fuhr er fort, man müsste doch morgen in erster Frühe in San-Giovanni hören können, was die Soldaten wollen ...
Was sie wollen – hm! hm! fiel Hubertus ein – Wenn ich an die lachende Miene des Monsignore denke und denke an den Golf von Neapel, der im Sonnenschein funkelt wie ein Paradies und doch den Vesuv im leib hat, so wird mir bange wie einer Mutter um ihr Kind ... Der zwanzigste August! ... Mein Sohn, ich bitte Euch, mich dem Guardian nicht zu melden ... Ich bin noch nicht angekommen ... Hört Ihr! ... Lebt jetzt wohl! In drei Stunden bin ich an Federigo's Hütte und schicke Jeden nach haus, der etwa heute oder morgen kommen sollte, um für die Seelen der armen Märtyrer Pascal und Negrino zu beten ...
Guter Bruder! entgegnete Paolo Vigo ablehnend und erklärte auch seinerseits zu dieser Warnung bereit zu sein ... Ihr mutet Euch ein Uebermass zu ... O, dass ich statt Eurer hinauffliegen könnte! ... Soldaten! sagtet Ihr? ... Ich sagte ja gleich, dass der aus Neapel vom Sacro Officio angekommene Brief ebenso hinterhaltig ist, wie schon lange das Benehmen des Erzbischofs von Cosenza ... Und der Monsignore gab Euch in Nichts einen tröstlichen Bescheid? ...
So artig war er, sprach Hubertus, wie Papa Kattrepel in meiner alten Stadt Gröningen, der jeden Armensünder, wenn er ihm den Kopf abschlug, erst um Verzeihung bat ... Lasst mich doch jetzt nur sogleich gehen ... Schon hör' ich den Rumor da oben ... Mitternacht muss vorüber sein ... Geht! Geht! ... Ja, all ihr Heiligen, dass ich es nicht vergesse! Bei sankt-Hubert's Bart, wo hab' ich meine Gedanken! Gütiger Gott, mach' auf mein Alter keinen Schwabenkopf aus mir! ... Mein Sohn, lasst Euch getrost Urlaub geben nach San-Gio! ... Da werdet ihr ja eine person finden, die viel lieber hat, Euch schon morgen wie sonst in Eurem haus oder beim alten Meister Pallantio die Polenta auf den Tisch zu stellen – lieber, als den steilen Weg hieher zum Kloster erst heraufzuklettern –! ...
Eine person? Die Polenta? Wer? fragte Paolo Vigo und liess sich von Hubertus die überraschende Begegnung mit dem keuchenden Pepe, mit Scagnarello, Rosalia und Marietta Mateucci erzählen ...
Gütiger Himmel! rief Paolo Vigo in doppelter Freude – ... Erst aus Liebe zu seiner seit Jahren nicht gesehenen Schwester – dann um die gelegenheit, nun auf alle Fälle Urlaub zu bekommen ...
Hubertus musste sich jetzt verstecken, wollte er unangemeldet bleiben ... Schon ertönte die Glocke, welche die sämmtlichen Bewohner des Klosters weckte und in die Kirche rief, wo sie singen mussten ...
Während Paolo Vigo in grösster Ueberraschung, in Spannung und Rührung stand und jedenfalls entschlossen blieb, den Guardian um die sofortige erlaubnis zu bitten, seiner geliebten Schwester und ihrem holden, von ihm noch nie gesehenen kind entgegenzugehen und ausserhalb des Klosters übernachten zu dürfen, schlüpfte Hubertus eine vom Refectorium in die Zellen führende enge Wendeltreppe hinauf, um wo möglich, ehe die Frate kamen, seine Zelle zu erreichen und dort sich zu verbergen ... Schon hörte man einen Mönch, der heute das Amt des Wekkers hatte, in einem entfernten Gange an die Zellentüren pochen ... Der Regel des heiligen Franciscus gemäss rief er alle Schläfer aus ihren süssesten Träumen ...
Hubertus erreichte glücklich und unbemerkt seine dunkle Zelle ... Sie war nicht breiter und nicht tiefer, als zwölf Fuss, und entielt als Bett einen Sack von Maisstroh – die Decke darüber war so grob wie seine Kutte ... Von Glasfenstern war keine Rede; nur eine rohgezimmerte Holzjalousie schützte gegen die im Winter oft schneidend kalte Luft ...
Hubertus warf sich auf sein Lager ... Er hatte vor Uebermüdung jene Empfindung, die ihn an die zeiten erinnerte, wo auch er sich in Java an Opium gewöhnt hatte ... Traumartige Bilder traten vor die wachen Sinne ... Alles schwebte um ihn in Licht und Farbe und Licht und Farbe war auch wieder wie Musik ... So soll einem an Erstickung Sterbenden der Tod sein ... Gestalten, die ihm wie Hexen hätten erscheinen dürfen, waren ihm jetzt freundlich und nickten ihm mit süssem Lächeln ... Mit seiner noch nicht besonders geläuterten Religion nannte Hubertus das die Triumphe des Teufels, den er namentlich auch beim nächtlichen Chorsingen um zwölf Uhr Mitternacht gern in Tätigkeit wusste und oft schon hinter dem grossen Missale mit seinem Hörnerkopfe als einen höhnischen Mitsänger oder am Weihwasserkessel, den verunreinigend, erblickt hatte ... Er rüttelte sich wach und horchte nur, ob der Lobgesang in der Kirche bald vorüber sein würde ...
Die Lampen in den Händen, schlichen die Mönche und geistlichen Züchtlinge erdfahl und schlaftaumelnd durch die Gänge ... Hubertus, der auch hier schon manchen Verschlafenen – wie oft sonst Klingsohrn! – um solche Stunde auf den Armen in den Chor getragen hatte, lauschte dem öden Widerhall ... Endlich sangen einige zwanzig Stimmen ... In einfacher Cantilene wurde ein Psalm vom Guardian verlesen und seinen Worten an bestimmten Stellen von den andern respondirt ...
Als