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, die sie gegen Ketzer schon zu lange ausüben! ... Signora, Sie fragten mich vor kurzem nach den Streitigkeiten des Bischofs von Robillante? ... hören Sie, was eintreffen muss! ... Wenn der apostolische Eifer des Herrn von Asselyn sein neues Vaterland beschuldigt, dass Ungläubige hier spurlos in den Kerkern der Inquisition verschwinden könnenso erleben wir die glänzendste Genugtuung! Frommer Bruder, rettet den Bischof von Macerata! Wagt Euch in die Klüfte, wo diese Räuber hausen! Rettet aber auch diesen Pilger! Gebt den Beweis, dass dieser Flüchtling, den von uns die sardinische Regierung reclamirt, den die Gesandtschaften Englands, Schwedens, der Niederlande, Preussens in den Händen der Dominicaner vermuten, in keinem heiligen Inquisitionsofficium, weder sonstwo, noch hier in Rom, festgehalten wird! Er ist gefangen! Ja! Aber von Räubern! Er muss, auf den Tod bedroht, diesen die Beförderung der öffentlichen Wohlfahrt erleichtern, wodurch ihm Verzeihung werden könnte für die viele Mühe und sorge, die uns bereits die Nachfragen nach dem Verschollenen nicht bloss von Castellungo und Robillante aus, sondern von Turin, London, Berlin und Wien gemacht haben! Fefelotti wird mir, so wenig er es sonst um mich verdient hat, dankbar sein, wenn ich ihm den Beweis an die Hand liefere, dass nichts mehr im Wege steht, sich mit seinem feuerköpfigen Nachbar zu versöhnen! Guter Bruder! Ihr seid von einem Blut, das Euch zu leicht in Euern schönen Kopf steigt! Wandert getrost, wandert immerhin! Leiht dem Vorschlag eines Eurer drolligen Ohren! Lasst für Euch in Santa-Maria Seine Hoheit jenen Fussfall tun! Euch wird es Segen bringen und einem so vornehmen Mann, wie ihm, nichts schaden! ...

Ceccone hatte sich lächelnd erhoben und schüttelte Hubertus, dessen Augen vom Feuer seines Unternehmungseifers blitzten, die Hand ... Dieser küsste die seinige voll Demut ... Pater Vincente stand aufhorchend und feierlich ... Lucinde staunte des Zusammenhangs aller dieser seltsamen Unternehmungen ... Nur der alte Rucca zweifelteCeccone schien ihm auf alle Fälle eine doppelte, ihm wahrscheinlich nur feindliche Rolle zu spielen ...

In diesem Augenblick hörte man in der Ferne das Läuten einer kleinen Handglocke ...

Das Glöcklein der Benfratellen! sagte der Cardinal. Sie kommen mit der Tragbahre, den zweiten unsrer tapfern deutschen Lanzknechte des Heilands abzuholen! ... Frater Hubertus, gebt ihm vorläufig das Geleite; grüsst Euern Guardian in San-Pietro und dannans Werk! Ihr seid, bei sankt-Peter, der rechte Mann für diese Aufgabe, die ich Niemand in Rom so gut wie Euch anzuvertrauen wüsste ... Ihr aber, Pater Vincente, wandte sich Ceccone ehrerbietig zu diesem; – die junge Fürstin Rucca hatte gestern das dringendste Verlangen nach Euerm Segen ... Ich hoffe, Euer Kloster wird mit dem Tier nicht unzufrieden sein, das, statt Eines Sackes, Euch jetzt zwei zu tragen draussen empfangen soll! ... Die zeiten müssen wiederkehren, wo unsere roten Hüte auf die Stirn von Priestern gedrückt werden, die dem Volk das Schauspiel der Demut geben ... Lasst mir die Ehre, den roten Zaum von einem meiner Rosse zu nehmen und den Esel zu schmücken, den Eure Hand durch die Strassen Roms führen wird! ...

Dies war keine jener südländischen Artigkeiten, nach denen der Spanier sein eigenes Haus demjenigen anbietet, der dessen Lage reizend findet; es versteht sich von selbst, dass das Anerbieten abgelehnt wird ... Bei Pater Vincente lag in der Tat eine Bezüglichkeit des Ernstes nahe. Er durfte voll Erröten und mit Nachdruck die angebotene Auszeichnung ablehnen ...

Grüssen Sie die junge Fürstin, sprach er leise zum Cardinal, und sagen Sie ihr, dass ich oft für das Heil ihres neuen Bundes beten werde ...

Er faltete die hände ... Das Glöcklein der Benfratellen erklang düster und traurig ... Vincente's Auge erhob sich, wie von einem sanften Liebesstrahl entzündet ... Die beiden so weltlichgesinnten Männer mussten erleben, dass Pater Vincente sie zum Beten zwang ... Ecce, Domine, sprach er mit dem Psalmisten in einer eigentümlich erhöhten Stimmung, tu cognovisti omnia, novissima et antiqua! Quo ibo a Spiritu tuo? Et quo a facie tua fugiam? Si ascendero in coelum, tu illic es! Si descendero in infernum, ades! Vide, si via iniquitatis in me est et deduc me in viam aeternam! Amen! ...

Es war ein Gebet wie die Sühne für die sündhafte Weltlichkeit aller dieser Verhandlungen ...

Vincente's Augen blieben gehoben wie mit der Bitte, ein Strafgericht des himmels abzuwenden ... Der Geist Bartolomeo's von Saluzzo, der Geist des Philippo Neri schien über ihn gekommen ... Sein schöner, weicher Mund betonte scharf die Worte: "Via iniquitatis!" ... Er richtete damit die Falschheit und Unreinheit dieser Welt und schüttelte fast den Staub von seinen Füssen, als er dann Hubertus' Hand ergriff und ihn fast fortführte, als würde ihm eine Seele abwendig gemacht, die ihm anvertraut war ...

Bei alledem blieb es entschieden, dass der Fürst zum General der Franciscaner fuhr und diesen unternehmenden Mönch sich auserbat, der den Grizzifalcone getödtet hatte und nichtsdestoweniger den Mut besass, noch den Bischof von Macerata und den Pilger von Loretto retten zu wollen ..