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. Da hiess es, im Orte wär' ein toller Hund ... Vom Fenster aus erblickte man in der Tat ein wandelndes Tiergerippe, die Zunge lang aus dem mund hängend, die Haare borstig aufwärts gebäumtes war ein Hund, der einem verhungerten Wolfe glich ... Kaum konnte das entsetzliche Tier sich aufrecht erhalten ... Schon knickte es zusammen und taumelte dann wieder wildschnappend auf, bis es aufs neue zusammensank ... Der Pfarrer erwies den Bewohnern von San-Giovanni die Wohltat, in rascher Regung die Flinte zu ergreifen, abzudrücken und das Ungetüm niederzuschiessen ... Und eben die Folgen dieser raschen Tat waren die seltsamsten ... Sie lagen in Schleier gehüllt, endeten aber damit, dass Rosalia's Bruder oft tagelang abwesend war, mit dem Bruder Hubertus gesehen wurde, sogar einen Ziegenhirten in San-Giovanni, der schon seit lange für einen Ketzer galt, an seinen Tisch nahm, zuletzt mit der Bibel auf der Kanzel erschien und in einer Weise predigte, die einen so grossen Anstoss erregte, dass ihn sein Diöcesanbischof suspendiren musste ... Man liess ihn bis auf Weiteres im nahgelegenen Kloster wohnen und verbot ihm seine kirchlichen Functionen und Reden ... Aus dieser provisorischen Massregel wurde ein Zustand, welcher Jahre dauerte und nicht mehr enden zu wollen schien ... Die Stolgebühren von San-Giovanni behagten auch dem Dom Sebastiano von Spezzano ...

Scagnarello war durch die Hoffnung, bald den riesenstarken Bruder Todtenkopf einzuholen, so ermutigt, dass er, trotz der schauerlichen Einsamkeit, wagte, auf alle diese unheimlichen Dinge anzuspielen ... Es ist eine Pflicht unserer Seelenhirten, sagte er nach einer Betrachtung über feurige Hunde, die sich öfters hier den Schäfern nächtlich zugesellen, für das geistige und leibliche Wohl der Ihrigen zu sorgen ... Der Pfarrer in Spezzano ist gewiss ein Santo, aber auch er heilt die Kröpfe und kann Geister bannen ... Meinen Pepe da hat er mit allen Weihen versehen ...

Rosalia Mateucci hatte das Tema des verhängnissvollen Hundes verlassen ... Scagnarello richtete jedoch mit umspähender Miene an sie die Frage:

Fraunoch sehe' ich den Bruder Franciscaner nichtsagt: Ist es wahr, hat der den Hund ganz feierlich begraben –? ...

Kaum war das aus der Hölle gekommene Tier, erzählte sie, gefallen, so kam, wie wir damals glaubten, ein Abgesandter des Satans, der die ihm verfallene unreine Seele abholen sollte ... Auf dem Platz erschien ein langer hagerer Mönch mit einem Todtenkopf, der, wie die Magd erzählte, im Kloster Firmiano vor kurzem erst Herberge gefunden hatte ... Die Kinder liefen ihm aus dem Wegeeine Sprache hatte er, wie unser Trutahn, wenn ich mein rotes Kleid anziehe ...

Das alles hat sich geändert! unterbrach Scagnarello ... Jetzt fürchten ihn nur noch die Leute mit zu langen Flinten und besonders der Schmied von Spezzano ... Denn ein Hufeisen bricht er wie trockene Nudeln entzwei, wenn die Arbeit schlecht ist ... Gäule heilt er, die schon unter den Galgen kommen sollten ... Talarico! Der bekam Angst vor ihm, als er hörte, dass das der Frate war, der in Rom dem Grizzifalcone den Garaus gemacht ... Nun, bei SanFirmiano! Der heilige Vater hat ihn auch gewiss nur hergeschickt, dass er's dem Giosafat ebenso machen sollte ... Signora, ich hörte aber dochmit dem Hund hatte' es Dinge auf sich, die einen guten Christen um die Absolution bringen können ... Andere meinen, der Alte mit dem Todtenkopf hat wenigstens seitdem nichts mehr mit der Hölle ... Ein Heiliger ist's geworden, wie nur der Erzbischof von Cosenza auchundEuer, unter uns gesagt, vortrefflicher Bruder – ...

In voller Glückseligkeit über diese Anerkennung sagte Rosalia:

Ja, Signor! ... Ich glaube es für gewiss, dass Frâ Hubertus sich zu Gott gebessert hat ... Gerade von ihm hat mir der heiligste Erzbischof von Cosenza gesagt: Geht getrost, liebe Frau! Bis Ihr in San-Giovanni in Fiore seid, ist Frâ Hubertus von Neapel zurück gekehrt ... Und nun ist er da ... Und ich denke doch, es muss alles gut werden ...

Scagnarello erhielt noch einmal die Flasche, leerte sie und lobte sehr den Wein von Nocera ...

Auf seine Frage, was nur der Todtenkopf in Neapel getan hätte, erhielt er die Antwort:

Der heilige Erzbischof schickte ihn nach Neapel, um sein Begehren beim rechten Mann vorzubringen ...

Beim rechten Mann? ... wiederholte der Kutscher ... Und welches Begehren – ...

Dass die Bewohner von San-Firmiano nicht mehrwie die Canarienvögel von Cosenza gehalten werden ... Sind sie denn nicht alle Santi geworden? Hat mein Bruder sie nicht bekehrt? Hat der Todtenkopf ihnen nicht allen die Schrecken der Hölle zu Gemüt geführt, die er so gut kannte –? ... Ich sage Euch, bis nach Nocera hin steht das Kloster im Geruch der Heiligkeit –! ...

Scagnarello wusste vollkommen, dass unter den Canarienvögeln die gelbgekleideten Galerensträflinge zu verstehen sind, die in Neapel öffentlich im Dienst der Strassen- und Hafenpolizei arbeiten müssen ... Auch über die gute Aufführung der Bewohner von San-Firmiano