen, diese ewigen Verhältnisse, nach welchen sich geistige Kräfte zur Vollkommenheit entwickeln, aus eigener Vernunft einzusehen; denn unsere Schwachheit und das verlorene Licht, das der Mensch einst besass, hinderten ihn, im Reiche der Sinnlichkeit zu einer deutlichen Erkenntnis zu gelangen; er musste daher eine Religion, eine Offenbarung haben, um die Verhältnisse kennen zu lernen, nach welchen geistige Kräfte zur Vollkommenheit und Harmonie aufsteigen. Die Offenbarung lehrt uns daher diese sittliche Ordnung kennen, nach welcher intellektuelle Kräfte sich verhalten müssen, um zur Vollkommenheit, zur Harmonie des Ganzen aufzusteigen; daher wird die Religion die Grundlinie, worauf alle menschlichen gesetz notwendig müssen gebaut werden, wenn sie zur Ordnung und zum Glück führen sollen. Ohne Offenbarung gibt es keine sittliche Ordnung intellektueller Kräfte, denn der Mensch kennt die gesetz dieser Kräfte nicht und bedarf daher der Offenbarung.

Die Religion ist die Leiterin des Herzens; ihre gesetz gehen auf Willen und Verstand, und nur der Wille oder das Herz macht die Stärke intellektueller Kräfte aus.

Die Religion entwickelte das natürliche Gesetz, worin der Mensch die grossen Wahrheiten nur ahnte; sie vervollkommnete es und gab ihm das Gepräge des Göttlichen. Ihre Lehren sind keinem Tadel unterworfen; sie lehrt nichts, was den Gesetzen der natur entgegen ist; sie erhebt diese vielmehr und zeigt sie von dem rechten Gesichtspunkt. Sie entält alles, was Gerechtigkeit und Menschenliebe fordern, und was so wesentlich mit der Menschheit verknüpft ist. Kein Ungläubiger kann einen Mangel an ihr finden, ausgenommen, er legt ihr Meinungen bei, die in ihrer Wesenheit nicht liegen. Alle Weltweisen, sowohl unseres Jahrhunderts, als des Altertums, die die Sittenlehre auf die natur gründen wollten und auf eigenes Interesse, auf unseren Hang zum Glück, haben zuletzt die Laster vergöttert und die Missbräuche gerechtfertigt.

Um den Menschen zum Guten zu leiten, um ihn dahin zu bringen, seine Leidenschaften zu unterdrücken, verschwendet die Moral des christentum alle möglichen Beweggründe; sie vereinigt die Vorteile dieses Lebens mit den Vorteilen der Ewigkeit, sie untersagt dem Menschen nur, jene zu unterdrükken, wenn sie mit diesen in Kollision stehen. Es gibt Fälle, wo sie von uns fordert, den Vorteilen der Welt zu entsagen und der Tugend grosse Opfer zu bringen; dort, wo der Ungläubige, der Ateist, der Philosoph keine Mittel, keine Beweggründe mehr hat, erheben den Christen die Hoffnungen der Zukunft, Stärke kommt in seine Seele, er erhebt sich über sich selbst und duldet eher alles, als dass er seine PI licht verletzte.

Den herrlichsten Aussichten, die als Lohn die Tugend erwarten, setzt die Religion noch Beispiele bei, die zur Nachahmung hinreissen. Ein vermenschter Gott, der nichts befiehlt, was er nicht selbst tat, der keine Lehre der Tugend gab, die er nicht in Ausübung brachte, der ist's, der jene grossen Helden der Tugend erzeugte. Zu den Gesetzen der natur fügte Christus die evangelischen Räte bei, um zu zeigen, dass er die menschliche natur besser als alle Philosophen kannte. Es ist nicht möglich, dem Menschen hohe Begriffe genug von seiner Vollkommenheit einzuflössen - von der Vollkommenheit, zu der