allgemeinen öffentlichen Veranlassungen und Zeitumstände, die diesen Entschluss in ihm erweckt haben.
Nachdenken und Erfahrung haben die hier vorgetragene Überzeugung in ihm erzeugt und gegründet. Die letztere hat ihn nicht bloss durch die geschichte, sondern auch durch unmittelbares Wahrnehmen, Beobachten und Vergleichen gelehrt, dass, bei übrigens gleichen Umständen, ein Land in dem Masse einen höheren Grad von Flor, Vortrefflichkeit der Staatsverwaltung, bürgerlicher Ordnung und Sicherheit, Wohlstand, Bildung, Betriebsamkeit und Sittlichkeit der Einwohner, kurz alles das besitzt, was zum Glück und zur Bestimmung des Ganzen und des Einzelnen gehört, in welchem Publizität und Freiheit zu glauben, zu reden und zu schreiben in ihm stattfinden.
Von dieser Erscheinung oder Erfahrungswahrheit hat ihm das Nachdenken die ganz einfachen und höchst natürlichen Ursachen klar und deutlich vor Augen gelegt, so dass die Vernunft mit Sicherheit schliesst, die Sache muss so und kann nicht anders sein, wie sie wirklich ist.
Als man daher hin und wieder, der Erfahrung und Vernunft zum Trotz, einen ganz entgegengesetzten Weg zur Sicherheit der Staaten und zum Glück der Völker einzuschlagen sich beikommen liess, und die traurigen Folgen davon in manchen Gegenden sich sogleich auf die auffallendste Art zeigten, so musste ja wohl jeder Freund der Menschheit sich darob betrüben, und was er von solchen Massregeln dachte, ohne Hehl und frei und laut erklären.
So betrachte und beurteile man demnach auch das, was der Verfasser auf diesen Blättern gesagt hat. Es sind keine Neuerungen, keine politischen Grillen, keine müssigen Spekulationen oder Ketzereien, keine auf Revolutionen abzweckenden Pläne oder Winke - es ist gar nichts von dem allen.
Es ist bloss im allgemeinen dargestellt, was die Erfahrung in den glücklichen beiden Ländern, die der Verfasser als Einwohner derselben näher kennengelernt hat, und in den nach Verhältnis blühendsten, glücklichsten und mächtigsten Staaten von ganz Europa erprobt hat.
Was er missbilligt und tadelt, hat die Erfahrung bisher als schlecht bewiesen und wird und muss es ferner so beweisen, wenn und wo man sich dem, was sie und die Vernunft lehren, vermessen entgegenstemmt.
Man wird vielleicht denken und sagen: ich habe bloss allgemeine Räsonnements vorgebracht, und man wird das Wahre, Anwendbare und Nutzenbringende des Gesagten dadurch als in Zweifel gestellt ansehen und zeigen wollen. Allein ich antworte, dass wir durchaus in allen Dingen, in denen Weisheit und Klugheit unseres Verhaltens stattfinden, und also auch in der Staatskunst, gewisse allgemeine leitende Begriffe und Grundsätze haben müssen, dass dasjenige, was wirklich im allgemeinen wahr oder falsch, recht oder unrecht ist, es auch in einzelnen Fällen sein muss, und dass Modifikationen, Streitfälle und scheinbare Ausnahmen keine allgemeine Regel, als solche, ungültig machen; und endlich, dass es mir keineswegs an einzelnen Belegen und Beispielen zu allem, was ich behauptet habe, fehlt und ich solche nur weggelassen habe, weil ich voraussetzen konnte, dass sie dem Leser von selbst beifallen würden, weil ich gern kurz sein wollte, und zuletzt, weil manche Beispiele hätten gehässig sein und ihre Anführung meinem dermaligen Zweck hätte mehr nachteilig als förderlichen werden können.
Von Regenten gelesen zu werden oder denselben Lehren geben zu wollen ist mir nicht in den Sinn gekommen – aber ich halte es allewege für gut, auf eine geziemende Art Begriffe von dem, was Regenten tun können und tun sollen, ins Publikum zu bringen. Eine etwaige Anrede an Regenten pflegt man ja ohnedem schon als eine Redefigur zu gebrauchen und anzusehen.
Was insonderheit den Geist bürgerlicher Unruhen betrifft, der in einem oder in einigen Ländern herrscht, und dessen Mitteilung man in anderen früher und stärker besorgt und zu hintertreiben gesucht hat, als gegründete Ursache dazu vorhanden war, und die man gerade durch dieses Benehmen allein in einigen Gegenden offenbar veranlasst und so gut als unvermeidlich gemacht hat, so bin ich allerdings der Meinung, dass eine wachsame und mit Weisheit strenge Polizei jede Unordnung, die eine Störung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit mit sich führt und zu welcher der grosse Haufen oder ein teil desselben durch falsche Begriffe und Nachrichten sich könnte
verleiten lassen, auf das sorgfältigste verhüten und unterdrükken muss.
Eine solche Verfügung und pflichtmässige Sorgfalt ihrer Obrigkeit werden alle rechtschaffenen Bürger nicht nur von ganzem Herzen billigen und preisen, sondern auch mit Recht warten und, soviel an ihnen liegt, auf das möglichste und wirksamste unterstützen.
Aber nichts in der Welt scheint mir unglücklicher und für das Wohl eines staates überhaupt, und in solchen zeiten ganz insonderheit, gefährlicher zu sein, als ein unverdientes und allgemeines Misstrauen der Regierung in die Staatsbürger, es äussere sich auch auf welche Art es wolle.
Unverschuldetes und übertriebenes Misstrauen ist in allen Privat- und öffentlichen Verhältnissen und Verbindungen der Menschen, die auf Beförderung gemeinschaftlicher Wohlfahrt unmittelbar abzwecken, eine leider sehr verkannte, aber äusserst schreckliche Quelle der grössten Übel mannigfacher Art, und insonderheit der sittlichen Verschlimmerung. Wechselseitiges Misstrauen der Vorgesetzten und Untergebenen zerstört am Ende das ganze natürliche Band der geselligen Ordnung und den wesentlichen Zweck der Verbindung.
Ach, wie unverantwortlich handeln daher diejenigen, die den Regenten ein ungerechtes Misstrauen gegen die Regierten einflössen, und dieselben zu Massregeln, die solches an den Tag legen, verleiten!
Was ist aber ein stärkerer und ein mehr kränkender Beweis des Misstrauens, als wenn man den Menschen den freien Gebrauch ihrer ihnen vom Schöpfer verliehenen natürlichen Kräfte und Fähigkeiten verbietet und beschränkt, aus Furcht, dass sie uns oder, wie man vorgibt, sich selbst dadurch schaden? Welche Kraft im Menschen ist edler, als die des Denkvermögens der Vernunft; welche