ihres Ordens überzutreten, auf einem wirklichen Bedürfniss der Seele beruhte ...
Als Pater Vincente gehört, er müsste auf das ganz Rom in Bewegung setzende Hochzeitsfest der Gräfin Olympia Maldachini mit dem Sohn des reichsten aller Römer nächst dem Fürsten Torlonia gehen und unter den hundert Bettlern auch für San-Pietro in Montorio seine zarte, weiche, frauenzimmerliche Hand offen halten, die einen Bischofsstab hätte tragen dürfen, wäre er nicht voll Demut gewesen, war er in seine Zelle gegangen, fastete und betete ... Dem "Bruder Todtenkopf" hatte man den Vorschlag gemacht, den voraussichtlich heute überfüllten Zwerchsack zu tragen ... Bruder Hubertus sang seit einiger Zeit so viel heitere Lieder, dass man den Versuch glaubte wagen zu dürfen, ihn ins Freie zu lassen, hinaus in eine allerdings fieberschwangere Mainacht ... Hubertus hatte erwidert:
Wohlan! Lasst mir aber den Pater Sebastus mit ... Es ist zu grausam, in Rom angekommen zu sein und neun Monate lang nichts davon gesehen zu haben, als eine Zelle von zehn Fuss Länge und zehn Fuss Breite ... Beim Kreuz des heiligen Petrus drüben, lasst ihn ohne Furcht mit mir gehen! ... Schon deshalb, weil er vielleicht ein Fieber mitbringt und ich dann gelegenheit habe, euch zu zeigen, wie ich in Java das Fieber curiren lernte ... Der nimmt die Arznei, vor der ihr euch so fürchtet ...
Die Mönche lachten über diese Worte aus zwei Ursachen ... Einmal weil sie aus einem Kauderwälsch von allerlei Sprachen bestanden ... Holländisch, Deutsch, etwas Messlatein und so viel Italienisch, als man auf einer Wanderung durch Italien bis hieher und in dem beschränktesten Verkehr mit der Welt erlernen konnte ... Dann, als man zum Uebersetzen den Pater Sebastus herbeigerufen, lachte man wieder über die Metode des Fiebercurirens, die nach Hubertus hauptsächlich in einer sonst nicht normalen Anwendung von Teer und Kuhmist bestehen sollte ...
Die Stimmung wurde dem Mitgehen des Paters Sebastus günstig ... Der Herbeigerufene trat in das Refectorium ein ... Er sah schon aus wie ein echter Nacheiferer des heiligen Petrus von Alcantara ... Hätte ihn sein General gesehen, er würde gesagt haben: Auch du, mein einst so wilder Kriegsmann, wirst mit der Zeit reif, die Wonne der heiligen Terese zu werden! So mochte einst der edle Ritter Don Quixote de la Mancha ausgesehen haben! So fleischlos hingen auch die arme des Don Pedro von Alcantara, so voll Schwielen waren seine Kniee! So sah er aus, als er in der schauerlichen Einöde zu Estremadura seinen furchtbaren Tractat über den "Seelenfrieden" schrieb! ...
Armes Jammerbild des Wahns! ... Aber "d o c h noch ein Glück dabei!" sagt der gute Bruder Lorenzo in "Romeo und Julia" ... Dinte und Papier hatte man dem Pater Sebastus gelassen. Man hatte ihm Bücher gegeben, um sich in der italienischen Sprache zu vervollkommnen. Man hatte gefunden, dass er besser Latein verstand, als der Pater Guardian, der seit diesem deutschen Pflegbefohlenen seine Sprachschnitzer nicht mehr so oft vom General unten im Kloster Santa-Maria corrigirt bekam ... Der Gefangene tilgte sie zuvor ...
Pater Sebastus, fahl und bleich, mit übergebeugter, hohler Brust, hüstelnd, unsichern Ganges, flösste dem Guardian keine Besorgniss mehr ein, dass er entfliehen und sich dem wahrscheinlich doch nur noch kurzen Rest seiner Strafzeit entziehen könnte ... Der Guardian betrachtete seine Collegen, wie der heilige Vater im Consistorium die Cardinäle ... Quid vobis videtur? Worauf ein einmütiges Stillschweigen die jahrtausendalte Regel ist ... Zustimmung schien auch hier aus Jedes Auge zu leuchten ... Bei dem "Bruder Todtenkopf" versah man sich ja, dass er keinen Schinken, keinen Büffelkäse als zu viel ablehnen, sondern den Sack so vollstopfen würde wie nur möglich – eben um seine Kraft zu zeigen, über die er etwas ruhmredig und plauderhaft war, der alte Polterer ... Man beschloss, den Pater Sebastus mitgehen zu lassen und unterrichtete nur noch beide, wie sie es anstellen müssten, um von Koch, Kellner, Haushofmeister des Fürsten Rucca mehr, als alle andern Klöster, besonders die nicht blöden Kapuziner von Ara Coeli, zu bekommen ... Das Hauptmittel, begriff schon Hubertus, war auch hier die Faust ... Wenn um Mitternacht die grosse Tafel, die der alte Fürst Rucca seinem Sohn und der "Nichte" des Cardinals Ceccone ausrichtete, zu Ende war, begann die Austeilung ... Brachen die Mönche um die zehnte Stunde auf, so kamen sie gerade recht ... Wogte es dann schon die ganze Nacht in jenen Strassen, die zur Villa Rucca führten, so ging für sie der Weg durch entlegenere Gegenden, wo sich rascher dahinschreiten liess ...
Die Frate waren, in Hoffnung auf die grosse Beute, so nachsichtig, dass sie sogar in dem Verlangen des Pater Sebastus nach Siegelwachs heute nichts Sträfliches fanden und ihm die Mittel einer unerlaubten Correspondenz an die Hand gaben; – es sollte alles, was die beiden deutschen Mönche auf die Post gaben, erst hinunter an den General kommen ... Heute ging in den Würsten, Schinken, Käsen, den feinern Tafelresten, die man erhoffte, ein Brief unbemerkt hin, den Pater Sebastus fast sichtbarlich seinem Leidensgefährten Hubertus zusteckte, dass er ihn vorher läse und mit unterschriebe .